Kochbuch: Kräuterküche, Zauberhafte Rezepte von den Siefersheimer Kräuterhexen

Kochbuch: Kräuterküche, Zauberhafte Rezepte von den Siefersheimer Kräuterhexen ★★☆☆☆

Kräuterküche: Zauberhafte Rezepte von den
Siefersheimer Kräuterhexen, Fotos D. Roos, Tre Torri Verlag (2010)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Simone Brokmeier

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Von Basilikum und Rosmarin, die man in jedem Supermarkt bekommt, bis zu Gänsefuß vom Wegrand und dem Unkraut Giersch im eigenen Garten reicht die Bandbreite dieses kleinen Buches, das uns die „Siefersheimer Kräuterhexen“ präsentieren. Ein Spagat des Geschmacks aber auch der Kräuterkunde. Kann das gelingen?

Seit Kindertagen interessiere ich mich für die (Un-)Kräuter, die bei uns im Garten wuchsen oder die ich bei den sonntäglichen Spaziergängen gefunden habe. Mittlerweile verfügt unser Garten über ein eigenes Kräuterbeet und dutzende Töpfe – für neue Rezeptideen rund um das Grünzeug bin ich also immer sofort zu haben. Das vorliegende Buch hat mich dann aber doch ein wenig ratlos werden lassen.

Auf 160 Seiten werden in zwanzig Kapiteln die verschiedenen Kräuter kurz in einem Steckbrief vorgestellt. Dann folgen jeweils fünf Rezepte und dazu gibt es eine „Hexeninfo“ oder –Anekdote. Auf jeder Seite finden sich ein oder zwei Rezepte, dazwischen sieht man die drei Autorinnen beim Kräutersuchen oder in der Natur. Die Fotos der Pflanzen sind fast puristisch: nur ein Zweig oder gar Blatt auf weißem Grund, auch die Food-Fotos –klar und schnörkellos.

Nach den ausprobierten Rezepten und dem Stöbern bleibt jedoch die Frage: Reicht die Information aus? Wo will das Kochbuch eigentlich hin? Für wen ist es gedacht? Denn jemand, der sich an Kräuter erst herantastet, braucht für Klassiker wie das Tomate-Mozzarella mit Basilikum-Rezept von Seite 15 bestimmt kein Kochbuch, schon gar nicht ein „Hexenkochbuch“.

Abenteuerlustige wie ich, die sich beispielsweise auch auf Knoblauchrauke einlassen möchten, werden zwar inspiriert, aber bei der ersten Suche alleine gelassen. Es gibt, gut angedacht, den Steckbrief, aber mit seiner Hilfe habe ich dieses Gewächs nicht am Wegesrand gefunden. Erst nachdem ich andere Bücher dazu konsultiert habe, wurde ich fündig. Übrigens siehe da: dieses Gewächs, auch „Gemeines Lauchkraut“ genannt, wächst bei uns vereinzelt neben der Straße (und en masse auf dem Berg zu Schloss Neuschwanstein)! Nur, mit diesem Buch allein kann man die Kräuter nicht identifizieren. Klare, schnörkellose Fotos sind wunderschön – aber hier hätte ich mir mehr Mut zum Detail gewünscht.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass man insgesamt mehr Courage hätte beweisen können: wenn mich ein Buch von Hexen anspricht, dann will ich auch deren Hintergrundwissen, die Sinnlichkeit der Gerüche und Geschmäcker erfahren können, detailliertere Angaben über die Pflanze, die Herkunft, die Anwendung – einfach mehr Tiefe, mehr Persönlichkeit, Authentizität. Dagegen verstecken sich hinter den „Hexentipps“ hier Banalitäten wie „die Quiche kann lauwarm oder kalt gereicht werden“ oder „ durch die Stärke der Kartoffeln wird die Suppe leicht sämig“. Dazu brauche ich keine Hexe konsultieren, das weiß jeder, der selbst kocht und nicht nur Tütchen aufreißt. So bleibt das Konzept etwas unentschlossen und für mich nicht ganz überzeugend, darüber können auch die Anekdoten, etwa dass Brennesseln die Liebe entfachen sollen, bestimmt nicht hinwegtrösten.

Dennoch, die ausprobierten Rezepte sind alle gut und funktionieren auch, aber Begeisterung für ein Buch sieht eben doch anders aus.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z