Kochbuch von Amanda Grant: Erdbeerglück für Möhrenzwerge

Kochbuch von Amanda Grant: Erdbeerglück für Möhrenzwerge ★★★★☆

Erdbeerglück für Möhrenzwerge: Gärtnern und Kochen mit Kindern
Amanda Grant, Fotos Ryland Peters, Thorbecke Verlag (2011)
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Annick Payne

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Essen fängt nicht erst auf dem Teller an. Amanda Grant lädt uns auf eine Reise zu den Anfängen unserer Nahrungsmittel ein, insbesondere richtet sie sich an Kinder, die mit Hilfe dieses Buches verschiedene Obst- und Gemüsesorten kennenlernen und viel über Anbau und Zubereitung erfahren. Die Autorin spricht direkt zu den Kindern, doch auch Elternarbeit wird immer wieder eingefordert.

Mein erster Eindruck ist sehr positiv, das Buch ist klar strukturiert, viele, frische Fotos zeigen detaillierte Garteneinblicke und Kochmomente, sodass ein etwas größeres Kind vermutlich recht gut alleine zurecht käme. Die Autorin ist betont vorsichtig, bei allem, was auch nur entfernt gefährlich werden könnte, wie Nudeln in kochendes Wasser zu schütten, sollen stets Erwachsene helfen. Mir bleibt daher das intendierte Alter der Zielgruppe etwas unklar, vermutlich reden wir über Kinder im Grundschulalter.

Meine Kinder sind jünger, aber blättern bereits begeistert hin und her. Unser erstes Lesen besteht aus einer Naturkundestunde, ich erkläre, was auf den Fotos zu sehen ist, und die Kinder staunen über die unterschiedlichen Wachstumsstufen der Pflanzen, auch die Rezepte werden ausgiebig kommentiert. Allerdings scheitert die gemeinsame Aussaat im Garten daran, dass ich kein Hochbeet zimmern will, meine Tochter dagegen “genau so ein Beet” wie im Buch haben möchte, und keine “olle Ecke” meines Beetes. In der Küche dagegen zeigt sie sich eigenständiger, hier werde ich hauptsächlich zum Vorlesen des Rezeptes bzw. Ablesen der Waage benötigt.

Was das Gärtnern betrifft, einigen wir uns darauf, dass ich pflanze, die Kinder gelegentlich gießen, und wir gemeinsam beobachten, was passiert. Und siehe, die Radieschen wachsen schnell, die Möhren langsam. Kartoffeln haben wir in kübelgroße Pflanzsäcke gesetzt, zu unser aller Begeisterung wuchert es dort wie verrückt. Amanda Grant erweist sich als zuverlässige Begleiterin bei unserem Gartenprojekt, die mich immer wieder auf den kindlichen Blickwinkel stößt. Wer keinen Garten hat, kann vieles alternativ in Töpfen anbauen, auch hierzu gibt es ausführliche Beschreibungen.

Die Anleitungen sind sehr klar geschrieben und enthalten ausreichend Informationen, um erste Erfolge zu feiern. Die dreifache Mutter Amanda Grant ist übrigens eine der führenden britischen Ernährungsexperten, die sich besonders um eine gesunde Ernährung von Kindern bemüht. So engagierte sie sich beispielsweise beim Children’s Food Festival 2009 ( > celebrity chefs). Zu ihren weitern Büchern gehören Healthy Lunchboxes for Kids und The Silver Spoon for Children.

Nach einer Einführung und Einweisung in allgemeine Garten- und Küchengrundlagen ist das Buch in Kapitel zu kleinen Gruppen verschiedener Gemüse- bzw. Obstsorten aufgeteilt. Diese folgen dem Schema Pflanzen, Pflegen, Ernten, Fünferlei, Rezepte. Besonders ansprechend finde ich die Rubrik Fünferlei, hier findet man neben einer Zusammenfassung zu den besprochenen Gemüse- bzw. Obstsorten fünf kurze, bebilderte Zubereitungstipps, die vom Schneiden und Aufbewahren bis zu Kochtechnik und schnellen Rezeptideen reichen. Die Rezepte selber sind einfach und gradlinig, klar beschrieben und gut illustriert. Bei den Gerichten handelt es sich um Klassiker der modernen europäischen Küche, bei sehr genauem Hinsehen kann man einen Hauch Italien und Großbritannien entdecken.

Amanda Grant wagt sich an eine sehr undankbare Aufgabe heran, nämlich eine Balance zwischen kulinarischen Anspruch und einfacher Ausführbarkeit zu finden. Sie entscheidet sich für die handwerklich einfachste Möglichkeit, und das ist sicherlich ein guter Ansatz, um erst einmal mit dem Kochen loszulegen.

Ich sehe die Stärken dieses Buches mehr in seiner umfassenden Betrachtung vom Samen bis zur frischen Zutat auf dem Teller denn als Kochbuch im engeren Sinne. Wobei ich gerne zugebe, dass die Rezepte mich in dem Maße zunehmend überzeugten, je öfter ich beobachten konnte, dass meine Kinder hieran ihre Freude hatten, sowohl beim Kochen wie auch beim Essen. Erdbeerglück für Möhrenzwerge ist ein wirklich schönes, informatives Buch, an dem sicherlich nicht nur der Gartenliebhaber, sondern jeder, der bereit ist, die Natur aufgeweckt zu beobachten, seine Freude haben kann.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

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