Kochbuch von Anne Faber: Anne’s Kitchen. Die neue englische Küche

Kochbuch von Anne Faber: Anne’s Kitchen. Die neue englische Küche ★★★☆☆

Anne’s Kitchen. Die neue englische Küche.
Anne Faber, Anne Faber & Jonathan Perugia
Editions Schortgen (2013)

Theresa Kellner

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Kochbücher von Bloggern erscheinen momentan gefühlt im Stundentakt. Offensichtlich haben die Verlage mittlerweile erkannt, welches Potential sich hinter bloggenden Foodies verbirgt. Diesen Reichtum hat wohl auch der junge luxemburgische Verlag Éditions Schortgen gespürt und mit „Anne’s Kitchen“ das erste Kochbuch der Bloggerin Anne Faber vorgelegt. Es lockt mit 150 genialen englischen Rezepten. Mal klassisch, mal neu interpretiert oder mit luxemburgischen Twist. Doch sind die Rezepte wirklich so genial?

Ich war noch nie in Großbritannien und hatte so bisher leider auch noch nicht die Gelegenheit, die wunderbare und kribbelige Hauptstadt London zu erkunden. Umso größer war daher meine Lust, das Buch „Anne’s Kitchen“ zu rezensieren. Wenn ich schon nicht nach England komme, kommt es eben zu mir und auf den Teller. Für eine kulinarische Entdeckungsreise durch England und ganz besonders London hält das Buch eine große Bandbreite an Rezepten bereit. Und der fast 280 Seiten starke Wälzer signalisiert schnell, dass er auch benutzt werden will: erst nach intensivem Gebrauch bleibt er endlich aufgeschlagen liegen.

annes-kitchen-screenshotNicht weniger als 150 geniale englische Rezepte lautet also das Versprechen von Anne Faber. Die gebürtige Luxemburgerin kam 2003 zum Studium nach England und verliebte sich prompt in ihre Wahlheimat London. Nach der Spezialisierung auf „Essen & Trinken“ in ihrem Journalismusstudium, arbeitete sie als Restaurantkritikerin, Rezeptentwicklerin und Foodfotografin. 2010 ging sie dann mit ihrem eigenen Blog – Anne’s Kitchen – online. Das daraus entstandene Kochbuch vereint all ihre Passionen und soll eine Hommage an die Küche Londons sein.

Anhand von liebevoll arrangierten Gerichten für jede Gelegenheit führt das Buch quer durch die Stadt. Zwischen den Rezepten zu Breakfast & Brunch, Everyday Cooking, Sunday Lunch, International Feasts, Partytime, Afternoon Tea und Sweets tauchen immer wieder Doppelseiten mit Fotos der Stadt auf. Central London wird genauso vorgestellt, wie der sagenumwobene Borough Market oder Soho. Und auch kulinarisch ist alles dabei, was der englandbegeisterte Gaumen erwartet: Baked Beans und Shepherd’s Pie, Fish and Chips und Yorkshire Puddings, Eton Mess und Trifle. Doch die Küche Londons beschränkt sich nicht nur auf einheimische Genüsse, auch andere Kulturen prägen das kulinarische Tagesgeschehen. Ein Rezept für ein Chicken Tikka Massala darf deshalb genauso wenig fehlen, wie Dandan Nudeln oder Samosas. Doch was die Macarons hier verloren haben, bleibt für mich nach wie vor schleierhaft.

Mit jedem weiteren nachgekochten Gericht wird mir klar, dass ich unbewusst gerade Rezepte ausgewählt habe, die letztendlich weniger für die englische Küche, als vielmehr für den kulturellen Schmelztiegel London stehen. Irisches Brot, ein Risotto oder ein Kartoffelgratin, das seine Wurzeln in Frankreich hat. Die Rezepte sind einfach nachzukochen und die Ergebnisse, nun ja, es hat sich mir da immer das selbe Wort aufgedrängt: nett. Es ist schwer nachzuvollziehen, ob es an den gewählten Gerichten lag, oder ob es auch bei den anderen Rezepten so ist. Die große Überraschung bleibt auf meinem Teller aus.

„Anne’s Kitchen“ ist in jedem Fall eine Hommage an London. Die Fotos von der Stadt (und auch der Rezepte) sind sehr schön anzuschauen. Zwischen den Zeilen liest man, wie begeistert Anne Faber kocht, backt, fotografiert und wie sehr sie London liebt. Und doch, geniale englische Rezepte und die neue englische Küche hatte ich mir aufregender vorgestellt. Das Rad wird leider nicht neu erfunden. Die Rezepte sind solide, nett eben, aber es fehlt ein Funken Spannung und Kreativität. Das Buch lädt zum Blättern und Träumen von der englischen Küche ein, wer sich intensiver damit beschäftigen möchte, sollte aber zu einem anderen greifen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2014

2 Kommentare

  1. Melanie

    Hallo,

    bisher habe ich den Orange Marmalade Cake with Whisky und die Sausage Rolls ausprobiert. Der Cake ist wirklich sehr gut, sieht richtig gut aus und sehr lecker. Die Sausage Rolls sind zwar ohne Salbei (dafür mit Petersilie) sind aber trotzdem gut. Und toll finde ich, dass die Autorin englische und luxemburgische Rezepte/typische Zutaten/Techniken kombiniert. Das ist doch sehr kreativ und interessant. Für mich als regelmäßige Inselbesucherin ist das Buch sehr gelungen. Und das besondere an den Macarons sind u.a. die chestnuts (very british!) und die Herkunft aus Luxemburg.

    P.S. Auf dem sagenumwobenen Borough Market unbedingt mal die Sausage Rolls von The Ginger Pig probieren. 🙂

    • Katharina

      Liebe Melanie, dank Dir für Deinen Blick auf das Buch. Immer interessant. 🙂

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