Kochbuch: Landfrauen Brunch

Kochbuch: Landfrauen Brunch ★★★☆☆

Landfrauen Brunch
Fona Verlag (2011)

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Vor einigen Jahren schwappte die Brunch-Welle hoch. Erstaunlicherweise folgten in der Gischt nur wenige Kochbücher. Dabei gibt es hier echte Passionierte, die sicherlich zu gerne selber Hand in der Küche anlegen würden. Dass die kulinarische Jung-Institution bereits die Landfrauen erfasst hat, war mir neu. Umso neugieriger war ich auf ihre Interpretation der städtischen Angewohnheit des langen Schlafens und späten ausgiebigen Frühstücks. Andrea, Foodbloggerin Juliane und Martina haben sich die Zeit genommen und die Rezeptsammlung in ihren Küchen ausprobiert. Jede von ihnen probierte mindestens 3 Rezepte aus und hielt für Valentinas ihre Eindrücke fest. Meinen Dank an Euch!

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

landfrauenIch koche seit ungefähr meinem 15. Lebensjahr mal mehr, mal weniger. Mal mehr Alltags-Spaghetti, mal bewährte Lieblingsrezepte und immer wieder und immer öfter regelrechte Menufolgen, Menus für eine große Runde Freunde, eigene Rezepte und sehr gerne neue, unbekannte Gerichte. Als Kind habe ich schon immer meiner Mutter beim Kochen in die Töpfe geschaut und beim Backen geholfen und natürlich – der Klassiker unter den Kindern;-) Teig genascht!

Kochbücher benutze ich vor allem als Inspiration und auch als „Unterhaltung“. Meist lese ich Kochbücher von vorne nach hinten, wie einem Roman, als Genuss, als Feierabendlektüre. Wenn ich Anregung zum Kochen und Backen suche, blättere ich meist nur durch, lasse mich von den Bildern und den Zutaten inspirieren – nur in den seltensten Fällen halte ich mich dann allerdings an das Rezept. Ich koche nach dem, was ich mir vorstelle. Es sei denn, ich möchte bestimmte Gerichte lernen, dann koche ich ganz gezielt nach Rezept.

landfrauenGut und gerne gegessen habe ich schon immer. Meine Leidenschaft fürs Selbstkochen habe ich aber erst mit Anfang 20 entdeckt. Seit ungefähr 8 Jahren koche ich sehr gerne und fast täglich. Seit knapp drei Jahren betreibe ich zudem meinen Foodblog Schöner Tag noch!
Kochbücher sind für mich eine weitere Rezept- und Inspirationsquelle neben Foodblogs und Kochzeitschriften, wobei Blogs und Zeitschriften für mich wichtiger sind als Kochbücher.
Ich koche meist recht genau nach Rezept, außer es sind Zutaten enthalten, die ich nicht mag, die ich beim Einkaufen nicht bekommen habe oder die gerade keine Saison haben.

landfrauenIch habe schon als Jugendliche angefangen zu Kochen, zusammen mit meiner Mutter und meiner Großmutter. Mit meiner Großmutter, die Fränkin war, habe ich deftige Hausmannkost gekocht und mit meiner Mutter die italienische Küche und natürlich auch die schwäbische Küche. Da ich ja in Schwaben wohne. Als ich dann mein Elternhaus verlassen habe, ging es so richtig los! Dazu kam, dass mich eine Kollegin, mittlerweile sehr gute Freundin sehr inspiriert hat was Kochbücher angeht. Da sie eine leidenschaftliche Köchin und Kochbuchsammlerin ist und die französische und orientalische Küche zelebriert. Seitdem ich diese Frau kenne, habe ich mich mit dem Kochbuch-Sammel-Fieber angesteckt. Diese Leidenschaft bringt uns sogar dazu, von Reisen diverse Kochbücher mit nach Hause zu bringen. Ich koche sehr viel nach Rezepten, das heisst ich benutze jeden Tag mindestens ein Kochbuch.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

landfrauenMein erster Eindruck war sehr positiv: Ansprechende Bilder, die Lust auf einen gemütlichen Sonntag mit Freunden machen, vielfältige Rezept-Gruppen und eine Einteilung, die für jede „Produktgruppe“ eines Brunchs Rezepte aufweist. Sehr gut gefallen hat mir, dass am Anfang auch Kaffee-„Rezepte“, Drinks und auch ein längerer Text zu Kaffee und seiner Bedeutung für den Brunch aufgeführt sind.

Der zweite Eindruck, als ich die Rezepte genauer las, war dann nicht mehr so gut: Die Rezepte wirken etwas zusammengewürfelt, es gibt keine Erklärungen zur Auswahl, Einordnung und Zusammenstellung der Gerichte und vor allem auch keine Erläuterung mancher, meiner Meinung nach sehr erklärungsbedürftigen Zutaten, wie etwa Baumnüsse – es sei den man ist Schweizer Nationalität. Ebenfalls vermisst habe ich Informationen über die Bezeichnungen der Gerichte, etwa wie es zu dem Namen Tatsch für ein Gericht aus Pfannkuchen und Speck kam. Eine Übersicht zu Anfang der Rezepte, aus der man entnehmen kann, ob das Gericht ein Vollkorngericht ist oder ein Drink Alkohol enthält, fehlt ebenfalls. Schade fand ich auch, dass nirgends etwas mehr zu den Autoren, den Landfrauen, beschrieben war.

landfrauenDen Titel „Landfrauen Brunch“ fand ich zunächst etwas merkwürdig. Er erklärt sich dann aber daraus, dass einige Rezepte aus dem Buch von den Aargauer Landfrauen aus der Schweiz stammen. Die Aargauer Landfrauen kommen außer im Vorwort leider im ganzen Buch nicht mehr vor – schade! Dafür wird Brunchen im Vorwort als „recht junge gesellschaftliche Erfindung“ bezeichnet und in mir wachsen erste Zweifel, ob die Aargauer Landfrauen die richtigen Ansprechpartner für Brunchrezepte sind?

Beim ersten Durchblättern entdecke ich viele Gerichte, für die ich eigentlich kein Rezept brauche (z.B. Latte macchiato), aber auch viele ansprechende Rezepte wie einen Aprikosenkuchen oder eine Pflaumen-Nuss-Konfitüre. Die Rezepte sind leider nicht alle bebildert. Beim Studieren der Zutatenlisten bin ich teilweise über mir unbekannte Schweizer Bezeichnungen wie Kabis (Weißkohl) oder Gschwellti (Pellkartoffeln) gestolpert, die leider auch nirgends erläutert werden. Die Unterteilung der Rezepte in Kapitel wie Drinks, Aufstriche, Brot&Brötchen, Nahrhaftes macht das Buch übersichtlich.

landfrauenDie ersten Eindrücke beim Stöbern waren ,dass es mich schon sehr angesprochen hat, obwohl das Thema Brunch bei mir eigentlich kein so großes Thema ist. Dennoch habe ich mich davon anstecken lassen und werde demnächst einen Geburtstags- und einen Segler-Brunch veranstalten. Die Rezepte erschienen mir auf den ersten Blick recht simpel und ohne diese ellenlangen Zutatenlisten, was ja wenn man einen Brunch veranstaltet ein positiver Aspekt ist. Da man ja möglichst viele verschiedene Dinge zubereiten möchte und dann ist es schon toll, wenn die Zubereitung relativ schnell von der Hand geht.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

landfrauenIch habe vor allem die süßen Rezepte ausprobiert, da ich selbst und auch meine Familie, die zumeist als Versuchskaninchen herhalten musste, eher lieber süß frühstückt als herzhaft und ich für einen Brunch die herzhaften Rezepte zu schwer und gehaltvoll fand.

Ich habe die Zitronenmuffins, das Müsli, die Glarner Krapfen und den Mascarpone-Schaum ausprobiert und fand alle drei recht lecker, aber interessant vermutlich vor allem für Koch- bzw. Backanfänger, da es sehr einfache und bekannte Rezepte waren.

Mein Lieblingsrezept war – wider Erwarten – der Mascarpone-Schaum mit Erdbeeren. Erst fand ich dieses Rezept eher langweilig, war aber dann vom Geschmack und der Kombinierbarkeit angetan und habe das inzwischen für mehrere Desserts und auch schon als Kuchenfüllung verwendet. Ich habe allerdings mehr Zucker verwendet und eine Prise Salz, dann war der Geschmack runder. Toll fand ich diesen Schaum auch als Kombination mit selbstgebackenen Baisers und Brombeerpüree, als eine Art abgewandeltes „Eton Mess“.

Ebenfalls sehr lecker waren die Zitronenmuffins, aber auch hier wieder ein recht einfaches Rezept, das sehr gut funktioniert hat, jedoch keinerlei Überraschung oder raffiniertes Extra aufwies. Die Muffins wurden schön locker und saftig, aber vom Geschmack fast etwas langweilig.

Das Knuspermüsli mit Beeren hat mich gleich verlockt, weil ich knuspernde Flocken und auch Johannisbeeren sehr gerne mag. Die Erdbeer-Honig-Magerquark-Mischung fand ich auch sehr lecker, allerding ist die Bezeichnung Knusper“ für ein Müsli mit eingeweichten und unter den Quark gerührten feinen Haferflocken und lediglich untergemischten Cornflakes als einziges Knuspermoment etwas fehl am Platze. Ich habe deshalb kurzerhand noch ein paar Haferflocken mit einer Art Karamell etwas geröstet. Dann fand ich die Kombination aus Erdbeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren, knusprigen Haferflocken und Cornflakes mit einer cremigen Quark-Honigbasis sehr lecker.

Dann habe ich noch die Glarner Krapfen ausprobiert, die ich sehr gut fand- aber als Abendessen mit einem grünen Salat gegessen habe. Besonders hat mich dabei die Kombination aus Kartoffeln und Mascarpone interessiert, da ich das so noch nie gemacht oder gegessen habe. Bei diesem Rezept war ich begeistert von dem Würzigen des Schabziger Käses und des Parmesans in Kombination mit der cremigen, eher neutralen, leicht süßlichen Mascarpone und den Kartoffeln in einer knusprigen Blätterteighülle und der frischen Schärfe des Schnittlauchs. Es war allerdings nicht ganz einfach, nach einer Google-Recherche, was Schabziger ist, diese würzige, aus einer Gärung entstandene Käsespezialität aus der Schweiz, aufzutreiben.

landfrauenHeidelbeerquark
Ich habe die Heidelbeeren durch Erdbeeren ersetzt, da diese gerade Saison hatten. Leider gab es keine Angaben, welcher Quark zu verwenden ist, ich habe dann den mit 20% Fett genommen. Außerdem wusste ich nicht, was mit der Zutat „Vanillepulver“ gemeint war. Nach etwas Googlen habe ich dann von einer ¼ Vanilleschote das ausgekratzte Mark verwendet. Das Ergebnis war schön frisch und lecker.

Erdbeer-Honig-Butter
Dieser Aufstrich war geschmacklich zwar in Ordnung, konnte mich aber nicht überzeugen. Da reiche ich Butter und Erdbeermarmelade lieber separat. Optisch hatte meine Erdbeer-Honig-Butter nichts mit der Abbildung im Buch gemein, obwohl ich genau nach Anleitung vorgegangen bin.

Zucchinirösti
Das Rösti mit geraspelten Zucchini, Käse, Frühlingszwiebeln, Eiern und Schnittlauch fand ich als herzhaften Snack sehr lecker. Allerdings frage ich mich, wie ich das Rösti ansprechend bei einem Brunch anbieten könnte.

landfrauenIch habe ausprobiert:

Erdbeer-Honig-Butter
Fand ich klasse! War sehr einfach in der Zubereitung. Schmeckt eigentlich so, wie wenn man Butter und Erdbeer-Marmelade auf das Brot streicht, nur ist es eben ein Aufstrich.

Thunfisch-Basilikum-Butter
War auch sehr gut, wobei ich keinen geräucherten Thunfisch bekommen habe,
sondern einfach den Thunfisch aus der Dose verwendet habe. Diese Idee generell mit diesen “aromatisierten” Buttern ist einfach umwerfend, superleicht zu machen und schmeckt grandios.

Zitronenmuffins
Das Ergebnis waren supersaftige Zitronenmuffins, die irgendwie so “echt” schmeckten! So zitronig! Wie man es von einer Landfrauenküche auch erwartet, frische und gesunde Zutaten, die diesen natürlichen Geschmack transportieren.

Zucchini-Frittata
Hat mich ein bisschen enttäuscht, da im Rezept nicht ein bisschen Salz angegeben war und ich mich natürlich sehr genau an die Rezepte gehalten habe. Deswegen fand ich das ein bisschen fade.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

landfrauenDie Optik fand ich insgesamt ansprechend. Freundliche Bilder, einladend gedeckte Tische, deren Dekoration an einen gemütlichen Sonntag in einem Landhaus denken lässt. Die Texte sind vom Layout gut strukturiert und leicht lesbar, auch die Einteilung in Drinks, Aufstriche, Brot, Süsses etc. ist sehr benutzerfreundlich.

landfrauenDas rechteckige, handliche Format gefällt mir. Das Buch hat eine praktische Größe und bleibt an der aufgeschlagenen Stelle offen, was ich immer wichtig finde. Die Gesamtoptik des Kochbuchs finde ich etwas bieder. Die Stimmungsaufnahmen sind in der immer gleichen Szenerie (Tisch vor einem weißen Buffetschrank) fotografiert, was mit der Zeit etwas langweilig wirkt und zudem hindekoriert wie in einem Deko-Geschäft aussieht. Dadurch kommt keine so richtige einladende Brunch-Stimmung auf. Und leider sind auch nicht alle Rezepte bebildert.

landfrauenDie Optik des Buches gefällt mir, passt zum Thema. Das Buch ist zurückhaltend und sehr übersichtlich gestaltet. Es gibt sehr viele Fotos, nicht zu jedem Gericht aber zu fast jedem und das finde ich sehr gut. Ich brauche immer unbedingt viele Fotos, um mich inspirieren zu lassen und dass ich einfach weiss, wie es mal aussehen soll.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

landfrauenEin sehr ansprechendes, vor allem durch die Bilder inspirierendes Kochbuch, das Lust auf einen faulen Sonntag mit Freunden macht. Die zum Teil fehlenden Informationen zu den Rezepten und den Zutaten schwächen den insgesamt positiven Eindruck leider etwas ab. Ich persönlich hätte mir auch einige Grundlagenrezepte und dann mehr Rezepte mit einem Überraschungsmoment, etwas Neues etc. gewünscht, aber für Leser und Kochwillige, die unkomplizierte und gut schmeckende Gerichte suchen, die leicht nach zu kochen oder zu backen sind, ist das Buch meiner Meinung nach sehr gut geeignet. Und das nicht nur, wenn man vorhat, einen Brunch auszurichten, sondern zum Beispiel auch, um Anregungen für das tägliche Frühstück zu bekommen, einen Sonntagskuchen zu backen oder wenn man ein Rezept für ein herzhaftes Abendessen sucht.

landfrauenIch hätte mir mehr Persönlichkeit für dieses Kochbuch gewünscht, also Fotos und ein paar Hintergrundinformationen zu den Aargauer Landfrauen. Abwechslungsreiche Stimmungsfotos z.B. von brunchenden Personen an einem schön gedeckten Tisch hätten das Buch auch aufgewertet. Schön wären auch Anregungen zur appetitlichen Präsentation der einzelnen Speisen z.B. auf einem Brunchbuffet gewesen, das fehlt in diesem Buch komplett. Mein Fazit daher: Einzelne Rezepte sind ansprechend, das Gesamtkonzept überzeugt mich aber nicht. Ich würde mir das Buch nicht kaufen.

landfrauenAlles in allem ein gelungenes Exemplar. Ganz nett ist auch am Anfang des Buches die kleine Erklärung über den Brunch. Und die Kaffeegeschichte finde ich auch ganz toll mit dieser hübschen Technik, dem Capuccino ein Muster verpassen zu können. Klappt prima, wie bei einem echten Barista. Ein klitzekleines Manko waren ein paar Zutaten, die schwierig oder gar nicht zu bekommen sind sowie ein paar Ausdrücke, die anscheinend typisch schweizirisch sind. Aber ansonsten ein echt prima Kochbuch, mit gesunden und leckeren Rezepten für jeden Geschmack und jede Jahreszeit, das man für alle Anlässe benutzen kann, nicht nur für Brunch.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2011

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