Kochbuch von Allegra McEvedy: Big Table, Busy Kitchen: 200 Recipes for Life

Kochbuch von Allegra McEvedy: Big Table, Busy Kitchen: 200 Recipes for Life ★★★★☆

Big Table, Busy Kitchen: 200 Recipes for Life
Allegra McEvedy, Fotos Chris Terry
Quercus (2013)

Barbara Meyer

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Meine Erfahrungen mit der englischen Küche waren bislang eher abschreckend. Das Kochbuch „Big Table“ hilft mir nun auf witzig-unkonventionelle Art, meine kulinarischen Traumata aus Sprachferienzeiten zu überwinden und mich langsam an die englische Küche heranzutasten.

Als Rezensentin für Valentinas-Kochbuch.de hat man ab und an ein echtes Luxusproblem: Aus der Vielzahl der Kochbücher gilt es je nach Neigung, Schwerpunkt und Kocherfahrung auszuwählen. Als Entscheidungshilfe gibt uns Katharina kurze pdf-Auszüge an die Hand, die einen ersten Eindruck des Werks und des zugrundeliegenden Konzepts vermitteln. Oftmals hat man schon beim ersten „Durchscannen“ der Seiten einen Favoriten. Schwierig wird es, wenn mich gleich mehrere Bücher anlachen. Dann würde ich am liebsten auf die kulinarisch-literarische Monogamie pfeifen und mal für einige Wochen „zweibuchig“ fahren. Mit Blick auf mein Zeitbudget ist das aber leider so unrealistisch, dass ich mich an Katharina wenden muss, um von höherer Instanz Entscheidungshilfe zu erflehen. So auch in diesem Fall: „Big Table“ vs. „Thailändische Küche“ – buntes Familienkochbuch aus England gegen authentische thailändische Rezeptsammlung. Katharinas kluger Kommentar dazu: „Denk dran, Du musst die Sachen auch einkaufen“.

Damit war die Sache klar. Auf Zutatenjagd in weitentfernten Spezialitätenshops hatte ich weder Lust noch Zeit und so überwand ich meine Skepsis gegenüber der englischen Küche. Bye-bye Thailand, hello UK.

kochbuch-big-table-buy-kitchen-mcevedy-websiteUm es vorweg zu nehmen: Die Wahl war weise. Das Buch und seine Rezepte passen ziemlich gut zu meiner derzeitigen Lebens- und Kochsituation mit tendenziell eher wenig Zeit und großem Hunger. Die zugrundeliegende Idee des Buches ist rührend bis kitschig: Die Rezeptesammlung der verstorbenen Mutter der Autorin ist unter unglücklichen Umständen verloren gegangen. Um ihrer eigenen kleinen Tochter eine solch traumatische Erfahrung zu ersparen, entschließt sich die erfahrene Köchin ihre „Recipes for Life“ mitsamt dazugehörigen Tipps und Tricks zusammenzufassen. Zur Sicherheit ganz solide im Hardcover-Einband und offiziell in ausreichender Auflage verlegt vom Quercus-Verlag. Wir hatten die Autorin übrigens hier schon einmal vorgestellt.

Allegra McEvedy macht ihrem Vornamen alle Ehre und schreibt sich fröhlich und im Plauderton ihre Familienrezepte von der Seele. Dieses etwas weitschweifige Bridget-Jones-Geplapper ging mir zwar auf die Dauer ein bisschen auf die Nerven. Insbesondere für die Betitelung der 13 Kapitel und für einige Rezeptüberschriften bekommt die Autorin von mir allerdings ziemlich viele Kreativpunkte. Grinsen musste ich bei so herrlichen Titeln wie „Broke & Bored – Student Days, Cereal Years“ mit Rezepten wie „Hangover Eggs“, „Impressing the Pants Off“ mit zwei Menüvorschlägen für die Balzphase, „Just the two of us“ und „Bun in the oven“ mit Rezepten für die Zeit nach der Findungsphase. Praktisch geht es zu im Kapitel „The new worker“. Hier findet der Leser Rezepte für schnelle Abendessen, dessen Reste mit wenig Aufwand für die Lunchbox am nächsten Tag weiterverwertet werden können. Eher Zünftiges findet man in „A Week of Sundays“ und „The Art of Entertaining“ mit Sonntags- und Festtagsessen und Rezepten wie „Wellington for Waterloo“, „Profiteroles for the People“ und „Aga Kahn Lamb (with or without the Aga)“.

Weitere Kapitel widmen sich z. B. der hohen Kunst des Suppekochens („Soup: Theory & Practice) und des Bemutterns mit Hilfe kalorienreicher Schlabbernahrung und Kuchen („Nursery Puddings“). Zu den meisten Gerichten gibt es Fotos des Endprodukts. Zudem findet man den einen oder anderen hilfreichen Rat (z.B. zur Bestimmung des Gargrades von Fleisch), separate Anhänge mit Eier-, Kartoffeln- und Gemüserezepten, einem Anhang für Basics und Dressings und einen sinnvoll gegliederten Rezeptindex.

Besonders gefallen hat mir die Mischung aus traditionellen englischen Rezepten (z.B. „Beef Stew with Caraway Dumplings“) mit europäischen und internationalen Gerichten wie „PPP“ (Penne with Potatoes and Pasta“) oder „Beefed-up French Onion Soup“. Beim Nachkochen der Rezepte ist mir aufgefallen, dass die Rezeptbeschreibungen an einigen Stellen etwas hemdsärmelig und unpräzise sind. Bei den von mir nachgekochten Rezepten stimmte das Ergebnis zwar trotzdem, dennoch gibt es von mir hierfür einen gedanklichen Minuspunkt. Aufgefallen ist mir auch, dass die Mengenangaben recht großzügig bemessen sind und oft eher für eine Großfamilie mit Monsterhunger gerechnet zu sein scheinen. Die Zutaten waren im Übrigen wie erwartet in meinem gut sortierten Supermarkt um die Ecke zu erhalten.

Ein gelungenes und konsistent umgesetztes Kochbuch-Konzept, das zum Schmökern einlädt und an der einen oder anderen Stelle lachen lässt. Purismus-Liebhaber, denen Verspieltheit ein Gräuel ist und Menschen, die kulinarisches Neuland oder Extravaganzen suchen, sollten von dem Buch lieber die Finger lassen. Für alle anderen ist es ein geeigneter Partner für den Alltag mit international bewährten Rezepten und einigen englischen Traditionals, die dazu anregen, die Vorurteile gegenüber der englischen Küche (weiter) abzubauen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2014

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