Kochbuch von Anna Jones: A Modern Way to Eat

Kochbuch von Anna Jones: A Modern Way to Eat ★★★★★

A Modern Way to Eat – Über 200 vegetarische
und vegane Rezepte für jeden Tag
Anna Jones
Fotos Brian Ferry
Mosaik (2015)
Mehr über den Verlag

Isabel Geigenberger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

„A Modern Way to Eat“ – wollen wir heute wirklich „modern“ sein? Nein, der Titel hätte mich nicht so schnell hinter dem Ofen hervorgelockt, wenn mir das Werk nicht ans Herz gelegt worden wäre. Als dann das Buch vor mir lag, hob sich die Stimmung. Und auch der zweite und der dritte Blick überzeugten. Ja zur Moderne, wie sie Anna Jones propagiert!

Ist das Konzept „Fleisch plus zwei Gemüse“ prähistorisch? Diese Frage stellt Anna Jones sich und uns. Angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten und all der Anforderungen, die wir an unser Essen stellen, vielleicht wirklich: Saisonal, biologisch, ernährungsphysiologisch wertvoll, gut für den Planeten, preiswert, schnell gekocht und natürlich köstlich soll es sein. Dennoch basieren auch häufig meine Kochideen – aufgrund von Sozialisation und Tradition – oft auf der Formel „Fleisch plus X“ oder halt Pasta/ Reis oder Kartoffel.

Die Vielzahl an gesunden oder gar Superfood-gehypten Nahrungsmitteln, die mich im Bioladen anspringen, bekomme ich da nicht leicht unter. Eben dieses Problems nimmt sich Anna Jones an, sie schreibt sich aufs Panier Genuss und Gesundheit, aber auch all die anderen Anforderungen in einfachen Rezepten zusammenzubringen. Ihre Rezepte sind vegetarisch und häufig vegan (oder enthalten entsprechende Vorschläge), oft auch glutenfrei.

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Körner und Gemüse – aus aller Herren Länder

Schon beim ersten Durchblättern finde ich viele Themen wieder, die mich gerade beschäftigen: ja, gerne mehr Körner essen, aber wie und welche? Gemüse als Hauptträger einer Mahlzeit, ohne viel Zeitaufwand, Ei-Ersatz für vegane Freunde, aber ohne Fertigprodukte. Annas Ansatz ist am Puls der Zeit, dazu passen auch die zahlreichen internationalen Einflüsse und Rezepte.

Die meisten Rezepte sind bebildert, ansprechende, zeitgenössische Food-Fotografie, die Farben und Texturen in den Mittelpunkt stellt. Anna selbst lächelt uns nur von der Rückseite aus an – im Buch steht das Essen im Fokus. In elf Kapiteln leitet sie uns durch den Tag, dazu gesellen sich Extrakapitel zu Getränken und „Nützlichem“.

Nur ein Dauerthema, das mich und Freunde stets beschäftigt, ist nicht angesprochen: Das Kochen für die Familie, besonders die Kinder. Na, in dieser Lebenssituation steht Anna noch nicht, aber wenn es bei ihr dann mal soweit ist, kommt sicher noch ein passendes Kochbuch. (Ergänzung: mittlerweile hat sie ein Baby, aber die kritische Phase der Kinderernährung kommt ja erst noch) So manches Rezept werde ich zubereiten, wenn ich für mich allein ein schnelles Gericht suche – und dann ohne lästige Kinderkommentare genießen.

Vom Ofenkürbis zur Mohnwaffel

Toll finde ich von Anfang an die vielen Alternativen, die sie vorschlägt. Fast jedes Rezept lädt zum Nachkochen ein, vielleicht auch, weil durch den Verzicht auf Fleisch/Fisch und Meeresfrüchte so manche Besorgungsfrage ausbleibt. Auch die verwendeten Gemüse sind größtenteils ganzjährig erhältlich.

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Nach all diesen positiven ersten Eindrücken bleibt die Frage – trifft sie mit ihren Rezepten auch meinen Geschmack? Der erste Versuch werden ganz spontan die „schnellen Gurken-Pickles“ als Beilage – ach nö, das muss nicht sein: Koriandersamen und Gurke, das wird nicht meine Kombi. Unverdrossen weiter zum nächsten Rezept: Ofenkürbis mit Dukkah, Chili und Limette – ja, so können wir Freunde werden! Wunderbar, die nussigen Aromen des Dukkahs zusammen mit den Spitzen von Chili und Limette, da erhält die erdwarme Schwere des Kürbis eine wunderbare Ergänzung. Der nächste Nachkocher wurden die Mohnwaffeln: Anna Jones (links) macht sie mit gemahlenen Haferflocken anstelle von Weizenmehl, eine sehr schmackhafte und gesunde Alternative. Werde ich nun öfter anwenden. Als Alternative für Veganer empfiehlt sie, ein Ei durch je einen Löffel Chiasamen zu ersetzten, je nach Geschmack gemahlen oder im Ganzen. Wie schön, so eine einfache Möglichkeit zu kennen.

Wie jede Köchin hat Anna Jones gewisse geschmackliche Vorlieben, sie nutzt viele frische Kräuter, insbesondere Koriander, Pul Biber, auch Ahornsirup. Körner und Nüsse, Avocados und Kürbis, rote Beete und Grünkohl sind gern gesehene Gäste. Knoblauch spielt eine weniger große Rolle (lässt sich aber auch leicht ergänzen ;-). Immer wieder erstaunt mich die Internationalität der Gerichte, Indien, Italien, Orient, Japan, Mexiko, USA, das kommt alles ganz selbstverständlich daher und funktioniert.

Apfelpapier

Das Buch ist rundum gut handhabbar, es gibt viele Hin- und Querverweise, Variationen und gute Register mit Extra-Aufzählung der veganen und glutenfreien Rezepte. Die Anleitungen sind gut aufgebaut, man spürt immer wieder: da hat jemand mitgedacht! Nur manchmal vermisste ich etwas detailliertere Angaben, so wie die Sorte der verwendeten Chili, ob sie Kerne mitverwendet oder nicht, oder was beim Rezept „Buchweizen mit Koriander und Orange“ mit der Orange geschieht.

Das Buch wurde übrigens als erstes Buch weltweit auf Apfelpapier gedruckt. Ein Südtiroler Unternehmen stellt es aus Apfelabfällen her – umweltfreundlich und vollständig biologisch abbaubar. Haptisch und optisch ist kein Unterschied zu merken.

Ja, die Kandidatin bekommt 100 Punkte! Genuss und Gewissen, Exotik und Hausmannskost, Süßes und Herzhaftes – diese „moderne“ Art zu kochen gefällt und bereichert. Unverkrampft und sinnenfroh kann man sich hier neuen oder wiederentdeckten Lebensmitteln wie Emmer, Amaranth, Chia, Quinoa oder Grünkohl nähern. Das Erstlingswerk von Anna Jones ist also rundum gelungen. Mittlerweile ist auch ein zweites Buch erschienen: „A Modern Way to Cook“ und sie wird als die „neue Nigella“ gehandelt. Ein neuer Stern am Kochhimmel!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2016

10 Kommentare

  1. Charlotte

    Vielen Dank für die schöne Rezension! Für meine Begriffe ist das Buch hervorragend für die ganze Familie geeignet. Meine drei Kinder lieben die wundervolle Ribollita von Anna Jones. Die Zitronen Ricotta Pancakes sind ebenfalls toll. Das Dal mit Süßkartoffeln findet reißenden Absatz. Grüne Gemüsepuffer sind ideal für Resteverwertung. Rösti Pie mit Pilzen ist ein Hit für die große Runde! Der Apfel Melasse Kuchen hat uns sehr gut geschmeckt. Nicht wiederholt werden Lauras Quinoa Salat sowie das saatenhaltige Bananenbrot. Nichtsdestotrotz ein sehr innovatives, liebevoll gemachtes Buch mit vielen Ideen, das uns durch das Jahr begleitet! Herzlich Charlotte

    • Katharina

      Vielen Dank, Charlotte, habe gleich notiert. Ich selber habe mir das Buch nämlich auch noch mal gekauft. 🙂

    • Isabel

      Wie schön, Charlotte und vielen Dank fürs Teilen. Hab das Buch erst grad verschenkt und werd Deine Empfehlungen weitergeben. 🙂

  2. Isabel

    Kleiner Kommentar: In dem Video spricht Anna Jones über ihr neuestes Buch „A modern way to cook“, darin findet sich auch das suer-simple Pastarezept, von dem sie erzählt. Hier findet Ihr es: http://annajones.co.uk/recipe/a-modern-way-to-cook-is-out

  3. sk@translation-for-gourmets.de

    Hallo,
    ich habe mich sehr gefreut, dass eins meiner aktuellen Lieblingskochbücher auf Valentinas rezensiert wird. Mir gefällt die persönliche Herangehensweise von Anna Jones mit handfesten Tipps und leicht umsetzbaren Konzepten, ihre guten Ideen und Kombinationen, und die Rezepte, die ich bisher ausprobiert habe (Emmer mit Ofenlauch und rauchig süßer Romesco-Sauce, Kichererbsen-Eintopf mit eingelegter Zitrone und vor allem die Linsen-Pie mit Süßkartoffelhaube), sind nicht einfach nur gut, sondern ein kleines Fest im Alltag.

    Als Übersetzerin dieses Buchs kenne ich den Text sehr genau – umso mehr wundert es mich, in der Zwischenüberschrift von Übersetzungsmängeln zu lesen, die dann nicht aufgeführt werden. Wenn ich von Übersetzungsmängeln lese, gehe ich davon aus, dass das englische Original mit dem deutschen Text verglichen wurde. Ich bin gern zur Diskussion bereit, wenn ich konkrete Textstellen genannt bekomme.

    Aufgabe des Übersetzers ist nicht, ein Buch neu zu erfinden, sie/er übersetzt gewöhnlich das, was die Autorin/der Autor geschrieben hat. Im Falle von im deutschsprachigen Raum schwer erhältlichen Zutaten u.ä. findet eine Abstimmung mit dem Verlagslektorat statt, wobei der Übersetzer dabei lediglich Anmerkungen macht, der Verlag hat natürlich immer das letzte Wort.

    So entscheidet hier beispielsweise die Autorin, dass sie lediglich zwischen grünen und roten Chilis unterscheiden möchte und dass es ihr anscheinend nicht wichtig ist, ob die Samen (nicht Kerne!) der Chilis mitverwendet und die Orangenhälften aussortiert werden sollen. Im englischen Original steht davon jedenfalls nichts.

    Mir ist klar, dass es eine Rezension gleich viel interessanter macht, wenn auch etwas Negatives zu lesen ist – dann aber bitte korrekt recherchiert.

    • Isabel

      Hallo Susanne, das ist natürlich missverständlich, so eine Zwischenüberschrift ohne Textbezug, tut mir leid. Stammt aus einer früheren Textversion. LG Isabel

      • sk@translation-for-gourmets.de

        Hallo Isabel, danke für die Info. Kein Problem, wollte nur Bereitschaft zur Diskussion signalisieren, falls Fragen offen sind. LG Susanne

  4. Isa

    Sehr verführerisch. Werde ich mir bestellen… Aber: Wen erwähnt sie im Film nach Nigel Slater? Ich versteh’s nicht, ihr?

    • Isabel

      Ich konnt’s auch noch nicht raushören, aber ich werd unsere GB-Spezialistin fragen. 🙂

      • Isabel

        Halt, nein, nach einer Nacht voll Schlaf hab ichs: sie erwähnt nicht jemanden, sie nuschelt nur . „I love Nigel Slater, I love „hackerights““ soll „How he writes“ heissen! Und danach kommen ja die Blogger, die sie mag, die sind gut zu verstehen, oder? ;-))))

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