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Katharina Höhnk

Kochbuch von Alexis Gabriel Aïnouz: OMG! French Guy Cooking ★★★★

OMG! French Guy Cooking – 100 Wow!-Rezepte und geniale Küchen-Hacks, Alexis Gabriel Aïnouz, Fotos: Dan Jones, Edition Michael Fischer (2019)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ming Cao

Von

Vor einigen Jahren wurde ich auf den passionierten YouTube-Koch Alexis Gabriel Aïnouz aufmerksam oder besser bekannt als French Guy Cooking. Er hat es so gar nicht mit Laissez-faire, worauf der erste Eindruck vielleicht schließen lässt, sondern ist eher forschender wie kreativer Perfektionist. Entsprechend neugierig war ich auf sein erstes Kochbuch. Werden bzw. wie werden die Rezepte in meiner Küche gelingen?

Der charmante Franzose mit dem unverwechselbaren Wuschelkopf (Foto unten) startete als Autodidakt vor über sieben Jahren seinen Kochkanal. Früher hieß er French Guy Cooking, jetzt schlicht Alex. Inzwischen gehört er Jamie Olivers Foodtube-Community an und vereint auf seinem Kanal über 1,7 Millionen Abonnenten.

Kochbuchautor Alexis Gabriel Aïnouz
Kochbuchautor Alexis Gabriel Aïnouz

„I just want to make perfect food“, beschreibt er seine Intention treffend. Die richtige Zubereitungsart, auch einfacher Gerichte, fasziniert ihn. Und das wiederum fasziniert mich. Schon seine Videos entstehen in seiner Küche, die eher an einen Hobbyraum mit Werkzeugbank erinnert. Er widmet sich Themen wie dem perfekt runden Fleischklops. Die Entwicklung seiner Rezepte, z. B. zum perfekten Omelette, koste ihn schon mal Jahre des Ausprobierens, schreibt er. Ebenso experimentierfreudig legt er sich nicht nur auf die französische Küche fest, sondern deckt auch die asiatische und orientalische Küche ab.

Ich starte mit dem Endgegner: Comté-Käse

Der Originaltitel seines Kochbuchs lautet „Easy recipes and kitchen hacks for rookies“ – für Anfänger. Nach den Zutatenlisten zu urteilen, mag das stimmen, aber vielleicht nicht für jedes Rezept. Das erlebe ich gleich beim Auftakt: Ich entscheide mich als Erstes für ein Pasta-Gericht mit nur zwei Zutaten, Comté-Käse und Nudelwasser – der „Cacio e pepe“-Klassiker auf Französisch sozusagen. Ich habe ihn noch nie zubereitet. Alex verspricht, dass mit seiner Methode eine „sirupartige“ Soße entsteht. Dafür wird der zimmerwarme, geriebene Käse mit frischem Pfeffer in eine große Schüssel gegeben. Danach wird „etwas vom warmen Pastawasser eingerührt“. Gen Ende kommen Pasta und bei Bedarf zusätzliches Pastawasser hinzu. Ich starte das Experiment.

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Die ersten zwei Sekunden sehen vielversprechend aus, danach zieht sich die „Soße“ wie getrocknetes Kaugummi, ich lese panisch die Schritte nach, aber kann leider nichts retten. Entsprechend schwer liegt das Resultat beim Verkosten im Magen. Schade um den Käse. Ich habe gelernt: Simples kann ganz schön komplex sein. Vielleicht hätten ein, zwei Hinweise in der Anleitung geholfen?

Unerwartete Offenbarung

Gratin dauphinois, ein Kartoffelgratin, das ihn an die Geborgenheit seines Elternhauses erinnert, sowie die perfekten Fleischbällchen, die im Munde zart schmelzen sollen, nehme ich mir als Nächstes vor. Ein emotionales und ein rationales Rezept – perfekt um Alex’ kulinarische Welt noch näher kennenzulernen. Die Einkaufsliste wird etwas länger.

Kochbuch von Alexis Gabriel Aïnouz: OMG! French Guy Cooking

Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Kartoffeln, aber definitiv nun ein Fan dieses Gratin-Klassikers. Die Erkenntnis des Vortags erweitere ich auf: Simples kann ganz schön komplex schmecken. Die dünnen Kartoffelscheiben baden in der luxuriösen Sahnesoße, umschmeichelt vom Parmesan und gekrönt von Salz und Pfeffer. Das meint Alex also: Einfaches kann ganz schön genial schmecken. Laut dem Autor wird das Gratin noch besser, wenn es einen Tag vorher zubereitet und vor dem Servieren aufgewärmt wird, aufgrund der „komplexen Reaktion“ zwischen Kartoffeln und Milchmischung.

Als Beilage hatte ich die „Perfekten Fleischbällchen“ zubereitet. Sie schmecken mit Soße – falls man diese weglässt, dann sollte man kräftiger würzen – on point, ganz so, wie man sich Fleischbällchen vorstellt. Sie haben Biss und sind dennoch saftig. Ganz zart schmelzend sind sie jedoch nicht, was vielleicht an dem Interpretationsspielraum von „4–6 Scheiben Weißbrot“ liegen kann.

Was noch

Perfektionsanspruch und Optimierungswillen liegen bei Alex immer nah beieinander. Beide Eigenschaften verkörpert er aber auf unkonventionelle Art. Das Kochbuch unterstreicht das mit Anekdoten und lockeren Sprüchen, aber auch mit kulinarischen „Hacks“ (Kniffe), um Instant-Nudeln auf das nächste Level zu heben (durch Hinzufügen von Gewürzen, frischen Zutaten und Fettträgern), wie man eine Zwiebel (fast) ohne Tränen schneidet (in der Mikrowelle erwärmen) oder das perfekte Steak zubereitet (Sous-Vide). Für mich alles Tipps, die ich hilfreich finde. Er behandelt auch über mehrere Seiten französische Backwaren (Millefeuille, Croissant, Brioche) und (Sauerteig-)Brot.

Alexis Gabriel Aïnouz:

„Ein Jahr lang habe ich jeden Samstagnachmittag ein Omelette gemacht, immer darauf bedacht, meine Technik zu verbessern. Denn ich wollte, dass mein Körper und nicht mein Kopf sich an die Bewegung erinnert. Und auch, weil ich offensichtlich verrückt bin.“

Auch die Variationen vom Omelette auf dem Weg zu seiner perfekten Variante sehen spannend aus (vor allem die Kräutervariante mit Petersilie, Schnittlauch, Kerbel und Estragon oder die japanische mit Reis und Meeresfrüchten). „Ein Jahr lang habe ich jeden Samstagmittag ein Omelette gemacht. (…) immer darauf bedacht, meine Technik zu verbessern. Denn ich wollte, dass mein Körper und nicht mein Kopf sich an die Bewegungen erinnert, die zum Erfolg führen. Und auch, weil ich offensichtlich verrückt bin“, schreibt der Autor.

Haute Cuisine sucht man bei French Guy Cooking fast vergebens. Als Food-Versteher widmet Alex sich stattdessen mit Hingabe dem Homecooking – auf der Suche nach der besten Zubereitung von Rezepten. Als Leserin habe ich das Gefühl, dass mir dadurch überflüssige Kochexperimente erspart geblieben sind. Seine Variationsvorschläge zeigen zudem den Blick über den Rezept-Rand hinaus und betonen die kreative Seite des Kochens. Dabei erinnert er auch an die innere Zufriedenheit, die Alltagsessen auszulösen vermag.

Als Fan von Alex’ Kochkanal empfinde ich sein Kochbuch als Zusammenfassung und Erweiterung seiner Videos, auch wenn das Nachkochen für eine Prise Realität sorgt, da man dabei auf seine bewegten Bilder und zusätzlichen Erklärungen verzichten muss. Das Buch passt perfekt in eine Studenten-WG, zu einer jungen Familie, denke ich, oder zu „Koch-Nerds“, wie ich es bin. Ich bin gespannt, wie Alex sich kulinarisch weiterentwickelt. Bis dahin macht es Spaß, ihn auf dem Weg des Optimierens zu begleiten und Basisrezepte für jeden Tag zu entdecken.

Veröffentlicht im September 2021

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