Kochbuch von Andreas Wojta: Meine Wiener Küche

Kochbuch von Andreas Wojta: Meine Wiener Küche ★★☆☆☆

Meine Wiener Küche
Andreas Wojta, Edition A La Carte (2007)

Katharina Höhnk

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Die Wiener Küche hat mein Herz gewonnen, als der Sandkasten noch zu meinen favorisierten Aufenthaltsorten gehörte. Die Mischung aus verfeinerter Hausmannskost mit einer Spur sympathischer Maßlosigkeit in Form von Schnitzeln, die über den Tellerrand lappen, und Apfelstrudel, der eine Großfamilie ernähren würde, bedeutet für mich pures Glück. Allerdings würde ich das Rezept-Etikett “foolproof” seltener vergeben: Es gibt eine Reihe von Rezepten, die mir eine gewisse Übung abgenötigt haben und das noch tun (Stichwort: Knödel). 

Umso mehr freue ich mich über jede Kochbuch-Neuerscheinung: Bei dem österreichischen TV-Koch Andreas Wojta hoffte ich auf einen routinierten Kochlehrer, der weiß, wie er seine Leser mit allen Sinnen anleitet und sein Know-How nun in Buchform weitergibt. Er führt das Wiener Lokal Minoritenstüberl, das im Souterrain eines Ministeriums-Palais liegt. Angeboten wird hier wochentags ein Mittagstisch insbesondere für die Beamten des Hauses. Um 16 Uhr schließt das Lokal. Außerdem gibt es mit ihm die ORF-Kochsendung Frisch gekocht. Im Jahr 2007 erschien sein Kochbuch Meine Wiener Küche als Hardcover mit rund 100 Rezepten. (Übrigens: Seine Frisur erinnert an den Sänger Falco, oder?)

Das Kochbuch dreht sich um die Klassiker der Wiener Küche. Die Kapitel sind strukturiert nach Suppe, Fleisch, Desserts. Hier ein Auszug der schönsten Rezeptnamen: Grenadiermarsch, Paradeiser-Melanzani-Gemüse, faschierter Braten, Erdäpfelcremesuppe und Wiener Schlosserbuben. Die Anzahl der Rezeptzutaten ist übersichtlich und selten überraschend. Den Rezepten ist ein kurze persönliche Einleitung voran gestellt. Eine knappe Koch-Beschreibung folgt, die sich auf die Handlungsanweisungen konzentriert. Die Hälfte der Rezepte ist bebildert.

Andreas Wojta gibt Rezepte weiter, wie sie traditionell gekocht werden. Die von mir probierten Rezepte waren allesamt zuverlässig: Die ganze Routine des Kochs schimmert da durch.

Bei den Rezeptbeschreibungen hätte ich mir mehr “sinnliche” Hinweise und Tipps gewünscht. Sie helfen bei Rezepten, die erstmalig gekocht werden oder die hinsichtlich der Umsetzung anspruchsvoller sind: Welche Konsistenz muss ein Teig haben, warum ist ein Arbeitsvorgang erforderlich usw. Das sind Anmerkungen, die in einer TV-Sendung beiläufig erwähnt werden, aber für mich Sinn und Zweck ausmachen. Warum also nicht auch im Kochbuch aufnehmen? Insgesamt ist das Kochbuch etwas “schmalbrüstig”, wie es bei Kochbüchern zu TV-Serien vorkommt. Sie sind eben nicht die Hauptsache. Aber vielleicht wissen das alle Beteiligten, auch die Käufer.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2008

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