Kochbuch: Tibits at home

Kochbuch: Tibits at home ★★★☆☆

tibits at home – Vegetarische Lieblingsrezepte für zuhause
Fotoa Sylvan Müller, AT Verlag (2010)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Janina

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Zu perfekt für meine Welt

Ich mag vegetarisches Essen. Ich koche und esse es gern. Doch ist der Wohlgeschmack die Mühe wert, die meisten Zutaten umständlich suchen oder extra anschaffen zu müssen?

Als ich das Kochbuch in den Händen hielt und das erste Mal blättern durfte, war mein spontaner Gedanke: „Oh je, ob ich mich damit nicht übernommen habe?“
Die Gerichte – „Apfel-Ingwer-Salat mit Tofu“ oder „Quinoa mit Curry und Cranberries“ – klangen in meinen Ohren exotisch, viele Zutaten waren mir gänzlich unbekannt (Beluga-Linsen und frische grüne Coco-Bohnen). „Gibt es hier keine normalen Gerichte?“, dachte ich zunächst. Doch, es gibt sie. Zwischen Jambalaya und Dinkelrisotto versteckte sich auch eine Spinat-Lasagne, Nudeln mit Zucchini und Curry und Beeren-Crumble. Klar, auch die normalen Rezepte haben ihre Eigenheiten wie Sojamilch, Kurkuma, Kumin oder Tikka Masala, aber die erste Hürde ist überwunden.

Was ich bei der Auswahl des Kochbuchs nicht wusste: Tibits ist ein seit zehn Jahren erfolgreiches Familienunternehmen der Brüder Frei, die mittlerweile vier Restaurants führen. Anlässlich des Jubiläums veröffentlichten sie 50 ihrer Rezepte. Ich wählte das Buch, weil der Untertitel Vegetarische Rezepte für zuhause nach alltagstauglicher Küche klang.

Das Kochbuch ist unterteilt in vier Kapitel, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind. Allerdings enthalten die Rezepte auch immer wieder für die jeweilige Jahreszeit untypische Gemüsesorten. So ist die Spinat-Lasagne im Winter zu finden, in Deutschland ist frischer Spinat allerdings erst wieder im Frühling zu beziehen. Die Kapitel selbst sind wie ein Menü zusammengestellt, wobei es durchaus mehrere Vorschläge für einen Gang geben kann. Jedes beginnt mit einem Aperitif und geht dann über Kleinigkeiten wie Suppen, Sandwiches oder Salat zum Hauptgericht über und endet mit Nachtisch.

Mir gefällt diese Vorgehensweise vor allem deswegen gut, weil sie von der Standardordnung in Kochbüchern (Suppen, Fleisch, Fisch, Pasta) abweicht und auf diese Weise Anregungen für ein saisonales Menü gibt. Ansonsten treffen Layout und Design nicht meinen Geschmack. Ich bin der Meinung, dass die Rezepte in einem Kochbuch im Vordergrund stehen sollten. Hier ist das nicht der Fall. Die sehr professionell wirkenden Food-Fotos werden umrahmt von Einblicken in das Zuhause der Gastgeber, bei denen das jeweilige Kapitel fotografiert wurde. Zwischen doppelseitigen Bildern von Kerzenmeeren und dynamisch wirkenden Gastgebern, die einen edel geschmückten Tisch decken, geraten die Rezepte zur Nebensächlichkeit, obwohl auch sie jeweils von einem großen Foto begleitet werden. Doch auch hier war das Erscheinungsbild wichtiger als Authentizität, so dass die Fotos häufig von der Rezeptbeschreibung der Mahlzeiten abweichen.

So wirkt es eher wie ein Lifestyle-Magazin mit Rezepten statt wie ein Kochbuch auf mich.
Erstaunt hat mich der Inhalt des Nachworts, der so gar nicht zum Design des Kochbuchs passen wollte. Dort wird die Geschichte von drei ambitionierten vegetarisch lebenden Brüdern erzählt, die sich auf den Weg machen, um ein vegetarisches Fast-Food-Restaurant zu eröffnen. Unterstützt und begleitet werden die drei Brüder von Rolf Hiltl, einer Institution im Bereich der vegetarischen Gastronomie, in dessen Familienbesitz das älteste vegetarische Restaurant der Schweiz ist. Genuss soll im Vordergrund stehen, der erhobene Zeigefinger, dass vegetarische Lebensweise die bessere ist, unterlassen werden.

Sowohl die Fotos von aufwendig dekorierten Tischen, als auch die Rezepte, deren Zutaten hauptsächlich im sehr gut ausgestatteten Reformhaus zu finden sind, vermitteln zunächst nicht den Eindruck von Unkompliziertheit und Alltagstauglichkeit. Zwar sind die Rezepte in der Umsetzung dann überraschend einfach und schmecken gut, mich schrecken aber die von mir kaum genutzten Zutaten ab, denn nach der Mahlzeit, das weiß ich inzwischen, verstaubt der Rest des Dinkels doch wieder nur bei mir im Schrank. Einige Zutaten habe ich beim Kochen immer wieder weggelassen, weil ich müde wurde, groß danach zu suchen.

Auf der letzten Seite des Kochbuchs ist eine Collage aus der Werbung des Tibits der letzten zehn Jahre zusammengestellt. Die Werbung ist frisch, innovativ und trifft genau meinen Nerv. Wo ist dieser frische Hauch im Buch geblieben, der mich nicht durch kühl elegante Atmosphäre abschreckt? So spricht es vielleicht diejenigen an, die durch ihre Ernährung einen bestimmten Lebensstil ausdrücken. Ich gehöre da leider nicht zu.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

3 Kommentare

  1. Thea

    Liebe Janina,
    war vielleicht von “haricots de coco” die Rede? Die kaufe ich mir immer in der “Epicerie” von “G.L.”, Friedrich-Ecke Französische Straße…

  2. Katharina

    Liebe Janina, Thai-Basilikum findet man gut auf dem Markt oder in der Gärtnerer. Ich hole mir gerne ein Pflänzchen, denn er verhält sich auf meinem Balkon robuster als der klassische italienische. Grüße

    • Janina

      Danke für den Tipp. Habe jetzt welchen auf dem Markt am Maybachufer in Berlin entdeck

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