Kochbuch: Kochen lernen – Schritt für Schritt

Kochbuch: Kochen lernen – Schritt für Schritt ★★★★☆

Kochen lernen: Schritt für Schritt mit mehr als 1000 Fotos und über 300 Rezepten
Dorling Kindersley Verlag (2011)
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Janina

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Kochen lernen ist ein Buch, das viel will. Es will Kochanfängern Hilfestellungen bieten, aber auch Routineköche nicht langweilen. Es will einer Mutter mit einer halben Stunde Zeit genauso Rezepte anbieten wie einem gut verdienenden Single, der Lust hat, einen Abend aufwändig zu kochen oder Gäste einzuladen. Schnell voreingenommen könnte man sagen, hier fehlt der rote Faden. Stimmt auch, stört aber nur diejenigen, die unter Kochen Lernen eine klassische Kochschule für Anfänger erwarten.

Als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt, wollte ich es gleich wieder weglegen. Gelb- und orangefarbenes Besteck zieht sich über das Cover und erinnert mich an furchtbare Tapetenmuster der 70er Jahre. Auch die Fotos überzeugen mich auf den ersten Blick nicht: Die Gerichte auf einer groben Tischdecke oder einem grauen Resopaltisch angerichtet, wirken oft plump, so vordergründig sind sie fotografiert, ohne Weichzeichner oder besonderer Beleuchtung. Beinahe wie die Fotos in Fast-Food-Restaurants. Ja, Liebe auf den ersten Blick war das nicht.

Klingt stark nach einem Aber? Stimmt! Beim vorsichtigen Blättern und anschließenden Ausprobieren bin ich verblüfft: Hier steckt ein durchdachtes Konzept dahinter, das mir Lesen und Kochen zur Freude werden lässt.

Auf den ersten beiden Seiten finde ich zum Beispiel eine Übersicht zu Löffelmaßen, Haltbarkeit von Lebensmitteln sowie eine Gartabelle für Fleisch anhand derer ich mir z.b. ausrechnen kann, wie lange mein Rindfleisch im Ofen schmoren muss, wenn ich es noch blutig haben will.

Auch der sich anschließende Menüplaner ist klasse. Stolze 22 Seiten umfasst er und sorgt mit Fotos und Seitenzahlen dafür, dass ich in Null Komma Nix ein Menü zussammengestellt habe. Wenn ich mich nur entscheiden könnte, ob Vorspeise und Hauptspeise vegetarisch sein sollen und anschließend ein kaltes Dessert oder doch lieber als ersten Gang Huhn oder Fisch und zur Nachspeise etwas Heißes…? Die Rezepttitel – Gefüllte Weinblätter, Quiche Lorraine, Süßsaure Ente mit Kirschen oder Crème brulée mit Zimt und Orange – erschweren mir die Entscheidung zusätzlich, so lecker klingen sie.

Endgültig begeistert beginne ich, die Kapitel durchzublättern. – „Vorspeisen und kleine Gerichte“, „Salate“, „Kochen ohne Fleisch“, „Alles aus einem Topf“, After-Work-Küche“, „Kochen für Gäste“, „Herzhafte Seelenwärmer“, „Brot backen“, „Kuchen, Pies und Tartes“ und zum Schluss noch „Umwerfende Desserts“ – da habe ich ganz schön was zu tun, wenn ich das Buch komplett durchkochen will. Für einen ersten Eindruck aber reichen wohl fünf bis sechs Rezepte.

Das erste Rezept ist dann bei allen Entscheidungsnöten doch schnell gewählt: vegetarisch muss es sein, also „Kochen ohne Fleisch“. Die Auberginen-Röllchen bieten sich an. Die Zutatenliste ist übersichtlich und auch die Zubereitungszeit hält sich in Grenzen. Perfekt. Zwar fiel die Ricottafüllung bei mir als zu gering aus, aber es klappt und wohliges sattes Schweigen meiner Gäste belohnt mich nach dem Essen.
Je mehr Rezepte ich nachkoche, desto überzeugter bin ich von dem Kochbuch: Alle Rezepte sind verständlich erklärt und die Ergebnisse richtig lecker.
Zwar sind die Zutaten manchmal etwas kostspielig, aber die Investition lohnt sich und wer nicht so viel Geld in Rinderfilet investieren will, dem wird sogar Ersatz vorgeschlagen.

Äußerst hilfreich für Kochnovizinnen sind die jeweils zwei bis drei Step-by-Step Fotos, die die Rezepte begleiten. Aber auch für Routineköchinnen ist der ein oder andere gezeigte Kniff interessant, zum Beispiel die Kunst des Sushirollens.
Der Vorteil der Fotos ist allerdings auch gleich ein Nachteil. Auf einer Doppelseite, manchmal sogar nur auf einer Seite, tummeln sich eine kurze Einleitung zum Rezept, die Zutatenliste, bis zu vier Fotos und der Text zur Zubereitung. Hier stellt sich die Frage, was eine höhere Priorität verdient: Die Fotos oder der Text? Der DK-Verlag löst dieses Problem, indem er den zu den Fotos passenden Text in die Bilder hineinschreibt. Eigentlich sinnvoll, weil ich das Bild sofort mit dem Text verbinden kann und nicht extra suchen muss, wohin es gehört. Aber gleichzeitig unpraktisch, denn wenn ich schnell nacheinander erst kochen und dann weiterlesen muss, weiß ich nicht mehr, an welcher Stelle ich aufgehört habe. Unten links? Oben rechts? Und so suche ich immer wieder von Neuem meinen nächsten Schritt.

Das sind aber Kleinigkeiten, die kaum ins Gewicht fallen. Die Vielseitigkeit und der Geschmack der Gerichte überzeugen mich. Hier finde ich für jeden Anlass etwas. Und dank dem Menüplaner habe ich die passenden Rezepte gleich zur Hand, egal ob ich ein Geburtstagsfest vorbereite oder meine mäkelige Oma kommt. Dafür nehme ich auch die etwas gewöhnungsbedürftige Kochanleitung gern in Kauf.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2012

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