Kochbuch von Annabel Langbein: Easy Cooking

Kochbuch von Annabel Langbein: Easy Cooking ★★★★☆

Easy Cooking
Annabel Langbein, Gerstenberg Verlag (2008)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Die neuseeländische Kochbuchautorin Annabel Langbein erobert Europa. Ihre prämierten Kochbücher sind nun in den Niederlanden, Norwegen, Frankreich und Deutschland erschienen. „Ein gutes Rezept sollte wie eine Straßenkarte sein, die leicht zu lesen ist“ schreibt sie. Sie verspricht, dass ihre Rezepte schnell, einfach und erfolgreich sind. Nun, suchen nicht zahllose Kochbücher ihre Leser mit dieser Ankündigung? Und bleibt es nicht häufig bei der Behauptung? 

Bei Annabel Langbein ist es anders. Sie hält, was der Titel verspricht. Ihr Erfolgsgeheimnis habe ich in ihren durchdachten Rezeptseiten entdeckt, die die Lebenswelt der Homecooks berücksichtigt und das Know-How für die Zubereitung in kleinen „Dosen“ weiterreicht. Der Schwerpunkt ihrer Kapitel liegt auf den „little Meals“, Rezepte für die Wochentage. Daraus folgt eine gelungene lebensechte Balance von (tendenziell) mehr vegetarischen Gerichten als Fisch- und Fleischmahlzeiten, wie ich finde.

Eine Fusion-Küche, die im Klappentext angekündigt ist, ist nicht im klassischen Sinne zu erwarten. Zwar präsentiert Annabel Langbein Rezepte aus vielen Landesküchen, insbesondere aus der mediterranen und asiatischen (daneben auch englische Klassiker wie Lemon Curd, Cottage Pie), aber es werden kaum Einflüsse miteinander verwoben, sondern jedes Rezept bleibt seinem Ursprung treu. Das selbstverständliche Nebeneinander der Kochtraditionen entspringt sicher ihrer Heimat Neuseeland.

Sehr konsequent ist die Kürze der Texte. Die Autorin spricht den Leser in Maßen persönlich an, ihre Rezepte bleiben sachlich. Dabei führen wenige Arbeitsschritte zu einem zuverlässigen Ergebnis. Gerne startet Annabel Langbein mit einem einfachen Basisrezept (dessen Grundlage auch eine industriell gefertigte Zutat sein kann), das variiert wird. Ein Beispiel dafür ist ihre Rezeptidee, fertiges Vanilleeis in Kokos-Zitronen-Eis, Cassata, Grüntee-Ingwer-Eis etc. zu verwandeln. Besonders haben mir ihre Salat-Ideen gefallen, ihre Desserts und Braten haben mich (mit Ausnahmen) weniger mitgerissen. Sie weist immer auf Möglichkeiten der Vorbereitung und Aufbewahrung hin, was sehr praktisch ist. Die erforderlichen Zutaten sind in (fast) jedem gut sortierten Supermarkt bzw. Asia-Shop zu beziehen (Ausnahme: Wachteleier und Muscheln). Einen charmanten Exkurs habe ich entdeckt: Der Hinweis, dass Sahne bei 32 C Grad gerinnt, ist für einen „Kiwi“ sicherlich praxisnäher als für einen „Kraut“. Übrigens: Das Kochbuch ist reich bebildert und hat ein schlichtes modernes Layout, allerdings etwas durchschnittlich belanglos, wie ich finde.

“Easy Cooking” kommt unauffällig daher, so ganz ohne „british-style Pop“-Layout und lädt ein, unterschätzt zu werden. Das Kochbuch ist für mich wie eine gelungene Screwball-Comedy, die leicht und ein wenig zufällig scheint. Tatsächlich ist die Grundlage ein pointiertes Drehbuch. Für geübte Homecooks, die raffinierte kulinarische Details suchen, ist es nicht das passende Buch. Es eignet sich umso mehr für Kocheinsteiger oder routinierte Köche, die täglich eine kleine oder große Familie versorgen (müssen) und nach unaufwendiger, doch Zufriedenheit stiftender Abwechslung in ihrem Koch-Repertoire dürsten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2009

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