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Katharina Höhnk

Kochbuch: River Cafe 30 ★★★★

River Cafe 30, Ruth Rogers & Team, DuMont Buchverlag (2019)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Katja Böttger

Von

Drei Jahrzehnte River Cafe. Wenn ein Schmetterling mit einem Flügelschlag einen Wirbelsturm auslösen kann, dann kann auch ein kleines Restaurant in London die kulinarische Welt aufmischen. Ein hübscher Platz in der „Hall of Fame“ der zeitgenössischen Gastronomie dürfte dem River Cafe sicher sein. Aber wer will schon hoch und trocken auf dem Sockel verstauben?

Eine ganze Reihe bekannter Köchinnen und Köche hat im River Café gewirkt. Nicht zuletzt Jamie „The Naked Chef“ Oliver wurde hier entdeckt. Aber auch ohne seinen berühmtesten Sprössling ist das River Cafe nicht nur im Wortsinne eine interessante Adresse.

Zum Weiterlesen

Website des River Cafe & Instagram

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Bei der Eröffnung 1987 hatte es nur Mittagstisch an gerade einmal neun Tischen im Angebot. Doch das Restaurant wuchs und gedieh, Ende der 1990er-Jahre gab es einen Michelin-Stern und eine eigene BBC-Show, ihre Gründerinnen, Ruth Rogers und die leider schon verstorbene Rose Gray, sind Legenden. Ein Gourmettempel oder Food-Imperium ist das River Cafe dennoch nie geworden, dieses Feld haben sie ihren prominenten „Sprösslingen“ überlassen.

Nicht zu vergessen die Kochbücher. Im englischen Original gibt es deutlich mehr als eine Handvoll. In Deutschland wurden weit weniger veröffentlicht, u.a. die beiden „Easy“-Kochbücher  und vor kurzem ein Kompendium (fast) aller ihrer Rezepte (mit ein paar Fotos). Erstere sind nur noch antiquarisch erhältlich. Ich habe mal Restexemplare für sehr kleines Geld ergattert. Ein Glücksgriff: Rezepte und Gestaltung bestechend einfach und kristallklar, eine stilprägende Inspiration, die ich immer gerne hervorhole.

Kochbuch: River Cafe 30

Und nun also die Jubiläumsausgabe zum Dreißigsten. Für den Hardcore-Fan ein Muss. Aber der kauft ja auch das siebte „Best-of“-Album der Lieblingsband. Für alle anderen stellt sich die Frage, ob sich die Anschaffung heute noch lohnt.

Ausgemistet und aufgefrischt

Modernisierung ist eine Gratwanderung zwischen Bewahren und Erneuerung. Das ist beim River Cafe 30 optisch schon mal unfallfrei gelungen: Das Buch sieht wertiger, edler aus, das viele Weiß, die großen Blockbuchstaben und Primärfarben – plus Pink und Neon – erinnern unweigerlich an Bauhaus-Ästhetik. Die Rezeptfotos sind unverkennbar reduziert, es steht allein das Essen im Mittelpunkt, auf weißem Geschirr und weißem Grund, präzise ausgeleuchtet, keinerlei Schnickschnack, nicht der geringste Krümel. Das wirkt bestechend klar und kompromisslos (beim Risotto mit Amarone di Valpolicella, ein perfekt beleuchteter brauner Haufen, allerdings auch unfreiwilig komisch).

Das Spektrum ist diesmal weiter, als ich es von den „Easy“-Büchern kenne, diesmal gibt es weniger Mozzarella-, Bruschetta- und Pastavariationen, dafür mehr Secondi mit allerlei ausgefallenen Fisch- und Fleischsorten. Vorweg gibt es Erinnerungen an das Café, das Konzept und die holprigen Anfänge, Anekdoten und ein Blick ins „Familienalbum“, aber die Rezepte nehmen den größten Teil ein.

Aufwachen, geliebte Zauberformel!

Mein Testlauf verlief zunächst etwas schleppend. Ein Knaller war dabei (Pappa al Pomodoro), ein Reinfall (Gnocchi), und dazwischen Mittelmäßiges (Farina). Das wollte ich nicht so stehen lassen und bat um Nachfrist. Die wurde dann lockdownbedingt viel länger als gedacht, aber hat sich gelohnt. Da ist sie wieder, die Zauberformel!

Kochbuch: River Cafe 30

Hervorragende Zutaten brauchen so wenig, um zu glänzen! Ein zartes Stück Fisch, die besten süß-säuerlichen Tomaten – Camone! Marina! – , frische knallgrüne Erbsen, frischer Blattspinat, zartcremiger Büffelmozzarella, zartgesalzener Ricotta salata, Sardellen, Kapern, geröstetes Brot, viel Olivenöl und immer wieder Spritzer Zitrone, dazu Sommersonne auf dem Balkon und ein leichter Wein – wir sind im Himmel! Einige Gerichte sind direkt bei uns eingezogen, sie führen mittlerweile ein Eigenleben, je nach marktfrischem Angebot zeigen sie immer wieder ein anderes Gesicht. Und das ist auch der Kern – es geht nicht nur um Rezepte, es geht um die Idee, die Vision vom Kochen. Und die bleibt aktuell, immer.

Dreißig (plus) Jahre und kein bisschen müde. Wer die River-Cafe-Bücher noch nicht kennt, hat Gelegenheit, dies jetzt nachzuholen. Ein edel aufgemachtes Buch, das in bestechender Klarheit rüberbringt, was die italienische Küche ausmacht: einfache Rezepte mit Zutaten bester Qualität, mehr nicht. Keine Folklore, keine Klischees. Das ist nicht sensationell neu, aber bewährt und gut. Bestens sogar.

Veröffentlicht im Juli 2021

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