Kochbuch von Anna de Leeuw: Food for the Soul

Kochbuch von Anna de Leeuw: Food for the Soul ★★★☆☆

Food for the Soul von Anna de Leeuw,
Marianne Luning und Barbara van Stek, Hölker Verlag (2010)
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Simone Brokmeier

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Soul Food, Bilder von Wiesen, Blüten und Gemüse, buntes, nostalgisch angehauchtes Papier – da sieht man gleich: das ist ein Frauen-Kochbuch! Und am Ende des kalten Winters, kann ich schon Nahrung für die Seele brauchen! Schön anzuschauen, sehr hochwertig die Aufmachung und die leckeren Kleinigkeiten von Rote-Bete-Salat mit Ziegenkäse bis zum Apfel-Sushi haben mich auch sofort zum Nachkochen animiert.

Überhaupt sind die Rezepte – bis auf einige kleine Fischgerichte – komplett vegetarisch und eher Vorspeisen oder kleine Gerichte, die man beliebig zu einem Menü zusammenstellen kann. Darum gibt es auch nicht die klassische Einteilung der Rezepte in Suppen, Vorspeisen, Desserts etc., sondern die Rezepte werden zu sieben Themen zusammengefasst: Glück, Dankbarkeit, Zusammensein, Inspiration, Genuss, Reinheit und Stille. Schöne Worte, Wohlgefühl. Nur, was hat gerösteter Knoblauch mit Glück zu tun und frittierte Gemüsechips mit Stille? Warum steht Tapenade für Reinheit und Rhabarber-Ingwer-Tarte für Dankbarkeit?

food for the soulNeben den etwa sieben Rezepten je Rubrik finden sich dann auch kleine Gedichte und Lebensweisheiten. Da stellt sich mir allerdings die Frage, ob ich das in einem Kochbuch will, geschweige denn brauche? Zugegeben, bei dem ein oder anderen Spruch ist mir ein Lächeln übers Gesicht gehuscht (Wenn das Leben dir Limonen gibt, mach daraus Limonade) und auch beim Betrachten der vielfach schönen, schlichten Food-, Blüten- oder Landschaftsbilder freut man sich. Da kommt dann automatisch das Feel-good- und Genieße!-Gefühl, das die drei Autoren, wohl beabsichtigt hatten, dabei aber vielleicht einfach ein wenig zu dick aufgetragen haben. Initiiert wurde das Projekt von der Stylistin Marianne Luning, dazu kamen die Fotografin Anna de Leeuw und die Köchin Barbara von Stek, die ein eigenes Restaurant im französichen Morvan führt. Ein bisschen weniger Styling wäre mir persönlich auf jeden Fall lieber gewesen, denn auf die vielen lächelnden Frauen (!), die in weißen Kleidern über Blumenwiesen laufen oder die mehrmals auftauchenden Pferde, könnte ich gerne verzichten. Da hat man wohl ein bisschen zu sehr auf die beabsichtigte Klientel geschielt, denn im Hölker Verlag ist auch schon ein (wahrscheinlich erfolgreiches) Kochbuch erschienen, das fast das gleiche Titelbild ziert…

food for the soulDie ansonsten schöne Gestaltung macht vieles wieder wett: jedes Rezept steht einzeln auf pastell-farbigen, dezent gemusterten Seiten, sehr hübsch, sehr übersichtlich. Auch das Lesebändchen (findet man viel zu selten noch) gefällt mir. Und die Rezepte? Teilweise kommt mir das alles eher bekannt und sehr simpel vor. Kartoffeln mit Cottage Cheese und ein paar Kräutern sind genauso wenig neu oder aufregend wie gebackene Bananen mit Vanilleeis. Zum Glück gibt es aber auch spannende Kombinationen (s.u.), nur was das alles mit den Themen zu tun hat, hat sich mir bis zuletzt nicht erschlossen.

Ein wenig skeptisch habe ich mich also schon an die Zubereitung gemacht. Aber ich muss sagen, die Ergebnisse konnten sich sehen lassen! Wenn man sich die spannendsten Ideen raussucht, wird man mit feinen, auch neuen Kreationen belohnt. Ob man allerdings für diese Highlights ein ganzes Buch braucht… das wage ich nicht ganz zu bejahen. Als Geschenk freut sich aber die (pferdebegeisterte) Freundin mit Hang zu Poesie bestimmt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2011

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