Kochbuch von Anjum Anand: Die besten indischen Currys

Kochbuch von Anjum Anand: Die besten indischen Currys ★★★★☆

Die besten indischen Currys
Anjum Anand
Fotos Jonathan Gregson
Edition Fackelträger (2015)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Bei der Zubereitung eines Currys gibt es diesen magischen Moment, wenn die XXL-Zutatenliste abgearbeitet ist, der Gewürzschrank im Chaos versinkt, dann füllt plötzlich ein Duft die Küche und in der Pfanne verbinden sich die Moleküle zu einem großen Ganzen. Der Moment des Lächelns ist gekommen.

Als Non-Curry-Native fühle ich mich fachlich als Analphabetin. Es beginnt mit der doppelten Wortbedeutung von Gewürzmischung und Gericht, setzt sich bei den Curry-Blättern fort, deren botanische Bezeichnung als Ableitung kaum erklärbar ist, und weiter bei der Bandbreite der möglichen Gewürzen und endet bei der mannigfaltigen Zubereitung. Überall ist sie anders: in Ländern wie Thailand, Indien und Malaysia. Und dann noch die Regionen … Oh Gott. Der kleinste Nenner ist letzlich die asiatische Herkunftsregion und dass es ein extrem leckeres Gericht ist mit sehr viel Sauce und kräftigen Gewürzen. Im Übrigen ein komplexes Sujet. Aus diesem Grund steht Madhur Jaffreys Klassiker Curry in meinem Regal, auch Atul Kochhar ist eingezogen – unsere Isabel war, nein, ist so begeistert. Schließlich musste noch Camelias Panjabis Indische Currys her, ein Tipp von unserer Annick.

Nun hat sich Anjum Anand dazugesellt mit 54 Curryrezepten, alltagstaugliche Gerichte und Restaurantklassiker, wie sie beschreibt. Die britische Fernsehköchin, 44 Jahre alt, wird auch die Nigella Lawson der indischen Küche genannt, berichtet Wikipedia, wo auch ihr vielseitiger Werdegang zwischen European Business Administration-Studium und Kellnerin im Park Royal Hotel in New Delhi erwähnt wird.

autorenfoto-portrait-anjum-anand-valentinasWenn Joghurt ins Curry kommt

Das Buch ist klassisch strukturiert mit einer Einführung über das How-to und darauf folgenden Rezeptkapiteln. Erstere fällt kurz aus, ist aber lohnenswert zu lesen, besonders der Hinweis für die Verwendung von Joghurt ist wertvoll in der Praxis, der vielen Saucen Cremigkeit verleiht. Mir war er prompt geronnen. Anjum Anand erklärt, wie es nicht passiert. Man sollte man Sahnejoghurt in Zimmertemperatur verwenden, denn Fett stabilisiert. Und eine größere Portion gebe man am besten eh portionsweise hinzu. Auch die Tipps, wie Currys mehr Schärfe erhalten oder milder werden, mehr Süße oder Säure bekommen, sind lesenswert. Notfalls, endet die Autorin zum Thema Nachwürzung, solle man darüber schlafen, denn die meisten Currys werden über Nacht besser, wenn die Gewürze eingezogen sind. Daraus folgt die Nebeninformation an alle Gastgeberinnen, dass Currys wie Schmorgerichte einfach ideal sind, wenn Freunde und Familie kommen – sie können am Tag zuvor zubereitet werden.

Wer durch die Seiten erstmalig stöbert, sollte am besten eine Karte Indiens daneben legen – damit die Reise durchs Land klarer wird, weil es ein bisschen wie verreisen ist: für den Fisch mit Joghurt (sehr fein! Hier passierte der Joghurt-Unfall übrigens) geht es nach Bengalen, fürs Garnelenkurre nach Kerala (liegt natürlich am Meer) und das Kokos-Masala-Hähnchen nach Andhra (Westküste; sobald Tomaten in ein Curry kommen, heißt es übrigens Masala).

kochbuch-die-besten-indischen-currys-anjum-anand-inside-valentinasÜber die Texte

Nur die einleitenden Worte dabei lesen sich stilistisch eher wie klebrig süße Refrains: „Dieses außergewöhnlich leichte Rezept …“ Nächste Seite: „Dieses pikante, vollmundige Curry …“ Nächste Seite: „Dieses cremige Gericht …“ Oder: „… gehört zu meinen Lieblingsgerichten“. Nächste Seite: „… aber ich liebe es“. Entweder braucht sie eine Texterin oder die Texterin braucht Urlaub. Puh. 



Eine gute Nachricht ist, dass alle Rezepte bebildert sind: denn da sich die Zutatenlisten wegen der Gewürze für Laien wie mich redundant lesen, hilft das fotografierte Gericht – so dass man wenigstens hier unterscheiden kann. Auch wenn der Auftrag, ein Curry-Buch abzulichten, sicherlich bei einem Fotografen nur Stöhnen in kreativer Hinsicht auslösen wird: Sauce, nichts als Sauce und nicht immer in appetitlicher Farbe. Schlagt mal S. 101 auf, dann wisst ihr, was ich meine: ganz schön grau. Fotograf Jonathan Gregson hat aber alles rausgeholt.

 Beim Nachkochen habe ich mich weniger auf die Add-on-Kapitel Beilagen und Snacks konzentriert, sondern auf die Currys.

Die Zufriedenheit folgte der Dramaturgie, dass die anfänglichen soliden Erlebnisse sich in wahre Zufriedenheit wandelten, spätestens als ich mit unserer Doris das Meeresfrüchte-Curry zubereitete. Die Sauce war einfach herrlich, würzig, leicht mit feinstem Aroma. Und das Kartoffelcurry ist in mein ständiges Repertoire für einen preiswerten Glücklichmacher unter der Woche eingegangen. Ich bin mit Anjum dem Wesen des Currys wieder nähen gekommen, wie sie aufgebaut sind und welche „Rezept-Familien“ es gibt. Mein gut gefüllter Gewürzschrank kam dabei übrigens ohne Neuanschaffungen aus.

Die besten indischen Currys ist ein gelungenes Kochbuch, vor allem im Hinblick auf die Rezepte. Anjum Anand geht nicht den Weg der kulinarischen Vereinfachung für Westler, dass am Ende die Gerichte ihrer magischen Gewürze beraubt werden, aber andererseits ist die Beschreibung „alltagstauglich“ zutreffend, wenn . Handwerklich hätten die Texte einen weiteren Editor gebraucht und auch kulturell wäre eine kulinarische Curry-Typologie der Regionen interessant gewesen. Aber vielleicht erfordert das einen Arbeitsaufwand einer Doktorarbeit?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2015

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