Kochbuch von Andreas Walker + Pietro Antonio Deiana: Sardinien – su coro sardu

Kochbuch von Andreas Walker + Pietro Antonio Deiana: Sardinien – su coro sardu ★★★★☆

Sardinien – su coro sardu

Genussreise & Rezepte
Andreas Walker, Pietro Antonio Deiana
Fotos Silvio Knezevic, Hädecke Verlag
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Traditionelle sardische Familienrezepte sind hier festgehalten, sowohl in ihrer Ursprungsform als auch abgewandelt und mit schönen Landschaftsbildern untermalt. Kann das noch neugierig machen? Und ob! Gerade die scheinbar einfachen Rezepte werden in ihrer Kombination und den landestypischen Zutaten zu einer wahren Genussreise.

Andreas Walker schwärmt von Sardinien als seinem “Paradies auf Erden”. Normalerweise verwöhnt er als Koch in der Nähe von Stuttgart seine Gäste im familieneigenen Hotel. Als kulinarischer Weltenbummler hat er besonders die sardische Küche lieben gelernt. Dabei unterstützt wurde er für dieses Kochbuch durch seinen sardischen Freund und Koch Pietro Deiana, der gelegentlich in Spitzenzeiten anreist und in Andreas Walkers Hotelküche aushilft.

Das Kochbuch ist vom Layout her relativ schlicht gestaltetet, aber mit netten Bildern angenehm aufgelockert. Ein wenig Landeskunde am Anfang und zu den einzelnen Kapiteln des Buches geben Einblicke in Natur und Küche der Insel. Die Bewohner werden als patriotisch und selbstbewusst beschrieben, die ihre traditionellen Zubereitungen und Speisen über Generationen weitergeben. Speisen, die aus der Armut der Inselbewohner entstanden sind und die in Ihrer Einfachheit ihren Reiz haben. Die Insel verfügt über Salz- und Süßwasser, saftige Berghänge, dichte Wälder und üppige Wiesen und somit über eine Vielzahl von Fischen, Pflanzen, Kräutern, Wild und Schafe. Die interessanten Beschreibungen machen Lust auf das Land, die Menschen und ihre Rezepte. Beim Durchblättern kann ich die Düfte von Meer und Kräutern fast riechen und schmecken.
Die wichtigsten Lebensmittel der Sarden ist das Brot, der berühmte Pecorino, in der Fischküche der Bottarga (getrockneter Fischrogen), die süße Torrone und die Weine, am bekanntesten der rote Cannonau und der weiße Vermentino neben vielen anderen Rebsorten. Zum Abschluss eines Abendessens gehört der rote Mirto, ein Likör aus der Beere der Myrte. Er soll gut für die Verdauung sein und wird auch zum Würzen mancher Speisen verwendet.

Das Inhaltsverzeichnis ist entsprechend einer Menüfolge schön übersichtlich aufgebaut. Im Rezeptregister am Ende des Buches findet man jedes Rezept in der Landessprache, aber auch unter der deutschen Übersetzung, wie auch die Rezepte selber in beiden Sprachen betitelt sind.

Die Rezepte

Nicht zu jedem Rezept gehört zwangsläufig auch eine Abbildung, dafür sind die Rezepte sehr gut beschrieben. Hier habe ich mich erstmals an einen Tintenfisch rangetraut. Getreu der Zubereitungsanweisung hat alles perfekt geklappt und er war butterzart. Dazu später noch mehr! Viele Tipps und begleitende Weinempfehlungen bereichern die Rezepte.

Beginnend mit dem Grundnahrungsmittel – dem Brot, hat mich als erstes das ‚pane carasau‘ oder wie man dort auch sagt, das ‚carta da musica‘ gelockt. Es wird so dünn wie ein Notenblatt ausgewellt und dann im heißen Ofen gebacken. Das Ausrollen des Teiges erspart einem für die Oberarmmuskulatur jegliches Fitnessgerät, also echte Schwerstarbeit – zumindest für mich! Aber nur wenn es wirklich hauchdünn ist, schmeckt es auch hinterher.

Für den Pulposalat musste erst einmal eine Weinflasche mit echtem Naturkorken geköpft werden. Bis der Tintenfisch gekocht und abgekühlt war, war die Weinflasche auch schon fast geleert und der Salat wurde auf den nächsten Abend verschoben. Ich war ja ehrlich gesagt auch äußerst skeptisch, ob der Korken den Tintenfisch nun wirklich weich machen kann. Ich kann nur sagen: es hat funktioniert. Super zart war das Tierchen. Ich weiß allerdings nicht, ob es nicht vielleicht auch ohne den Korken geklappt hätte. Auf jeden Fall ist dieses Rezept unbedingt nachahmenswert.

Für Wochentage, knappe Budget-Tage und besondere Anlässe

Zusammengefasst ist es ein Kochbuch, wonach ich vom äußeren Anschein her nicht zugegriffen hätte. Aber der Inhalt erfüllt weit mehr als der äußere Anschein. Alle Rezepte sind gut beschrieben und für jeden nachvollziehbar. Hier finden sich sowohl leckere Alltagsgerichte (auch wenn’s in der Kasse mal wieder knapp wird), wie auch Speisen für besondere Anlässe. Auch die zusätzlichen Tipps empfinde ich als hilfreich und nicht belehrend. Zusammen mit den Abbildungen macht es ganz nebenbei Lust auf einen Sardinien-Urlaub.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2013

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