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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | September 23, 2017

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Kochbuch von Amandip Uppal: Einfach indisch! ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Amandip Uppal: Einfach indisch!
Rezension

Einfach indisch! Der entspannte
Weg zum perfekten Curry
Amandip Uppal
Fotos Lisa Linder
Knesebeck Verlag (2016)

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Katja Böttger Von

Die schlechte Nachricht: Auch der „entspannte Weg zum perfekten Curry“ ist ein verschlungener Pfad mit einigen Etappen und Zwischenstopps. Die gute: Am Ziel wartet köstliche Belohnung!

Aber der Reihe nach. Ich liebe die indische Küche. Ich fand sie auch nie besonders Furcht einflößend. Aufwendig, das schon, mit ungewohnten Zutaten, ungeübten Routinen, aber immer gut zu bewältigen. Dennoch ist sie nie so ganz in unserem Alltag angekommen, dafür sind die Hürden wohl doch noch zu hoch. Da kommt „Einfach indisch!“ wie gerufen: Die indische Küche auf entspannte Art genießen – ja, genau das will ich ausprobieren!

Indisch trifft nordisch

Amandip Uppal (Foto links) hat auch als Stylistin gearbeitet, und das sieht man. Das Cover ziert nur ein schlichtes, fast klöppelspitzenartiges Muster aus Reiskörnern auf schwarzem Grund. Innen dann: dezente, fast nordische Eleganz mit viel Weißraum und kühlen Farben, aufgelockert von schlichten Ornamenten aus zarten Goldfäden und entzückenden, winzigen Zeichnungen von Elefanten, Tigern, Tänzerinnen und Artisten, die hier und da über das Papier spazieren, dazu lässige Rezeptfotos, und gelegentlich auch mal ein Blick auf die Autorin, wie sie sich in einen übergroßen Wollpulli kuschelt. Gefällt mir!

Es sind nicht sonderlich viele Rezepte, aber der Bogen ist weit gespannt: Von Salaten, Samosas und anderen „kleinen Happen“ über Gemüsecurrys, Eierspeisen, Fisch- und Fleischgerichte, Brot, Reis und Kartoffeln, Chutneys, Kuchen, Eis, Lassi, Joghurt und würzige Heißgetränke ist wirklich alles vertreten. Zwischendrin eingestreut sind gezeichnete Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Handwerkliches wie Roti, Naan oder Panir. Neben vertraut Indischem entdecke ich auch Überraschendes – Puy-Linsen, Lachs, ja sogar Rind (!) kommen hier auf den Tisch.

Eingerahmt ist der Rezeptteil von einem Blick in den Vorratsschrank, einem Gewürzglossar, Grundrezepten und übersichtlich bebilderten Menüvorschlägen. Letztere haben es allerdings in sich: Bei den Uppals hat ein „Abendessen in der Woche mit der Familie“ mit „Hühnchen-Pulau“, „Tomaten mit Curryblättern“, „Grünkohlsalat mit Kichererbsen, Minze und eingelegter Zitrone“, „Joghurt mit Karotte, Gurke und Koriandergrün“ sowie „heißer Schokolade mit Chili“ nicht weniger als fünf mehr oder minder zeit- und schnibbelintensive Komponenten. Hut ab, wenn Amandip dabei entspannt bleibt …

Ein schwieriger Start …

Sehr angetan von diesem ersten Eindruck, beginne ich mit … nun ja, nix. Immer wieder nehme ich Anlauf, aber die vielen Querverweise bringen mich schier zur Verzweiflung. Etwa das Butterhühnchen: Übersichtliche 30 Minuten Vorbereitungszeit plus 20 Minuten Garzeit sind angegeben – wäre da nicht der fiese kleine Eintrag „418 g Hühnchen-Tikka“, versteckt in der Zutatenliste. Mal davon abgesehen, dass solche grammgenauen Angaben wenig Realitätsbezug haben – auf Seite 48 finde ich dann die „Hühnchen-Tikka-Wraps“ mit einer Vorbereitungszeit von 20 Minuten plus Marinierzeit von 2-8 Stunden plus Garzeit von 20 Minuten. Da die Zutaten und Zubereitungsschritte für das Hähnchen nicht vom restlichen Text abgesetzt sind, darf ich selbst herausarbeiten, dass ich unter anderem „1 Rezeptmenge Tikka-Masala-Marinade“ von Seite 246 benötige. Und hierfür wiederum darf es dann noch das „Garam Masala“ von Seite 242 sein. Dieses würde dann allerdings immerhin noch mal zum Einsatz kommen, sollte ich jemals die fortgeschrittene Rezeptstufe „Butterhühnchen“ erklimmen.

… und ein versöhnliches Ende

Schließlich ist mein Abgabetermin so nahe gerückt, dass ich mich der Herausforderung stellen muss. Und es knirscht auch weiterhin hier und dort, etwa für die Zutatenlisten hätte ich mir eine benutzerfreundlichere Einteilung gewünscht. Aber was soll ich sagen – wir schlemmen von Köstlichkeit zu Köstlichkeit, das lässt alle Strapazen vergessen! Dergestalt ermutigt, habe ich mich sogar noch in Etappen zum Butterhuhn vorgearbeitet. Ein krönender Abschluss.

Mit „Einfach indisch!“ wird es auch nicht unbedingt wahrscheinlicher, spontan ein komplexes indisches Abendessen aus dem Ärmel zu schütteln. Eine Abkürzung zum perfekten Curry hat auch Amandip Uppal nicht gefunden, ja, manchmal ist ihre verschachtelte Wegbeschreibung sogar eher eine Herausforderung der eigenen Art. Gelohnt hat es sich trotzdem, jedes Mal. Es duftet im ganzen Haus, das Auge freut sich, wir sagen selig Danke!

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Nachgekochte Rezepte:

Teigtaschen mit Lammfleisch und Aprikosen-Füllung
Samosas in Halbmond-Form, köstlichstes pures Indien! Zart mit Minze, kraftvoller mit Koriander. Beim Grundrezept „Butterteig“ soll Wasser nur zugefügt werden, wenn er zu trocken ausfällt – tatsächlich ergab sich nur mit Butter und Mehl nichts annähernd Teigähnliches, und ich habe ein paarmal großzügig nachgewässert. Anstelle eines „Vier-Gewürze-Säckchens“ habe ich die gröberen Gewürze direkt zur Sauce gegeben und später abgesammelt.

Garnelen mit Knoblauch, Ingwer und Chili
Eine auch optisch sehr attraktive Vorspeise.

Panir
Dass in so kurzer Zeit aus Milch ein schnittfester Käse entsteht, ließ mich einmal mehr verwundert die Augen reiben. Dieser hier kam u. a. für eine Samosas-Füllung zum Einsatz. Ohne Gewürze schmeckt Panir tatsächlich ein bisschen zart-süßlich wie trockene Milch. Wer ihn z. B. pur genießen will, kann gleich bei der Herstellung ein bisschen Salz zufügen.

Chana Chat/Bhel Puri
Eine Variante des beliebten Streetfood-Snacks, hier mit Granatapfelkernen (bei uns leider ohne – der frisch gekaufte Granatapfel zeigte im Anschnitt allzu deutliche Vergänglichkeitsspuren). Tipp: Puffreis gibt es im Bio-Supermarkt.

Hühnchen-Tikka-Wraps
Eigentlich nur als „Base Camp“ auf dem Weg zum Butterhühnchen geplant – ein großartiger Zwischenstopp.

Samosas mit Spinat-Panir-Füllung
Imklusive selbst gemachtem Panir. Auch hier: Für den Butterteig ist Wasserbeigabe nach Augenmaß unentbehrlich. Sehr saftig, aber eher subtil gewürzt. Wir haben alle ein bisschen nachgesalzen.

Gebratene Schalotten mit Tamarinde und gerösteter Kokosnuss
Eine interessante Mischung aus süßen Schalotten, knusprigen Röstaromen und säuerlich-herber Tamarinde.

Butterhühnchen
Von den Tikka-Hühnchen machte ich gleich die doppelte Menge, um daraus am nächsten Tag noch Butterhühnchen zu probieren. Sehr köstlich, etwas schärfer als Tikka.

Koriander-Erdnuss-Chutney
Die Erdnuss-Koriander-Mischung erinnert fast an ein Pesto. Frisch und nussig, aber etwas trocken, sodass es sich nicht so leicht vermischte. Etwas mehr Öl oder Zitronensaft sollten hier helfen.

Tomatenrelish mit Datteln und Tamarinde
Fruchtig-würzig mit milder Schärfe. Für das Bhel Puri vorbereitet, blieb so viel übrig, dass es uns tagelang begleitete und immer wieder ein leckeres i-Tüpfelchen abgab.

Pistazien-Kulfi
Mit gesüßter Kondensmilch und Crème fraîche ist die Basis blitzschnell gemacht, mit Kardamom ein unverwechselbarer Gruß aus Indien. Funktioniert auch ohne Eismaschine.

Gebratene Aubergine aus Südindien
Recht süß, aber mit nussiger Würze durchaus interessant. Nicht so schön: Der Zucker hat sich in der Sauce zu klebrig-zähen Karamellfäden verbunden – irgendwas ist da schiefgegangen.

Geschrieben im Mai 2017