Kochbuch von Alice Hart: Gemüse satt!

Kochbuch von Alice Hart: Gemüse satt! ★★★★☆

Gemüse satt!
140 vegetarische Lieblingsgerichte

Alice Hart, Fotos Lisa Linder
Dorling Kindersley Verlag (2011)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Falls Ihr dem Kochbuch Gemüse satt! in der Buchhandlung begegnet, schlagt es einmal auf! Es ist bezaubernd. Aber mehr noch. Drei Foodbloggerinnen haben daraus Rezepte nachgekocht und waren sehr zufrieden mit den Köstlichkeiten, die sie zubereiteten: Helma aus Wien von Hungry eyes, Katharina aus Norderstedt von Katharina kocht sich um die Welt und Sandra aus Erwitte von My life the universe and everything . Nur zwei Rezepte riefen unterschiedliche Erlebnisse hervor …

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

HartIch habe schon als Teenager gerne gekocht. Seit einem Jahr habe ich gemeinsam mit zwei Freundinnen auch ein Food- und Reiseblog Hungry Eyes, in dem wir eigene Kreationen präsentieren, aber auch Rezepte aus den unterschiedlichsten Kochbüchern nachkochen. Dabei bevorzuge ich schlichtes Essen, das alltagstauglich ist und möglichst auf ein regionales Angebot eingeht. Ich habe unzählige Kochbücher und benutze sie als Inspiration, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht auf Mengenangaben oder verständliche Anleitungen angewiesen wäre. 

HartIntensiv und mit viel Leidenschaft stehe ich seit etwa 10 Jahren am Herd. Trotz der wunderbaren Welt der Foodblogs bin ich meiner stetig wachsenden Kochbuchsammlung treu geblieben, denn während Blogs Innovation und ständige Inspiration liefern, sind Kochbücher beständige Begleiter. Und im Regal haben sie dazu noch den optischen Bonus – da können Ausdrucke aus Blogs und Foren immer noch nicht mithalten.

HartIch bin mit 11 Vegetarier geworden, was meine Eltern nur als eine Phase abgetan haben. Sie haben nicht fleischlos für mich gekocht, sondern vielmehr das Fleisch untergemogelt. Als ich dahinter gekommen bin, habe ich meinen Eltern beim Kochen ganz genau auf die Finger geschaut und kurz danach habe ich dann auch angefangen selber zu kochen.

Ich schmökere sehr gerne in Kochbüchern und besitze auch ziemlich viele. Aus den wenigsten koche ich Rezepte punktgenau nach, aber auch das kommt hin und wieder mal vor. Viel öfter lasse ich mich von Rezeptideen inspirieren Gerne ändere ich Rezepte so ab, dass sie zu mir und meiner Familie passen.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

HartDorling Kindersley versteht es wieder einmal ein Kochbuch in einem nicht besonders ansprechenden Umschlag zu verstecken. Der Titel „Gemüse satt!“ klingt auch nicht besonders kreativ. Aber ich lasse mich spätestens seit Yotam Ottolenghis Genussvoll vegetarisch nicht mehr von verunstalteten Buchumschlägen täuschen. Auch hier gilt: Don’t judge a book by it’s cover. Das Buch punktet mit ansprechenden Bildern zu allen Rezepten. Die Galerie berühmter Vegetarier (Clint Eastwood war mir neu!) ist ein netter Einstieg. Für Anfänger gibt es auch ein wenig Warenkundeunterricht. Gelungen finde ich auch die liebevoll gezeichneten Anleitungen Nussmilch, Joghurt, Labneh oder auch Sprossen selbst herzustellen. Im Kapitel Grundrezepte sind außerdem essentielle Basics versammelt von der Bechamelsauce über unterschiedliche Pestos bis zur Feigentapenade.
Neben den klassischen Kapiteln wie Frühstück & Brunch, Suppe oder Salate bietet das Buch auch die Kapitel „Kulinarische Seelenwärmer“ oder „Rezepte zum Angeben“, die mit besonders gelungenen Rezepten (Sautierte Pfifferlinge mit Sauerkirschen) aufwarten. Auch wenn es nicht beabsichtigt ist, kommt das Buch in diesen Kapiteln eher winterlich rüber (Wurzelgemüse!). Besonders punkten kann das Kochbuch mit einer ausgewogenen Mischung internationaler Rezepte, die sich auf keinen Ernährungstrend versteifen. Ausnahmsweise wird man auch nicht mit unendlich vielen Pastavariationen und Dessertrezepten abgespeist, wie das in vegetarischen Kochbüchern oft der Fall ist.

HartIch muss zugeben, dass ich mich vom hübschen, aber leicht naiv gestalteten Cover, der matten Optik und vom Titel verwirren ließ – „Gemüse satt“ klang doch eher nach einem bodenständigen, soliden Grundkochbuch. Aber weit gefehlt, stellte ich beim ersten Durchblättern fest, die Rezepte trugen wohlklingende, wenig profane Namen, sahen anspruchsvoll aus und verlangten scheinbar einiges an Kocherfahrung. Das hat sich beim zweiten Durchblättern ein wenig revidiert, und so machte ich mich mit einem Buch gespickt voll mit Klebezettelchen ans Werk.
Mir gefiel sofort das gleichmäßige Layout: links das Rezept, rechts ein ganzseitiges, ansprechendes Foto. Schön ist auch, dass sich zwischen den Kapiteln immer wieder „kleine“ Rezepte sowie Tipps und Tricks finden, z.B. die Herstellung von Nussmilch oder Labneh.
Witzig ist die Galerie berühmter Vegetarier, die bei allen, die das Buch bislang in den Händen hatten, ein „ach nee, guck an!“ hervorgerufen haben.

HartEin attraktives Cover! Es hat ein wenig was „ökiges“ an sich, was ich durchaus positiv meine. Die kleinen Illustrationen vom karikierten Franzosen, die durch das Buch begleiten, finde ich sehr gelungen. Sie haben mir das ein oder andere Lächeln beim Schmökern entlockt. Auch das Inhaltsverzeichnis fand ich sehr ansprechend, besonders die Kapitel „In letzter Minute“ und „Rezepte zum Angeben“ waren mir gleich sympathisch. Wenn ich da nichts zum Nachkochen finde… Zwischen den Kapiteln fielen mir die informativen Doppelseiten sehr positiv auf. Sowohl die selbstgemachte Nussmilch als auch das selbstgemachte Tofu möchte ich unbedingt ausprobieren.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

HartSchokoladentarte mit Salzkaramell


Als riesiger Karamellfan konnte ich dieses Rezept nicht auslassen. Es gehört zum Kapitel „Rezepte zum Angeben“. Das war allerdings ein wenig schwierig, weil die Tarte, die eigentlich einem Fondantkuchen (viel Butter, viel Schokolade) gleicht, durch das nach dem Backvorgang zerfranste (vielleicht habe ich auch etwas falsch gemacht) Karamell ein wenig ungewöhnlich ausgesehen hat – was sich aber nach dem Stürzen derselben erledigt hat. Geschmacklich war die Tarte überwältigend, allerdings sollte sie gut abkühlen.

Rote-Beete-Bouillon mit Steinpilzen
Rote-Beete-Bouillon gehört zu meinen Lieblingsgerichten. Sie ist auch ideal für diese Jahreszeit. Ich habe sie bisher noch nie mit Steinpilzen gemacht und muss sagen, dass das sehr gut schmeckt. In Polen macht man Rote-Beete-Bouillon übrigens traditionell zu Weihnachten mit Teigtaschen als Einlage. Zum Auftakt eines üppigen Menüs kann ich mir nichts Besseres vorstellen.

Auberginen mit Miso
Als riesiger Fan japanischer Gerichte habe ich als erstes die Auberginen mit Miso ausprobiert. Seitdem gehören sie zu meinem Standardrepertoire. Das Gericht ist einfach und schnell zubereitet und eignet sich hervorragend für den Alltag. Auch mit Vollkornreis eine tolle Sache.

HartIch habe selten ein Kochbuch so intensiv „bearbeitet“ wie dieses, unter dem Motto „alles für’s Projekt!“ habe ich aus fast jedem Kapitel wenigstens ein Gericht nachgekocht. Dabei gab es drei wirkliche Highlights und leider auch zwei Pleiten.

Das malaiische Eiercurry hat uns einen trüben Herbstabend mit seiner fruchtigen Schärfe aufgehellt und war im Nu vertilgt – davon hätten wir ruhig die doppelte Menge haben können. Lediglich das Pellen der wachsweichen Eier war eine ziemlich frustrierende Fummelei, das nächste Mal werde ich die Eier gleich pochieren.

Die Schwarze-Bohnen- Suppe mit getrockneten Tomaten war ein perfektes, sättigendes Abendessen, das durch die rauchigen Chipotle-Chilis ein gewisses Cowboy/Lagerfeuer-Feeling bekam. Der Zeitaufwand durch Einweichen und Kochen der schwarzen Bohnen kann sicherlich durch Kidney-Bohnen aus der Dose erheblich reduziert werden, schwarze Bohnen sind ja auch nicht überall zu bekommen.

Gebackener Ricotta mit Avocado wird im Kapitel „Frühstück & Brunch“ vorgestellt, und für einen Brunch eignet es sich ganz hervorragend. Frisch aus dem Ofen kommt es zunächst cremig und fluffig daher, wird aber nach dem Erkalten kompakter und krümeliger und schmeckt köstlich zusammen mit reifer Avocado. Lediglich die Brotmenge kann man getrost verdoppeln – oder das Rezept halbieren. Die Backzeit musste ich allerdings deutlich verlängern, was sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht.

Sehr gut geschmeckt haben uns auch das Rustikale Brot (gelingt auch Brotback-Novizen!), die Wirsing-Shiitake-Teigtaschen mit schwarzer Essigsauce (toll für Gäste), der geröstete Blumenkohl mit Mandeln, das Linsenmousse und das Möhren-Hummus.

Als Reinfall stellte sich bei mir die Butternusskürbis-Falafel heraus, dabei hatte ich mich genau auf diese sehr gefreut, da ich zwar Falafel liebe, nicht aber die olfaktorischen Nebenwirkungen des Frittierens. Diese sollten im Backofen gegart werden – aber auch nach Verdopplung der Backzeit blieben die Bällchen, für die der Teig sowieso viel zu flüssig war, weich und matschig. Frustriert landeten sie am Ende doch in der Pfanne. Leider konnten sie geschmacklich nicht überzeugen, durch den gebackenen Kürbis wurden sie mir viel zu süß.

Eine weitere gebackene Pleite war die Schokoladen-Tarte mit Salzkaramell, die weniger als Tarte, sondern als klebrige Masse aus meinem Ofen kam. Das wäre als noch akzeptabel gewesen, ich mag klitschigen Kuchen, leider war sie trotz erheblicher Zucker-Reduzierung immer noch viel zu süß.

HartLeider ist mein Kochbuchtest wegen Krankheit anders verlaufen als geplant und das Dinner mit Freunden fand nicht statt. Anstatt der „Rezepte zum Angeben“ entschloss ich mich für etwas alltagstauglichere Rezepte zum Probekochen.

Das erste Rezept, das ich ausprobiert habe, wollte ich zunächst gar nicht kochen, da es in abgewandelter Form schon seit Jahrzehnten in unserer Familie gekocht wird. Die Rede ist von den Orecchiette mit Brokkoli und Pinienkernen. Mein Vater stammt ursprünglich aus Apulien in Süditalien, wo Orecchiette traditionell herkommen (jede Region in Italien hat ihre eigene Pastasorte). Somit esse ich Orecchiette, die übrigens die Lieblingspastasorte von mir und meinem Sohn ist, schon seit Kindheitstagen in sämtlichen Variationen. Bei mehrmaligem Anschauen des Rezepts musste ich es dann doch testen, vorallem da ich Pinienkerne sehr gerne mag. Lieblingspastasorte, Lieblingsgemüse und Pinienkerne – besser geht es fast nicht mehr. Und was soll ich sagen? Superlecker! Alice Harts Orecchietterezept hat das alte Familienrezept mittlerweile abgelöst. Wir haben es mehr als einmal nachgekocht und es bleibt bestimmt nicht das letzte Mal. Nur dann ohne Chili, die mag der kleine Mann nämlich nicht. Schmeckt übrigens auch sehr gut mit anderer Pasta, wie z.B. Pennine.

Ich esse für mein Leben gerne Falafel, kaufe sie aber meist als TK-Ware im hiesigen türkischen Delikatessenladen. Allerdings wollte ich schon immer mal selbstgemachte Falafel essen. In der Kombination mit Butternutkürbis hat mich das Rezept für Butternutkürbis-Falafel mit Gurken-Joghurt-Dip neugierig gemacht. Und wir wurden nicht enttäuscht. Es hat super geschmeckt. Schade nur, dass es sehr zeitaufwendig war. Beim nächsten Mal muss ich dann wohl mehr Falafel machen, damit ich eine Ladung gleich einfrieren kann.

Weil der Backofen für die Falafel eh schon an war, habe ich gleich noch das Rezept für Schnelles Brot getestet. Als wirklich schnell empfand ich es allerdings nicht, was durchaus an mir gelegen haben kann. Mir war der Teig viel zu klebrig – auch wenn Alice Hart schreibt, dass dies ganz normal sei – und so habe ich nach und nach etwas mehr Mehl unter den Teig gearbeitet. Geschmeckt hat es aber.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

Hart„Gemüse satt!“ ist ein gelungenes Kochbuch. Hier findet man Rezepte für den Alltag, aber auch für besondere Anlässe. Es eignet sich sowohl für Anfänger, als auch Fortgeschrittene. Außerdem braucht man sich mit diesem Buch im Schrank nie wieder den Kopf zu zerbrechen wie ein festliches Diner für Vegetarier aussehen könnte.

HartDie (foto)grafische Gestaltung des Buchs ist durchaus sehr französisch, Alice Hart bedient sich bei vielen Gerichten aber eher der orientalischen und asiatischen Küche, wobei sie mit den Klassikern wenig zimperlich umspringt und sie teilweise gewagt abändert. Das funktioniert nicht immer, aber im besten Fall entstehen dadurch schöne Gegensätze auf einem einzigen Teller. Manchmal hätte ich mir dennoch eine einheitlichere Zusammenstellung der Rezepte gewünscht, so ist es eher ein Sammelsurium an fleischlosen Rezepten. Aber ein schönes.

Vegetarisches Essen ist gerade schwer im Trend, und mir hat gut gefallen, dass Alice Hart raffinierte Gerichte jenseits von Grünkernbratlingen und Tofuwürfeln vorstellt, Gerichte, die nichts mit dem klischeehaften Bild eines Vegetariers zu tun haben. Ich habe viele Inspirationen aus dem Buch mitgenommen und würde es jederzeit weiterempfehlen, wenngleich mit einer Einschränkung: Kochanfängern würde ich das Buch nicht unbedingt an die Hand geben. Versierte Köche werden aber durchaus ihre Freude daran haben.

HartDer Untertitel „140 vegetarische Lieblingsgerichte“ ist absolut treffend, denn die von mir nachgekochten Rezepte haben definitiv Potential zu Lieblingsgerichten zu werden. Ein rundum gelungenes Kochbuch.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2011

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