Kochbuch: Rezepte für einen italienischen Sommer

Kochbuch: Rezepte für einen italienischen Sommer ★★★★★

Rezepte für einen italienischen Sommer
Fotos Andy Sewell, Phaidon Verlag, Edel (2013)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Dietmar Adam

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Hurra! – der Sommer da. Die grauen Zeiten sind vorbei, zumindest vorübergehend – also lasst uns in der Küche ein wenig Süden zaubern. Da kommt ein Kochbuch, das Rezepte für einen italienischen Sommer heißt und in der Tradition des legendären Silberlöffel erscheint, genau recht.

Der Verlag hat die Latte hoch gelegt und „Nachfolger des Bestsellers Der Silberlöffel“ auf den Umschlag geschrieben. Nun denn. Der Umschlag mit ansprechender künstlerischer Gestaltung stimmt mich schon mal richtig ein. Dann folgen ohne lange Anlaufzeit mehr als 350 Rezepte. Was sind das nun für Rezepte? Wird der Silberlöffel recycelt oder ist der Inhalt neu? Sowohl als auch lautet die Antwort. Es finden sich Übernahmen aus dem Bestseller, aber überwiegend schöpft der Verlag aus dem gewaltigen Fundus der gleichnamigen italienischen Zeitschrift Silberlöffel. Wer den Klassiker besitzt, steht also vor einer kniffligen Kaufentscheidung.

Die Aufteilung des schwergewichtigen Werkes hat mich mit seinem themenbezogenen Aufbau überzeugt (Picknick, Salate, Grillen, leichte Mittag- und Abendessen, Sommerfeste, Desserts, Eiscreme und Getränke). Klar dass es da zu Überschneidungen kommt, aber das lässt sich wohl kaum vermeiden. Die Gestaltung ist ruhig, ganz so, wie ich das von einem in die Jahre gekommenen Klassiker erwarte. Zunächst einmal überrascht eine an Schreibmaschinenschrift erinnernde Typographie. Die Länge der einzelnen Rezepte variiert, manchmal passen bis zu fünf auf eine Doppelseite, mal – bei einem epischen Gericht wie dem Meeresfrüchterisotto – werden auch zwei Seiten benötigt, aber das ist die Ausnahme. Angenehm fallen auch die Rezeptnamen auf. Ganz schlicht ohne ein modisches „bei“ oder „an“, ohne Wortkaskaden und Anpreisungen heißt es da z.B. „Reis mit Früchten“, „Putenspieße“ oder „Bohnentorte“. „Feiner Salat“ hört sich in diesem Kontext schon geradezu extravagant an. Aber immerhin findet sich bei jedem Rezept auch der italienische Name. „Insalata di petali di girasole“ klingt doch ganz anders als ein teutonisch-sachlicher „Sonnenblumensalat“. Das Register macht zwar einen durchdachten und übersichtlichen Eindruck, allerdings sind meinen geschulten Bibliothekarsaugen bei einer Stichprobe gleich mehrere Versäumnisse aufgefallen.

Im Text geht es dann wieder schnörkellos zu. Die Kochanweisungen sind ganz auf das Wesentliche konzentriert. Jeder dürfte mit den präzisen Angaben zurechtkommen, auch sollte das Nachkochen kaum jemanden überfordern. Über den Zutaten ist die Zubereitungszeit angegeben sowie die Zahl der Personen. Und die Zutaten selbst sind so konzipiert, dass sie jede italienische Hausfrau in ihrem Supermercato, beim Metzger und im Fischladen bekommen kann. Ich hätte allenfalls bei Glatthai, Stör und Fasan Probleme bei der Beschaffung.

Bei der Auswahl der Rezepte hatte ich zunächst befürchtet, auf allzu viele sattsam bekannte Klassiker zu treffen. Entsprechend groß war meine Freude, viele, meist auf den ersten Blick unscheinbare Gerichte zu entdecken, die das Zeug haben, neue Ideen in meine Küche zu bringen. Zwar stößt man durchaus auf alte Bekannte wie Vitello tonnato und den anscheinend unvermeidlichen Insalata Caprese, aber bei der Vielzahl der Rezepte fällt das nicht ins Gewicht. Das beweist einmal mehr die Vielfalt der italienischen Küche.

Irritiert war ich zunächst von den Fotos, ja, ich vermutete schon einen Fehldruck. Viele Abbildungen erschienen ungewöhnlich blass und flach. Später erkannte ich die Idee des Fotografen dahinter, das flirrende Licht des Sommers einzufangen.

Fazit: Rezepte für einen italienischen Sommer kommt in vielen Details dem nahe, wie ich mir ein ideales Kochbuch vorstelle: eine bodenständige und authentische Küche, darauf aufbauend aber auch ideenreiche Kombinationen von saisonalen Zutaten, die ohne viel Umstände zu beschaffen und zuzubereiten sind. Kein Schnickschnack, sondern die Gewissheit, dass es sich um im Alltag bewährte Rezepte handelt. Mithin ein fundiertes Kochbuch, das viele Anregungen bereit hält, ein Buch, das zu einem guten Freund in der Küche werden kann.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2013

7 Kommentare

  1. Buchfinnk

    Da ich den „Silberlöffel“ besitze, kann ich nachhelfen. Die Zutaten sind: 750ml lieblicher Weißwein, 1 Pfirsich, 1 Birne, 1 Banane, 2 Clementinen, 12 Himbeeren, 2 Minzeblätter. 3 Blatt Gelatine oder 6 EL gemahlene Gelatine.

    • Katharina

      Dank Dir!!

    • Julia

      Vielen Dank, Buchfinnk.
      @Katharina Dass es bei uns immer alles rund ums Jahr gibt find ich ja eher nicht so gut. Ich versuche zumindest saisonal zu kochen. Aber das Buch klingt so gut, dass ich es mir zumindest mal näher angucken werde. Danke für den Tipp. Wie immer sind Eure Rezensionen super!

      • Katharina

        Gerne.
        Ja, ich mache es (fast) genauso. Es gibt immer mal eine Ausnahme. 🙂

    • Dietmar

      Danke, Buchfinnk für die schnelle Antwort.
      Noch eine Anmerkung zum Rezept: mir kam das Verhältnis 3 Blatt Gelatine auf 750 ml Wein etwas gewagt vor. Mein Tipp: mit nur 600 ml Wein ist man auf der sicheren Seite und erhält eine schöne dickflüssige Konsistenz, wenn man, wie im Rezept vermerkt, die Flüssigkeit über Nacht in den Kühlschrank stellt.
      Wem der Geschmack (das hängt auch stark vom jeweiligen Wein ab) zu weinig ist, sollte beim nächsten Mal den Wein mit Wasser oder Apfelsaft verdünnen.

  2. Katharina

    Liebe Julia, der Dietmar ist gerade im Urlaub, deswegen helfe ich mit der einen Antworte, bzgl Fruchtgelee muss ich Dich um Geduld bitten.
    Ich finde die Anschaffung lohnt, denn eigentlich geniessen wir ja noch in den Oktober hinein die Sommergaben. Streng genommen kann man natürlich auch im Winter daraus kochen, denn bei uns gibt es ja immer alles. Ich finde es ist ein zeitloses Werk, das man jeden Sommer gerne in die Küche holt. Also, kurz: ein dickes Ja! 🙂

  3. Julia

    Das klingt herrlich! Handelt es sich denn ausschließlich um Rezepte mit Sommerzutaten? Oder lohnt eine Anschaffung auch jetzt noch? Und: Verrätst Du das Verhältnis Weißwein : Gelatine für das Fruchtgelee?

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