Kochbuch von Alfons Schuhbeck: Meine Küche der Regionen

Kochbuch von Alfons Schuhbeck: Meine Küche der Regionen ★★★★☆

Meine Küche der Regionen
Alfons Schuhbeck, Zabert Sandmann Verlag (2008)
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Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Schuhbeck und ich haben uns in der Kochbuchabteilung kennengelernt. Natürlich kannten wir uns schon vorher, aber eben nicht persönlich und eher vom Sehen – aus der Freitagnacht (Lanz kocht, ZDF, Samstag – 23.00h). Nun trafen wir uns also am Büchertisch, er sah mich an und pries mir seine Küche der Regionen. Die entpuppte sich beim ersten Durchblättern als fein und deftig und somit genau richtig für mich und die vorherrschende kalte Jahreszeit. Und so nahm ich ihn mit nach Hause. 

Schuhbeck versammelt in Meine Küche der Regionen auf knapp 150 Seiten Rezepte aus Bayern und den angrenzenden Regionen: die Spanne reicht dabei von Suppe und Knödel bis Braten und Strudel. Die Rezeptbeschreibungen sind auf den ersten Blick sehr textlastig, nimmt eine Beschreibung doch fast immer eine ganze Seite ein. Rezepte mit bis zu 30 (!) Zutaten sind keine Seltenheit. Bei den Kochvorbereitungen merkt man jedoch schnell, dass es sich um Zutaten handelt, die man ohnehin vorrätig hat oder die sich leicht besorgen lassen.

Das Buch kommt in seiner Aufmachung eher unauffällig daher. Die Fotografien entsprechen der bodenständigen Linie der Rezepte und sind entweder zünftige Stillleben (Schuhbeck mit Salatkopf neben Heiligenbild) oder freundliche Großaufahmen. Das Kochbuch hat ein schönes Format, passt auch mal in die Handtasche für ein Rezeptstudium in der U-Bahn oder in den Jutebeutel, wenn die Zeit für den Einkaufszettel nicht mehr gereicht hat. Kalorien- und Zeitangaben (Dauer der Zubereitung) fehlen, wobei ich ersterers in einem Kochbuch ohnehin überflüssig finden, zweiteres aber durchaus hilfreich sein kann. Die Qualität seiner Rezepte verlangt eine gewisse Sorgfalt in der Zubereitung, die der Zeit bedarf.

Nachdem ich einige Rezepte aus Meine Küche der Regionen gekocht hatte, kristallisierten sich Schuhbecks „Würzvorlieben“ heraus und die Länge der Zutatenlisten relativierten sich erneut. So setzt er z. B. häufig eine Mischung von Korianderkörnern und ganzem Kümmel ein, Chilipulver gibt Schärfe. Auch die Länge der Beschreibungen macht beim Kochen Sinn, da sie mit Verstand geschrieben sind und so wirklich durch das Gericht führen. Mir fehlte teilweise eine kurze Begründung, warum etwas wie zubereitet wird (z. B. werden für die Maronensuppe die Zwiebeln in Puderzucker angedünstet, für mich völlig neu!). Das würde, wie ich finde, eine gewisse Wertschätzung dem Leser gegenüber zeigen.

Die Portionen sind tatsächlich (vgl. die Rezension zu Meine bayerische Küche) etwas knapp bemessen, wobei ich glaube, dass Schuhbeck in Menu-Gängen denkt und dann stimmt es wieder. Außerdem spart er nicht an guten Zutaten wie Butter und Sahne, so dass der Kalorienbedarf auch nach kleinen Portionen vermutlich gedeckt ist…

Sehr gefallen hat mir auch der ein oder andere Küchentipp, wie z. B. braune Butter, die ein wunderbar nussiges Aroma hat, auf Vorrat herzustellen und so zur Verfeinerung immer parat zu haben.

Meine Küche der Regionen versammelt Rezepte, die bekannt und in ihren Ursprüngen traditionell sind. Wo sie kaum verändert, sind sie nicht immer eine Entdeckung, zeichnen sich aber stets durch einen soliden Umgang mit den Produkten aus. Schuhbecks Kunst zeigt sich natürlich und besonders im Umgang mit Gewürzen: Wenn er mit wenigen Mitteln ein Gericht verfeinert, es neu und zeitgemäß interpretiert oder mit unerwarteten Zutaten (Kaffeepulver im G´rupften!) einem scheinbar bekannten Rezept den besonderen Schliff gibt.

Das Kochbuch Meine Küche der Regionen ist ein feines Knödel-Braten-Kochbuch, mit Rezepten die besonders und bodenständig sind, und deren Reiz eben darin liegt: bekannten (Lieblings-)Gerichten eine neue Note zu geben.

So lässt sich abschließend sagen, dass Schuhbeck und ich zwar nicht die besten Freunde geworden sind, doch habe ich einiges von ihm gelernt und er hat mir so manche Gaumenfreude beschert. Und wenn er auch keinen Platz in meinem Herzen hat, in meinem Kochbuchregal ist ihm ein fester Platz sicher!!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2008

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