Kochbuch von Andrea Haselmayr, Denise Rosenberger, Verena Haselmayr: Eat like a woman

Kochbuch von Andrea Haselmayr, Denise Rosenberger, Verena Haselmayr: Eat like a woman ★★★☆☆

Eat like a woman – Rezepte für einen harmonischen Zyklus
Andrea Haselmayr, Denise Rosenberger, Verena Haselmayr, Fotos: Lukas Lorenz
Christian Brandstätter Verlag (2018)
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Charlotte Schrimpff

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

„Ist Pille-Absetzen das neue vegan?“ fragte die Bloggerin Astrid Paul im Herbst 2017 irritiert auf Facebook. Und tatsächlich: In der Blogosphäre, die ja ohnehin zu größeren Teilen aus Frauen Anfang-Mitte-Dreißig besteht, häufen sich Posts, in denen es um ein Leben mit und ohne Pille geht, um den Gebrauch von Menstruationstassen und Dinge wie „Seed Cycling“ – also dem auf den Zyklus abgestimmten Verzehr von Saaten und Kernen. In diese Gemengelage hinein veröffentlichen drei Frauen ein (Koch-)Buch in zartrosa Ummantelung und mit einer stilisierten … nun ja: Vagina vorne drauf. Titel: Eat like a woman.

„Denn wenn die Tante Emma kommt und uns den lieben Spaß verdirbt, dann kann uns das verdrießen. Wenn sie plötzlich nicht mehr auftaucht, lernen wir sie meistens lieben.“ Auf Agnes Maier, die slammende Hebamme, war ich mehr durch Zufall gestoßen. Aber das, was sie in genau so einem Slam zur weiblichen Menstruation zu sagen hatte, saß.

I’m every woman?

Ups, die meint ja mich! Und Andrea und Verena und Denise (Foto unten, von links nach rechts) und all die anderen Frauen, denen das, was bei uns untenrum passiert, in der – ahaha! – Regel ziemlich auf den Keks geht. Bis zu dem Tag, an dem sie feststellen müssen, dass untenrum gar nichts mehr geht. Weil sie, wie Denise, unter dem polyzystischen Ovarialsyndrom leiden oder, wie Andrea, nur noch einen Eierstock haben. Weil sie, wie Verena, als unfruchtbar gelten, oder, wie ich, mitten in einer Post-Pill-Amenorrhoe stecken. Diagnosen, die einem zeigen, wie wenig Frau man gerade ist – und wie – sorry – beschissen sich das anfühlt.

Die Schwestern Andrea und Verena Haselmayr und Verena Rosenberger – alle um die dreißig, allesamt aufgeklärte, zielstrebige Frauen mit guten Jobs und noch mehr Ehrgeiz – hat dieses Schicksal zusammengeführt. Sie haben festgestellt, wie wenig sie eigentlich von dem wissen, was monatlich in ihren Körpern abgeht (oder abgehen sollte) und mussten erst recherchieren, wann welches Hormon wirkt und wie man seinen Zyklus wieder anschubst, ohne zur nächsten Chemiekeule zu greifen. Der einen – Denise – halfen Mönchspfeffer, Yoga und Tees aus vielen Kräutern, der anderen – Andrea – ein radikaler Neuanfang mit weniger Stress und mehr Zeit für sich. Die dritte – Verena – sucht noch nach dem Schlüssel zum Glück – wie wohl viele.

Du bist, was Du isst

Neben der Sache mit der Achtsamkeit, klassischen „Frauen“-Kräutern wie Frauenmantel, Schafgarbe und Rosmarin sind die drei bei ihrer Recherche auch immer wieder über die Rolle unserer Ernährung gestolpert. Zum Beispiel die Möglichkeit, dass Dinge wie Fleisch, Fertigprodukte, Zucker, Weißmehl und Alkohol das Zyklusgeschehen eher beeinträchtigen könnten, während veganes Essen und Trend-Lebensmittel wie Quinoa, Avocado, Chia und Kichererbsen mit ihren Nährstoffen helfen, alles in geordnete Bahnen zu lenken.

Die Rezepte, die für „Eat like a woman“ in Zusammenarbeit mit Ernährungstherapeutinnen, Gynäkologinnen und Kräuterexpertinnen entstanden sind, sind also so konzipiert, dass das „Aufblühen“ (= Zeit bis nach dem Eisprung) und „Loslassen“ (= Zeit bis inkl. Regelblutung) bestmöglich unterstützt werden. Da isst man nach der Menstruation eher Leichtes wie einen Quinoa-Brokkoli-Salat mit grünem Kraftdressing oder einen Sauerkraut-Kimchi-Strudel mit Knoblauchdip, während man sich später an Hirseporridge wärmt oder Liebeswurzel-Nougat-Brownies nascht. Zusätzlich sollen Achtsamkeitsübungen, Yoga und Meditationen dabei helfen, zu mehr Ausgeglichenheit zu finden. So weit, so zeitgeistig (sehr passend übrigens: die instagram-esken Fotos von Lukas Lorenz und das aufgeräumte Layout von Miriam Strobach/Le Foodink).

… all the honeys who’re makin’ money …

In der Praxis hielt ich mich zunächst an eher klassische Rezepte: eine sehr feine Kürbislasagne (= Loslassen) und ein okayes Brokkoli-Kartoffel-Gratin (= Aufblühen). Das Gratin wie auch die Lasagne setzen auf Cashews als Sahne- bzw. Käseersatz – und ich stelle schnell fest, dass ich besser nicht zu genau auf den Kassenzettel schaue, wenn ich „like a woman“ koche: Zu den vielen, vielen Cashews kommen nämlich Avocados, Nussmus, Kokosöl und andere kapriziöse Zutaten, z. B. Shatavaripulver – angeblich fruchtbarkeitsfördernd und aphrodisierend –, Gerstengras oder Rosenblüten). Teuer!

Zum Weiterlesen

Website von Andrea Haselmayr
Website von Denise Rosenberger
Website von Verena Haselmayr

Und leider manchmal nur das: Die vielversprechend aussehenden dunklen Tartelettes mit Cashew-Vanillecreme schmecken allenfalls durchschnittlich, die Quinoa-Pancakes geraten mir reichlich zäh und fad. Neben der Lasagne hat uns nur noch ein knackiges Wokgemüse mit Reisnudeln und Miso wirklich überzeugt – und vor allem der Kerl hatte ziemlich schnell die Schnauze voll von Essen aus diesem „Frauenkochbuch“.

Seit immer mehr Angehörige der „Generation Pille“ spüren, dass jahrelange Hormoneinnahme vielleicht doch nicht ganz so ohne ist, sind Diskussionen über das Wie und Warum von Weiblichkeit gerade im Netz immer lauter geworden. Manchen Frauen mag ein Buch wie „Eat like a woman“ dabei helfen, mehr Verständnis für sich und den eigenen Körper zu entwickeln – denn schlecht gemacht ist es nicht. Mir persönlich war der Mix aus Kräuterhexenwissen, Frauenzeitschriftsfeeling und Placebo-Hoffnung allerdings ein bisschen too much – zumal: Schwerwiegendere Zyklusstörungen löst man allein mit Ernährung und ein bisschen Yoga eben nicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2019

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