Kochbuch von Andy Harris & David Loftus: Istanbul

Kochbuch von Andy Harris & David Loftus: Istanbul ★★★★☆

Istanbul. Türkische Küche – Traditionell
orientalisch und modern mediterran
Andy Harris
Fotos David Loftus
Dorling Kindersley Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Isabel Geigenberger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Eine kulinarische Reise in die großartige Stadt Istanbul – farbenfroh, sachkundig und modern. Ein Buch, das Lust macht auf Entdeckungen vor Ort und im Gaumen.

Nur wenige Stunden vor unserem Kurz-Trip nach Istanbul erreichte mich dieses schöne, bilderreiche Werk. Gerade noch früh genug, um es nach Restaurant- und Imbisstipps oder mitzubringenden Zutaten zu scannen. Und um natürlich Appetit zu machen auf diese grandiose Stadt. Denn leider – oft beklagt und noch immer wahr – zu wenig erreicht uns von der vielfältigen türkischen Küche, abgesehen von Lahmacun und Döner.

Definitiv Kochbuch, und etwas Reiseführer

In „Istanbul“ finden sich zahlreiche Hinweise von Autor Andy Harris zu kulinarischen Highlights der Stadt mit stimmungsvollen Bildern von David Loftus, vom besten Lebensmittelmarkt über besondere Cafés, Imbisse und Restaurants. Grillspezialisten und Frühstückstipps, Fischlokale oder Süßwarenläden, von allem ist etwas zu finden. Dabei bleibt das Buch doch recht eindeutig in seiner Sparte „Kochbuch“, wer sich für den Besuch empfohlener Stätten interessiert, tut gut daran, die Straße erst einmal zu ergooglen. So manches Lokal liegt fernab der klassischen Besucherrouten und erfordert gute Routenplanung. Bei unserem kurzen Trip von Donnerstag bis Sonntag blieb daher nicht viel Raum, die genannten Adressen wirklich zu testen – aber das Abenteuer des Selberentdeckens ist ja auch hoch zu schätzen.

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Die Kapitel führen uns über das morgendliche Frühstück zu Streetfood und Snacks, die einem in einem touristischen Alltag allüberall begegnen, zu den Kategorien Gemüse und Hülsenfrüchte, Fleisch und Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte und schließlich zu den Desserts. Die Rezepte sind zumeist für 4 Personen, aber auch öfter für 6, 8 oder nur 2 Personen konzipiert. Angaben zum Zeitaufwand fehlen; das Register ist gut, meist ist der türkische Name mit angegeben.

Verlässlich soweit das Auge reicht

Die Zubereitungen sind gut erklärt, jedem Rezept ist eine hilfreiche oder interessante persönliche Bemerkung vorangestellt. Fisch und Meeresfrüchte nehmen verständlicherweise einen prominenten Platz ein. Auch schwer zu beschaffende Zutaten wie Meerfenchel oder wilder Thymian, Lammleber, frische Weinblätter oder Mastixharz ergänzen die Gerichte, tragen dabei auch sehr zur Farbigkeit und Orientalik bei. Kein Rezept enttäuschte, kein Fehler stach ins Auge, eigenes Ergebnis und Abbildung passten zusammen.

Zunächst bereitete ich einige Dips für einen Aperitif zu: Muhammara und den Käse-Joghurt-Dip. Bei vielen Gerichten, eben auch Muhammara, wird eine kräftige Portion Paprikapaste (biber salçasi) eingesetzt. Ich habe die erstbeste Dose gekauft, die mir unterkam, kann mir aber vorstellen, dass es hier hohe Qualitätsunterschiede gibt, die dann auch entscheidend zum Gesamtgeschmack beitragen. Bei den Gästen und meiner Tochter kam beides gut an, ich hatte das Muhammara allerdings noch etwas nachgewürzt, da mir der Pastengeschmack zu stark war. Sehr goutierte meine Familie die Köfte – Hackfleischbällchen funktionieren halt immer.

Dieses harrt noch aus: Lammrollbraten mit Aprikosen-Pistazien-Füllung

Die zahlreichen Fischgerichte betrachtete ich mit Seufzen, mein Umzug nach Potsdam hat die Quellen für frischen Fisch (der nicht aus der Havel stammt) doch reduziert. Beim nächsten Strandurlaub dann… „Der Imam fiel in Ohnmacht“ ist der Name eines Auberginengerichts, das warm oder kalt genossen werden kann und das ich sehr liebe. In manchen Lokal schwimmt es allerdings zu sehr in minderwertigem Olivenöl. Die Variante aus „Istanbul“ ist schon recht gut, überzeugte mich jedoch noch nicht vollständig. Gute Tipps oder Familienrezepte wären hier noch sehr erfreulich. Einige Gerichte harren noch dem Nachkochen, so wie der Lammrollbraten mit Aprikosen-Pistazien-Füllung oder der Oktopussalat. Die Dessertabteilung blieb unberührt, hatten uns die türkischen Süßwaren doch schon am Ursprungsort nicht überzeugen können.

Für mich ist die Küche Istanbuls eine Reiseküche, ich genieße sie im Vorgefühl einer bevorstehenden Reise oder im nostalgischen Nach-Schmecken. Und genau das gelingt mit dem Kochbuch von Andy Harris – es entpuppt sich als wunderbare Einstimmung auf die lebendige Stadt, eben weil der Autor sich als kulinarischer Stadtführer versteht. Die Rezepte sind verlässlich in der Zubereitung und schmecken authentisch. Gefühlt verlängert sich so der Urlaub um zwei Wochen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2016

2 Kommentare

  1. Stefanie

    Sehr schöne Kritik, bekomme ich direkt Lust aufs Buch!

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