Kochbuch von Anica Matzka-Dojder: Mein Istrien-Kochbuch

Kochbuch von Anica Matzka-Dojder: Mein Istrien-Kochbuch ★★★☆☆

Mein Istrien-Kochbuch – Mit
Geschichten von Manfred Matzka
Anica Matzka-Dojder
Fotos: Ulrike Köb
Christian Brandstätter Verlag (2019)
Mehr über den Verlag

Susanne Hohmann

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Wer möchte sich nicht gerne kroatisches Urlaubsgefühl in die Küche holen? Wer schon einmal in dem Land an der Adria gewesen ist, weiß: Es ist so schön dort. Das vorliegende Kochbuch knüpft an diese Sehnsucht kulinarisch an.

Die Autorin Anica Matzka-Dojder (Foto unten) selbst wurde noch in Jugoslawien geboren. Nach dem Abitur zog sie bereits nach Österreich, wo sie zunächst eine Ausbildung als Krankenpflegerin absolvierte und auch politisch arbeitete. Der ursprünglichen Heimat blieb sie treu.

Kochbuchautorin Anica Matzka-Dojder

Ein Steinhaus in Istrien

Mit ihrem Mann Manfred Matzka, der als Co-Autor an dem Kochbuch mitwirkte, besitzt sie seit mehr als 25 Jahren ein Haus nahe der Kvarner Bucht. Dort baut sie nicht nur Obst, Gemüse und Oliven an, sondern lädt sich auch regelmäßig Gäste ein und bewirtet sie. Im Laufe der Jahre hat sie mit Hilfe von Freunden, Nachbarn und Profiköchen Rezepte gesammelt und sich Kenntnisse der istrischen Küche angeeignet. Beides ist in das Kochbuch „Mein Istrien-Kochbuch“ eingeflossen.

Herausgekommen ist eine Rezeptsammlung, die sowohl Koch- als auch Reisebuch ist. Atmosphärisch bebildert führt uns das Buch durch Istriens Esskultur; dabei wird die regionale Bezeichnung „Istrien“ weiter gefasst als der bloße Verwaltungsbezirk.

Kochbuch und kulinarischer Reiseführer

Das Buch nimmt uns mit in die Berge und ans Meer, geht mit uns auf den Markt, erzählt über Meeresgetier und Fischfang, zeigt uns die traditionelle bäuerliche Küche der Region, und dies alles nicht nur mittels Rezepten. Immer wieder eingestreut sind die kundigen Texte Manfred Matzkas (Foto links) über (Ess-)Kultur und Geschichte des Landstriches. So gibt es Wissenswertes über die typische istrische Hausküche, einen runden Anbau mit einer Feuerstelle und einem hohen Kamin, oder über die verwendeten Küchenkräuter. Wer die Region selbst erkunden möchte, findet auch viele Adressen von Restaurants und Produzenten.
Kochbuchautor Manfred Matzka

Von Bergen, Meer, Trüffeln und Bauernküche

Aber wie steht es um das Herzstück des Buches, die Rezepte? Aufgrund der Geschichte des Landstriches ist die istrische Küche sehr facettenreich. Die österreichische Kuk-Monarchie hat einige Spuren hinterlassen. Besonders deutlich aber ist der italienische Einfluss. Im Buch wird daher auch nicht von der istrischen Küche gesprochen, sondern von der istrianischen, ein Wort, das im italienisch gefärbten Sprachzusammenhang gerne verwendet wird.

Es gibt viel Fisch und Meeresfrüchte – italienisch geprägt wie in einem Risotto mit Scampi, aber auch im Salat mit frischen Bohnen oder als frittierte oder panierte Sardellen. Es wird viel auf lokale Produkte eingegangen, so findet man Trüffel-Rezepte, ein Ragù, das mit dem einheimischen Boskarin-Rind gemacht wird, und natürlich werden einheimische Weine zum Kochen verwendet. Auch die traditionellen Gerichte wie das über dem Feuer gegarte Fleischgericht Peka oder die Polenta, die in ärmeren Zeiten Grundnahrungsmittel war, kommen nicht zu kurz.

Die Rezepte sind in aller Regel einfach; sie setzen auf frische, hochwertige Zutaten. Einige davon schmecken sicherlich in der Herkunftsregion am besten. Gewürzt wird hauptsächlich mit Zwiebeln, Knoblauch und vielen frischen Kräutern.

Authentische Rezepte mit Schwächen

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Anica Matzka-Doder erzählt, dass sie aus dem Handgelenk kocht. Das hat sich in den Rezepten niedergeschlagen; diese verlassen sich oft darauf, dass der Leser schon Kocherfahrung mitbringt. Es werden wichtige Details nicht erwähnt oder Arbeitsschritte ausgelassen. So wird unterschlagen, dass der klebrige Teig für die Njoki besser mit bemehlten Händen bearbeitet werden sollte. Der Nudelteig ist nach dem vorgegebenen Rezept viel zu fest (mein Mann fragte, ob es wohl etwas mit Streuseln gäbe). Die Zutaten für eine Fischpastete landen unzerkleinert im Mixer – solche Ungenauigkeiten ziehen sich durch die Rezepte und minderten bei mir zunehmend den Spaß beim Nachkochen. Zudem werden kroatische Begriffe verwendet wie loza, kosice oder gostionica. Auch wenn jeder Begriff im Buch verteilt erklärt wird, hätte ich mir ergänzend ein Glossar gewünscht, das alle an einer Stelle zusammenfasst.

Die authentischen Rezepte und atmosphärischen Fotos des Buches lassen eintauchen in die istrische Esskultur. Man erfährt viel über die Region. Dank der kenntnisreichen und liebevoll geschriebenen Texte und des Adressverzeichnisses hilft das Buch auch bei der Reiseplanung. Schade ist aber, dass auf die Ausarbeitung der Rezepte nicht mehr Sorgfalt verwendet wurde.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2020

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z