Kochbuch: Sizilien

Kochbuch: Sizilien ★★★☆☆

Sizilien
Phaidon by Edel (2014)
Mehr über den Verlag

Patricia Rahemipour

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Leider kulinarisch kein Matterhorn, auch wenn das Auge zunächst in illustren Höhen schwelgt. Ein Kochbuch, bei dem der Funke einfach nicht überspringen will, denn es ist weder Tal noch Berg.

Als es auf meinen Tisch flatterte, waren wir gerade knietief im Internetdschungel der Reiseanbieter verschollen. Nur schwer kämpfte ich mich wieder heraus, um das Buch entgegen zu nehmen, das mir einen Geistesblitz, und damit auch unerwartet die Freiheit spendierte. Ich sage nur: Bücher sind Lebensmittel.

Wir sind nicht, wie die Einleitung vermuten lässt, nach Sizilien gefahren. Mitnichten, es ist Sardinien geworden. Aber die Idee hat mir dieses Kochbuch eingepflanzt. Warum nicht mal wieder Italien und warum nicht auf eine Insel. Wie schön das war. Erst heute hat meine Tochter gebettelt, im nächsten Urlaub doch bitte wieder nach Sardinien zu fahren, aber nächstes Mal wird es Sizilien. Schon wegen des Essens!

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Sizilien ist eine Insel, die schon durch ihre Nähe zu Afrika und die verschiedenen seit römischer Zeit belegten Einflüsse seine unglaublich spannende Geschichte auch im Essen verewigt hat. Das Sizilien-Kochbuch fühlt sich dieser Geschichte verpflichtet. Es gliedert sich nach den verschiedenen Regionen der Insel, wie Trapani, Palermo, Agrigent und Messina. Und jede Region wird individuell vorgestellt mit all ihren Spezialitäten und Lebensmitteln, die typisch sind. Dabei spielt in jedem Kapitel beispielhaft ein Gewürz oder Gewächs eine besondere Rolle. Bei der Region Trapani ist es etwa die Kaper, der ein kleines Kapitel gewidmet ist. Und für jede Region werden dem Leser ein paar Rezepte präsentiert. Die Aufmachung ist dabei recht klassisch. Bilder der Insel werden hier dann von Bildern des fertigen Gerichtes abgelöst. Eine neue Variante aus der Schatztruhe des ital. Magazins „Silberlöffel“. Auf Valentinas wurden die daraus entstandenen Kochbücher vorgestellt wie Der Silberlöffel, Rezepte für einen italienischen Sommer, Rezepte aus dem Meer und Der Silberlöffel für Kinder.

Aus diesem vorliegenden haben wir allerhand Gerichte durchprobiert. Den Orangensalat mit Fenchel und Oliven, die Gambas mit Kapern, die Pastete mit Hühnchen oder die klassische Caponata. Die sizilianische Küche ist eine einfache, deftige Küche ohne viel Spielereien. Sie eignet sich für lange Sommerabende mit einem Tisch voller Leckereien denen man sich den ganzen Abend widmet. Gespräche ohne Ende und erst das köstliche Essen machen den Abend perfekt. Es gibt aber auch die schweren Sattmacher unter ihnen, die für sich stehen und neben denen nicht mal ein einfacher Salat Platz findet. Ideal für den Winter, die Zeit, in der nicht mehr so viel frisches Gemüse zu haben ist.

Alles fand den Weg auf unseren Teller. Alles schmeckte gut. Das kann man nicht anders sagen. Alle Hinweise waren sinnvoll. Alle Angaben stimmten, jedenfalls bezogen auf die Mengen. Alle Gerichte waren gut zuzubereiten. Es stimmte alles und doch sprang der Funke nicht über. Ich gebe zu, ich habe mich fast länger mit dieser Frage beschäftigt als ich die Rezepte des Buches nachgekocht habe. Was fehlte diesem Buch, was war es? Es ist doch solide gemacht. Es stimmte doch alles.
Nein, es stimmte eben doch nicht alles. Nur fast.

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Das ursprünglich im Edel Verlag erschienene Sizilien-Kochbuch ist nun bei Phaidon erschienen und ein klassischer Hybrid. Und genau hier liegt das Problem. Es will Kochbuch sein und zugleich Reiseführer. Man widmet sich zwar allem, aber nicht mit vollem Herzen. Die einzelnen Regionen werden seltsam blutleer vorgestellt. Es wird lediglich abgespult, was man sich vorgenommen hat ohne den Leser dabei wirklich mitzunehmen auf die Reise durch eine kulinarische Region. Leider gilt das nicht nur für den Reiseführer-Teil, sondern auch für die Rezepte.

Die vorgestellten Rezepte sind typisch, sie gehören zwangsweise in jedes Kochbuch, das die sizilianische Küche vorstellen will. Und sie sind einfach und gut. Hier kann man nicht kritisieren. Aber wo ist die Leidenschaft? Die Leidenschaft, die für mich Kochen bedeutet, die mich auch nach langen anstrengenden Tagen an den Herd lockt? Da braucht man nicht dem Klischee der italienischen Mama entsprechen, man muss nur gerne kochen, um hier etwas enttäuscht zu sein. Schade, denn das Potential für ein richtig gutes Kochbuch wäre dagewesen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2015

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