Kochbuch von Ali Güngörmüs: Mediterran

Kochbuch von Ali Güngörmüs: Mediterran ★★★★★

 Mediterran
100 kreative Rezepte rund ums Mittelmeer
Ali Güngörmüs, Fotos Maike Jessen
Dorling Kindersley Verlag (2014)
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Patricia Drewes

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die kalte Jahreszeit ging gerade zuende, als ich in den Buchneuerscheinungen stöberte und dabei auf Ali Güngörmüs‘ neues Kochbuch „Mediterran – 100 kreative Rezepte rund ums Mittelmeer“ stieß. Das Winterende geht bei mir häufig mit einer akuten Unlust auf Knollensellerie, Weißkohl, Steckrübe und Kartoffeln einher. An Güngörmüs‘ Kochbuch, das mit farbenfrohen Sommergemüsen lockt und verlockend in griechischem Tavernentürkis leuchtet, kam ich darum nicht vorbei. Und rückblickend bin ich sehr froh darüber, hat er mein lukullisches Repertoire doch in sehr unprätentiöser Weise erweitert.

Das vertiefende Studium des Buches bestätigte den ersten positiven Eindruck: ca. 20 Post-its landeten innerhalb kurzer Zeit quer über die einzelnen Kapitel verteilt, die von Vorspeisen, Salaten und Suppen über Gemüse und Pasta, Fisch, Geflügel und Fleisch bis hin zu den Desserts reichen. Meine Freude und kulinarische Unternehmungslust resultierte dabei nicht nur aus den ansprechenden Fotos, sondern auch aus der Tatsache, dass die Rezepte für Menschen mit chronischer Zeitnot und selektiver Wahrnehmung sehr gut strukturiert und allesamt bebildert sind.

Ein Blick auf die Zutatenlisten bestätigt Güngörmös‘ Zielsetzung, die er im Vorwort nennt: Als Sternekoch möchte er „ganz normalen“ Leuten zeigen, dass auch TV- und Sterneköche „ganz normal“ kochen können. Auch wenn ich „ganz normal“ beinahe für ein Schimpfwort halte (wer ist schon gern ganz normal), liegt für mich der Charme des Buches darin, nur einen „ganz normalen“ Supermarkt besuchen zu müssen, um anschließend außergewöhnlich lecker mediterran kochen zu können.

Als Beinah-Vegetarierin hat mich sehr gefreut, dass Obst und Gemüse in Form von Salaten, Teigtaschen, Pizzen und Quiches einen großen Stellenwert in Güngörmüs‘ Kochbuch besitzen, die Kinder durchstöberten darüber hinaus begeistert den fruchtigen Dessertteil.

kochbuch-ali-mediteran-inside-valentinasWährend es draußen heller und grüner wurde, zauberten wir drinnen optische und geschmackliche Erfolgserlebnisse auf den Tisch – und ich spreche bewusst von Zauberei, weil man in 50% aller Fälle mit 30 Minuten Kochzeit auskommt. Lediglich die Fleisch- und Fischgerichte erfordern eine längere Vorbereitungs- bzw. Kochzeit. Nach und nach arbeitete ich mich durch meine Nachkochliste, angefangen bei einem äußerst sommerlichen Grapefruit-Avocado-Salat mit Granatapfel über Rucola-Salat mit Balsamico-Feigen und Mozzarella, meine Dönerbudenerfahrungen weit hinter sich lassendem Börek mit Spinat, Schafskäse und Zitronenjoghurt, Taglierini mit Tomaten-Kürbis-Sugo (ein Segen, der letzte Kürbis ist geschlachtet und schmeckte im Sugo außergewöhnlich gut) bis hin zum Sauerrahm-Eis mit marinierten Beeren an den ersten warmen Tagen des Jahres und schlorzigem Schokoladen-Aprikosenkuchen beim anschließenden Temperatursturz.

Meine Nachkocherlebnisse waren durchweg positiv und mehr noch: Die vorgegebenen Zeiten konnte ich teilweise untertreffen, die Gerichte sahen aus wie abgebildet und schmeckten – gerade im Hinblick auf die spartanischen Zutatenlisten – äußerst lecker. Nicht normal, sondern ungewöhnlich – mit einem kleinen Kick, der sie der banalen Alltagsküche enthob. Ab und an fragten der Mann oder eines der Kinder „Und das ist wirklich Kürbis da im Sugo?“ oder auch „Avocado mag ich doch eigentlich gar nicht“, wahlweise auch „Und in der Soße ist wirklich fast nur Spinat drin?“ – für mich ein Indiz, dass mit ganz gewöhnlichen Zutaten kleine und große Gaumenschmeichler gezaubert werden können – und das, so mein abschließendes Urteil, ist die Stärke dieses Buchs:

Kreativität erfordert weder lange Zutatenlisten noch stundenlanges kontemplatives Rühren in Töpfen und Pfannen (auch wenn ich beides in meiner Freizeit immer wieder gern tue), sondern vielmehr ein Händchen und Auge für harmonische, aber nie langweilige Geschmackskombinationen. Beides hat Ali Güngörmüs. Toll.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2014

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