Kochbuch von Andreas Neubauer: 400 Rezepte für jeden Tag

Kochbuch von Andreas Neubauer: 400 Rezepte für jeden Tag ★★★★★

Das Kochbuch: 400 Rezepte für jeden Tag
Andreas Neubauer, Fotos Michael Wissing, GU (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Patricia Drewes

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

400 unkomplizierte Rezepte für jeden Tag verspricht Andreas Neubauers Kochbuch kochbegeisterten Einsteigern und Fortgeschrittenen. Wer sich einige Woche lang mit dem Kochbuch beschäftigt, merkt, dass der Klappentext nicht zu viel verspricht. Neubauers Rezepte sind alltagstauglich, schnell gekocht, liefern optisch wie gustatorisch gute Ergebnisse und sind dennoch – bei aller Alltagstauglichkeit – weit davon entfernt, alltäglich zu sein. Kurz: eine moderne Küche mit kulinarischen Raffinessen mitten im Alltag.

Zugegeben, ich war skeptisch, als ich Neubauers Opus zum ersten Mal in der Hand hielt. Zu oft habe ich aus Kochbüchern gekocht, die schnelle Rezepte für die ganze Familie versprachen – anfänglich gern, mittlerweile eher mit Widerwillen, denn mittlerweile kenne ich sie zur Genüge, die immer gleichen Kürbissuppen, Fladenbrotpizzen und Milchreisvariationen. Ob Neubauer Abhilfe für mein persönliches Dilemma bieten konnte?

Unprätentiös, das war mein erster Eindruck des blauen Leinenbandes, der immerhin 480 Seiten umfasst. Jedes Rezept ist umfangreich bebildert, was bei 400 Rezepten ca. 500 Food-Fotografien bedeutet. Die Auswahl der Rezepte ist bunt und vielfältig, die Einteilung der Kapitel klassisch und reicht von Vorspeisen über Suppen, Fleisch und Pasta bis hin zu abwechslungsreichen Desserts, wobei Kapitel wie “Brote” und “Einmachen” eine nette Bereicherung im Vergleich zu anderen Universalkochbüchern bedeuten. Während ich die Food-Fotografien betrachtete, beschlich mich ein starkes Déjà-vu-Gefühl: ich hatte ähnliche Bilder schon einmal gesehen. Der Food-Fotograf Michael Wissing, der Neubauers Werk mit Fotos zum Reinbeißen versehen hat, war auch bei der Bebilderung des Großen Lafer (ebenfalls bei GU, 2010) am Werk.

Die einzelnen Rezepte sind übersichtlich gegliedert und knapp, aber gründlich beschrieben, was dazu beiträgt, dass die Gerichte schnell und ohne umfangreiche Rezeptanalyse („wo stand noch mal, an welcher Stelle der Eischnee untergehoben werden sollte?“) nachgekocht werden können. Selten hatte ich ein Kochbuch in der Hand, bei dem ich spontan den Wunsch hatte, 50 Rezepte nachzukochen. Weil ich in den letzten Wochen viel unterwegs war, musste Neubauers Werk einige Praxistests bestehen – erfolgreich: Die Zutaten fürs Kochen sind in auch in kleinen niederländischen Dorfsupermärkten erhältlich, und als Koch-Equipment reicht auch die Ausstattung einer niedersächsischen Jugendherberge.

Dass mit einer überschaubaren Zutatenliste so wunderbare Gerichte wie Sellerie-Birnenschaum-Suppe mit Geflügellebern, Perlhuhnbrust mit Kürbiscurry, Tomatenquiche und Geflügelsalat mit Mango, Ananas und Koriander entstehen können, ist eine der größten Leistungen des Buches. Eine zweite besteht darin, dass die meisten Gerichte in ca. einer halben Stunde auf dem Tisch stehen, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Zeitangaben eher großzügig bemessen sind. Die dritte, mir persönlich auch sehr sympathische Eigenschaft des Kochbuchs: Variationen in den Zutaten sind erlaubt und tun dem Geschmack keinerlei Abbruch. Natürlich beinhaltet Neubauers Werk auch die Klassiker wie Kartoffelgulasch oder Hackbällchen in Tomatencreme, jedoch sind diese erstens sehr passabel abgeschmeckt und zweitens eindeutig in der Minderheit.

Es fällt mir schwer, ein abschließendes Fazit zu Neubauers Kochbuch zu schreiben, da ich mit seinem Werk noch lange nicht am Ende bin. Es gibt sicher noch ein gutes Dutzend Gerichte, die ich nachkochen möchte, dazu weitere, die auf der Wunschliste der Kinder stehen. Mein erstes Urteil fand ich bestätigt: ein Kochbuch für die Alltagsküche, das aber weit davon entfernt ist, alltäglich zu sein. Viele Gerichte sind familientauglich, ohne ausschließlich den kindlichen Gaumen zu befriedigen. Die Zubereitung ist unkompliziert, schnell und auch mit Fulltime-Job zu bewerkstelligen, und auch eine größere Entfernung zum nächsten Feinkostladen tut den Gerichten keinen Abbruch. Angesichts der Vielfalt und Menge der Gerichte und des gelungenen Spagats zwischen kulinarischer Freude und Alltagsküche vergebe ich Neubauers Kochbuch die volle Sternezahl.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2012

Meistgelesen

Themen A-Z