Kochbuch von Annabel Langbein: Natürlich kochen!

Kochbuch von Annabel Langbein: Natürlich kochen! ★★★★☆

Natürlich kochen!
Annabel Langbein, GU Verlag (2012)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

 

Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wenn einem vergönnt ist in Neuseeland zu leben, über einen riesigen Garten zum eigenen Anbau von Obst und Gemüse zu verfügen, einen See und das Meer zum Angeln fast vor der Haustür hat, dann sind eigentlich beste Voraussetzungen für „Natürliches Kochen“ gegeben. Doch Annabel Langbein gibt sich damit allein nicht zufrieden!

Als erfolgreiche Köchin, mit eigener TV-Serie und Kochbuchautorin weltweit bekannt und beliebt, engagiert sie sich für die Förderung von Bio-Lebensmitteln und dem Einsatz von saisonalen Produkten. Ihr Anliegen ist, mit frischen regionalen Zutaten etwas Gutes auf natürliche Weise zu kochen. Erstmal nicht außergewöhnlich.

Beim Blättern durch das Kochbuch sehe ich viele traumhaft schöne Landschaftsbilder, die Lust auf Neuseeland machen. Heile Welt, wohin man blickt. Auch viele Fotos mit Annabel Langbein – beim Gärtnern, beim Ernten, Fischen, Backen und Kochen, mit Freunden, beim Grillen – beinahe in allen Lebenslagen. Dazwischen kleine Anekdoten z.B. über „glückliche Hühner“ oder „süße Honigbienen“. Das Ganze ist daher eine Mischung aus Annabel-in-Neuseeland-Bildband mit Rezepten. Bei über 300 Seiten ist zwar genügend Platz für die eigentliche Hauptsache. Mir sind es aber zu viele Inszenierungs-Fotos: Wer knetet schon schmuckbehangen einen Teig oder gräbt damit Erde um? Aber das ist Ansichtssache, wie ich feststellen musste. Meine Kolleginnen, denen ich das Kochbuch zeigte, waren begeistert.

Heimisches und Fremdes

Nun aber endlich zum spannendsten Teil, den Rezepten. Die mal etwas anderen Kapitelüberschriften „Aus der Backstube“, „Aus dem Gemüsegarten“, „Direkt vom Bauernhof“, „Aus See und Meer“, „Aus der Molkerei“ und „Aus dem Obstgarten“ machen mich neugierig. Die Rezepte sind übersichtlich, präzise beschrieben und teilweise mit nützlichen Tipps versehen. Manchmal werden noch weitere Variationsmöglichkeiten genannt oder auf andere Rezepte verwiesen, die sich gut kombinieren lassen. Dabei habe ich so ganz vertraut heimische Rezepte wie z.B. Zimtschnecken entdeckt, als auch mehr oder weniger bekannte Gerichte aus der europäischen, indischen, afrikanischen und asiatischen Küche. Die Zutatenliste sieht zwar manchmal auf den ersten Blick erschreckend üppig aus, meist handelt es sich aber um Zutaten, die man sowieso im Haus hat. Und wenn die Einkaufsliste doch mal länger ausfällt, dann hat sich der Aufwand auch gelohnt, wie z.B. bei dem äußerst leckeren Couscous-Gemüse. Fast alle erforderlichen Zutaten konnte ich problemlos in gut sortierten Supermärkten einkaufen.

Gelegentlich findet sich eine wie handschriftlich notierte Menü-Reihenfolge über einer Abbildung mit geschmackvoll gedeckter Tafel. Eine sehr nette Idee, wie ich finde. Auf einem Farbkopierer abgelichtet, auf farbigen Karton aufgeklebt, hatte ich flugs eine Menü-Karte für das Essen mit Freunden. Übrigens die Stiefkinder vieler Kochbücher haben hier ihre Meister gefunden: ein Glossar und ausführliches Register, wo ich wirklich alles wiederfinde!

Alles klappt!

Kein Rezept was nicht funktioniert hat. Mit der meist unkomplizierten Zubereitung müssten auch Ungeübte gut klar kommen, denke ich. Und wem das nicht reicht, der kann Annabel bei einigen Rezepten im Internet bei der Zubereitung zuschauen. Der Hinweis steht unter dem jeweiligen Rezept. Viele Gerichte haben mich mit einer neuen kleinen Finesse überrascht, die nicht nur die Alltagsküche zu etwas Besonderem macht. Bei Annabell entstehen entweder mittels kleiner Weltreise durchs Gewürzregal oder der Kombination von Gegensätzen unkomplizierte aber raffinierte Gerichte. Z.B. ersparte mir ein wunderbares Ziegenkäse-Soufflé die Zitterpartie des eventuellen Zusammenfallens dadurch, dass es zweimal gebacken wird.

Für einen Großstädter (wie mich) sind vielleicht nicht alle Rezepte realisierbar, z.B. selbst räuchern oder über dem offenen Feuer grillen. Dafür gab es aber andere DIY-Rezepte, die wirklich jedem gelingen, wie selbstgemachte Creme fraiche und Frischkäse.

Geschmackssache: Annabel überall

Das Kochen, die Gerichte, die Stimmung – da bin ich ganz bei dem Kochbuch. Nur die Annabel, die trifft man zwischen den Seiten für meinen Geschmack definitiv zu häufig – so sympathisch sie ist. Aber das liegt im Auge des Betrachters.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

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