Kochbuch: Selbstgemachte Marmelade

Kochbuch: Selbstgemachte Marmelade ★★★★☆

Selbstgemachte Marmelade
Fotos Finken & Bumiller, Jan Thorbecke Verlag (2009)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Das Zubereiten von Marmelade gehört zu den einfachen kulinarischen Herausforderungen. Es kommt nur auf zwei Dinge an: Geduld für das Putzen, Kernelösen und Schnibbeln. (Gute Musik hilft, finde ich!) Für die Hamster unter den Köchinnen gilt: Nicht zu viel einkochen, damit die Regale bis zum nächsten Sommer leer werden! Die Zeit macht Marmelade leider nicht besser, sondern trocken. Wer das vor Augen hat, der wird beim nächsten Frühstück von einer Köstlichkeit begrüßt, die frisch ihr aromatisches Ziel erreicht hat! 

Bei den Rezeptvariationen für Marmelade schlägt mein Herz für pur und schlicht mit kleinen Raffinessen. In dem Buch Selbstgemachte Marmelade aus dem Jan Thorbecke Verlag habe ich diese Aromavorliebe wiedergefunden. Die Rezeptsammlung ist ein Büchlein, schmal und klein. Es enthält knapp 30 Rezepte, die – das finde ich gut gemacht – durch das Jahr begleiten: von der Erdbeerkonfitüre mit Zitronenmelisse bis zur Orangenmarmelade. (Ich hätte mir auch ein Rezept für Kirschmarmelade gewünscht.)

Die meisten Rezepte sind so gestaltet, dass sie ein bis zwei „Zutaten-Schritte“ weiter als ein Basisrezept gehen, das nur aus Früchten und Gelierzucker besteht. Sie ergeben harmonische Verbindungen, die mein Geschmackssinn schon beim Lesen als logisch, vertraut und köstlich identifiziert, z. B. Zwetschgenkonfitüre mit Zimt oder Mango mit Limette und Kokosraspeln. Das koche ich sofort nach! (Auf das Rezept für Johannisbeer-Bananen-Konfitüre muss leider verzichtet werden, da die Zutaten die der Himbeermarmelade entsprechen – so bei meiner Ausgabe. Ein Fehler im Druck.)

Ein kleiner Teil der Rezepte sieht Kombinationen vor, die weniger eingängig, aber interessant klingen. Diese werde ich sicher erst ausprobieren, bevor ich mir mehrere Gläser in meine schmale Vorratskammer stelle. Ich denke hier z. B. an das Rezept für Milchkonfitüre mit Haselnüssen. Sie wird aus Kondensmilch und Haselnüssen zubereitet. Für das Trauben-Birnen-Gelee mit Thymian gilt das ebenso.

Weniger zugesagt haben mir die vereinzelten Rezepte mit Alkohol. So gerne ich bei salzigen Gerichten Alkohol als Aroma liebe, so wenig sagt er mir bei süßen Dingen zu. Da die Marmeladenrezepte ihn nur in sehr geringer Menge zum Aromatisieren vorsehen, kann er meistens ignoriert werden, ohne dass der Rezept-Clou „baden“ geht.

Marmelade TorbeckeBei den Rezeptbeschreibungen gefällt mir, dass sie knapp sind. Knapp heißt nicht immer einfach. Aber in diesem Fall schon. Einzige Ausnahme ist die Junggesellenmarmelade. Das ist feinsinnig gedacht, denn in dieser Lebensphase ist vielleicht mehr Zeit übrig.

Der Thorbecke Verlag mit Sitz in Ostfildern hat ein Händchen für die schöne Gestaltung von Büchern. Selbstgemachte Marmelade ist liebevoll, sinnlich und ein wenig altmodisch inszeniert. Das Buch stolpert mit seinen ästhetischen Referenzen in keinster Weise über den „Kitsch-Farbeimer“. Es ist so hübsch und zeitlos, dass es durchaus ein etwas größeres Format verdient hätte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2009

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