Kochbuch von Annelina Waller: Buddha Bowls

Kochbuch von Annelina Waller: Buddha Bowls ★★★☆☆

Buddha Bowls –
Eine Schüssel voll Glück
Annelina Waller
Fotos Anastasia Franik
Callwey Verlag (2017)
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Stefanie Will

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Buddha-Bowls sind die grünen Smoothies dieses Jahres. Jeder will sie, jeder bietet sie an: eine bunte Mischung aus Zutaten, hübsch angerichtet und mit leckeren Saucen beträufelt. Früher nannte man das einfach Salat. Aber gut. Ob man dafür unbedingt ein Kochbuch braucht? Nun, angesichts der gefühlten 724 Bowl-Werke, die in den letzten Monaten erschienen sind, anscheinend schon …

„Buddha Bowls“ von Annelina Waller ist eines der unzähligen Exemplare, die sich derzeit in den Kochbuchregalen dicht an dicht drängen. Warum Buddha-Bowl? Naja, was wohl kein Autor gern schreibt (und ich habe bisher auch noch keinen gefunden, der es getan hat): Buddha-Bowls sind eigentlich nichts Neues, sondern etwas Wiederentdecktes, dem man jetzt eben das Super-Trendy-Siegel aufgedrückt hat.

Vom Speiseplan der Zen-Buddhisten oder aus Kalifornien?

Tatsächlich stehen die wie ein Buddha-Bauch prall gefüllten Schüsseln, daher auch der Name, bereits seit Jahrhunderten auf dem Speiseplan der japanischen Zen-Buddhisten. Ōryōki heißen sie da. Eine Bezeichnung, die nicht nur die Schüsselmahlzeit an sich, sondern auch das zugehörige Besteck und sogar die Tischmanieren beschreibt. Laut Annelina Waller stammen die Bowls aber aus Kalifornien. Klar, woher auch sonst?

Dort lernte die Autorin (links ein Foto von ihr) die Bowls jedenfalls kennen, fand sie aber nach eigener Aussage viel zu aufwendig, weswegen sie sich quasi gezwungen sah, ein Kochbuch fürs eilige Bowling zu schreiben. Ob es hält, was es verspricht? Nun, zunächst geht die Autorin auf die Vorteile der Schüsselmahlzeiten ein: Sie sind gesund. Sie machen schlank. Sie sind umweltfreundlich. Salate auch. Weil aber Buddha-Bowls keine Salate sind bzw. keine sein wollen, geht Waller im gesamten ersten Kapitel auf die Zusammensetzung ein. Nicht einfach Grünzeug mit ein bisschen Gemüse, nein, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Samen sollen für ein ausgewogenes Verhältnis von Vitaminen, Mineralstoffen, Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen sorgen. Es folgen Tipps für das schnelle Kochen und mehr oder weniger sinnvolle Infos dazu, wo man was bekommt – im Bio-Markt, auf dem Wochenmarkt oder im Asia-Laden …

Das Highlight: die Dressings

Das Buch ist unterteilt in die Kapitel „Basis-Rezepte“, „Dressing-Rezepte“, „Frühstücksbowls“, „Mittagsbowls“, „Abendbowls“ und „Dessertbowls“, wobei das erste Kapitel mit einer kurzen und tatsächlich sehr hilfreichen Übersicht dazu, wie lange man welche Menge an Hülsenfrüchten oder Körnern für ein optimales Ergebnis kochen sollte, daherkommt. Es folgen dann jedoch lediglich zwei Rezepte: Amaranth-Granola und Ofen-Geröstetes – wobei man über Sinn und Unsinn eines Rezepts für Röstgemüse wiederum streiten kann. Das dürfte wohl jeder mittelmäßig ambitionierte Hobbykoch auch ohne Anleitung hinkriegen.

Es folgt das erste Highlight des Buches: die Dressings! Die sind nicht nur sehr kreativ, sondern auch so lecker, dass ich das Buch allein hierfür immer wieder in die Hand nehme, wenn ich ein Salatdressing oder einfach nur einen netten Dip brauche. Die fettarme Mayonnaise, die ganz ohne Öl daher kommt, ist der Hit! Und auch das Erdnuss-Zitronen-Dressing ist schon mehrfach zum Einsatz gekommen – allerdings dann nicht mehr in Kombination mit den dazugehörigen Rezepte aus dem Buch. Die sind nämlich, nun ja, nicht übermäßig aufregend.

Knapp 100 Seiten teilen sich die Bowls zum Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie zum Dessert, fotografiert von Anastasia Franik im netten, aber nicht gerade überragend schönen Ambiente. Die Frühstücksbowl Kokos Delight klingt zunächst toll, stellt sich aber als Obstsalat aus Banane, Mango, Ananas und Kokosjoghurt heraus. Es geht weiter mit der Power Bowl, die eigentlich nur eine Abwandlung der irgendwann im letzten Jahrhundert so populären Overnight-Oats ist, dazu Smoothie-Bowls und Chia-Puddings in allen erdenklichen Varianten. Einzig die Zoats Bowl sticht heraus: Haferflocken mit geraspelter Zucchini und Apfel. Quasi die nächste Generation der Zucchini-Nudeln. Sehr clever. Und lecker!

Schnell? Hm.

Der Unterschied zwischen den Mittags- und den Abendbowls erschließt sich mir nicht so ganz. Mittags heißt in der Unterüberschrift: „schnell und sättigend“, abends dann „bunt und reichhaltig“, wobei diese Attribute eigentlich auf alle Bowls zutreffen. Eine der ausgefalleneren Mittagsschüsseln ist die Falafel Bliss Bowl mit selbstgemachten Falafel und Blumenkohlreis. Sehr kreativ, sehr farbenfroh, aber mitnichten mal eben schnell zubereitet. Da trifft die Amaranth Tabouleh Bowl schon eher ins Schwarze und ist eine schöne Abwechslung zum klassischen Tabouleh. Auch die Tofu-Zubereitung mit Kokosmilch, Tamari und Kokosblütenzucker in der Glow Bowl konnte überzeugen.

Im Großen und Ganzen aber sind die Rezepte eben auch nur Schüsselabwandlungen gängiger Rezepte, die hier und da mit exotischen Zutaten wie Kochbanane und Adzukibohnen gepimpt werden. Da gibt es die Sushi-Bowl eben in nicht-gerollter Form. Oder die Burrito-Bowl ohne Burrito.

Bei den Desserts wird es dann wieder ausgefallener: Der Schokopudding basiert auf Süßkartoffel – eine tolle Kombination, die ich bisher nur als Kuchen kannte. Auch der Pink Thai Pudding mit Klebreis und Kokosmilch schmeckte überragend lecker und passt perfekt in den Sommer. Dass man aus gefrorenen Bananen Eis, sogenanntes Nicecream, machen kann, ist seit der Rohkostwelle keine Neuigkeit mehr, dass man aber aus Maronen, Banane, Vanille und Kokosmilch eine wunderbar zarte Creme zaubern kann, ja, das kommt an!

Ein solides Kochbuch, das tolle Inspirationen liefert. Wer selbst gern kreativ wird, ist aber nicht unbedingt darauf angewiesen. Schließlich gilt als Grundregel bei den Buddha-Bowls (wie auch bei Salaten): Rein darf, was Spaß macht. Von ein paar Ausnahmen abgesehen sind die Rezepte nicht gerade eine Erleuchtung, geschmeckt haben sie aber alle.

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Veröffentlicht im August 2017

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