Kochbuch von Alex Elliott-Howery & James Grant: Café Cornersmith

Kochbuch von Alex Elliott-Howery & James Grant: Café Cornersmith ★★★★★

Café Cornersmith – Frische Saisonküche
& köstliches Eingemachtes
Alex Elliott-Howery & James Grant
Fotos Alan Benson
Knesebeck Verlag (2016)

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Manche denken, ein tolles Café zu führen sei ganz einfach. Ich habe das noch nie gedacht. Deswegen tagträume ich noch nicht einmal von der Speisekarte, die ich in meinem Café anbieten würde, wenn mich gerade einmal die Schreibtischarbeit nervt. Aber das hat sich geändert, und zwar in dem Moment, als ich das Kochbuch Café Cornersmith aufschlug. Nun träume auch ich. Denn so eines hätte ich auch gerne – unbedingt.

Alex und James sind die Autoren und Eigentümer des Café Cornersmith in Sydney. Im Januar 2012 feierten sie seine Eröffnungsöffnungsparty, brieten eine Ziege im Hinterhof und tanzten bis zum frühen Morgen, schreiben sie. Doch schon in der ersten Woche gab es einen heftigen Rückschlag. Jemand schlug die Scheiben des Cafés ein. Interessanterweise erzeugte das in der Nachbarschaft große Anteilnahme und seitdem sei es immer voll. Das war erst der Beginn. Denn der nachbarschaftliche Aspekt entwickelte dann seine Eigendynamik als Tauschsystem ganz eigener Art.

Wo die Hobbygärtner einen Hafen fanden

Alex und James boten ihren Kunden an, ihre Gartenerzeugnisse, die zu viel waren, gegen einen Kaffee oder anteilig an das daraus Eingemachte zu tauschen. Da die Hobbygärtner der Umgebung – wie überall auf der Welt (Stichwort Zucchinischwemme) – immer wieder im Überfluss versanken, wenn die Ernte losging, wurde das Angebot rege angenommen, sodass das Café sogar montags geschlossen blieb, damit Zeit zum Einmachen blieb. Dann ging das Paar einen Schritt weiter und eröffnete The Picklery. Hier werden seitdem die Vorratsgläser gefüllt, das Eingemachte verkauft und Kurse darüber gegeben – und nun kann man dort auch ihr Kochbuch kaufen. (Links die Autoren)

Es offeriert aber nicht nur Rezepte fürs Einmachen, sondern saisonal sortiert die Rezepte des Cafés. So finden sich Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre mit Rosenwasser und Knuspermüsli für das Frühstück, aber auch kleine Lunch-Mahlzeiten wie gebratene Auberginen mit Ricotta und Walnüssen. Themen-Specials mit Rezepten für den Limonaden-Stand, Tomaten-Einmachtag und das Herbstpicknick unterbrechen angenehm den Rhythmus. Die Einmach-Idee kommt nicht zu kurz – sie durchstreicht die Rezepte wie ein steter Lufthauch als Verweise, nicht immer, aber immer wieder.

Als Leserin war ich sofort in dem Buch angekommen: die Protagonisten, die Geschichte und die klare, unprätentiöse Optik. Einfach hinreißend. Ich empfehle beim ersten Mal, das Buch auf S. 121 aufzuschlagen: Hier leuchtet wie ein Sonnenschein eine Haselnuss-Baiser-Torte dreischichtig mit Pfirsich-Mango-Creme. Ein seltener, aber dafür umso prunkvollerer Vertreter des Genre Kuchens im Buch.

Rhabarber & Hibiskus

Die Rezepte gehen alle einen Schritt weiter als die herkömmlichen Verdächtigen. Beispielhaft dafür ist Rhabarber und Hibiskus – die aromatische Kombination löste einen Aha-Effekt bei mir aus. (Warum bin ich noch nicht selber drauf gekommen?) Das Rezept ergibt dann sowohl einen tiefroten Sirup für die Vorratskammer als auch ein Rhabarberkompott für jetzt. Das ist wirklich nachhaltig. Die Zubereitungsbeschreibung verrät zudem, worauf es bei Rhabarber ankommt: Er darf nur ganz kurz pochiert werden (hier 2-3 Minuten), und die Restwärme tut dann den Rest.

Meist sind es die Würzungen, die den Dreh geben. Australien als geografische Quelle des Kochbuchs ist dabei der große Rahmen, sodass sich ganz unbekümmert die Einflüsse vieler Länderküchen finden. Ananas-Chili-Sambal aus Sri Lanka, Rohrnudeln aus Süddeutschland, ein englischer Brotzeitteller mit Cheddar und Chutney, Bagel mit Miso-Mayonnaise und sogar gebackener Ricotta. Was hier zusammengewürfelt klingt, ergibt im Buch eine Summe an Solitären.

Das Nachkochen belegte diesen Eindruck. Ich hatte mir ausgerechnet Salatrezepte ausgesucht, die mit einer langen Zutatenliste beeindruckten. Für den Rotkohlsalat legte ich zuerst Trauben ein und geduldete mich 30 Tage. Aber das hat man dann auch geschmeckt. Und die Dillbohnen haben zurzeit sogar meine Kimchi-Leidenschaft unterbrochen. Besonders im Sommer ist ihre Zeit gekommen.

Café Cornersmith ist mehr als ein Kochbuch. Hier findet sich das bücherne Spiegelbild eines Cafés, das man selber gerne hätte. Einerseits finden sich saisonale Gerichte mit feinen Besonderheiten, andererseits Vorratsgläser mit Würzungen, die Kenner aufhorchen lassen.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2017

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