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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 22, 2017

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Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Täglich vegetarisch ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall:  Täglich vegetarisch
Rezension

Täglich vegetarisch – Die schönsten Rezepte aus dem River Cottage
Hugh Fearnly-Whittingstall, Fotos Simon Wheeler, AT Verlag 2013
Mehr über den Kochbuch-Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Annick Payne Von

Schreiben Fleischesser die besseren vegetarischen Kochbücher? Nach Ottolenghi beweist auch Hugh Fearnley-Whittingstall: sie schreiben keine schlechteren. Knapp 1,4 kg Kochbuch liegen neben mir, auch inhaltlich ein Schwergewicht im besten Sinne. Als langjähriger Fan erkenne ich gleich: dies ist ein typischer Fearnley-Whittingstall. Klares Design, wunderschöne Fotos von Simon Wheeler. Das erste Blättern gefällt, leise und unaufdringlich, je mehr man sich auf die gut 200 Gemüserezepte einlässt, um so mehr Ansprechendes findet man. Spätestens beim Kochen springt der Funke endgültig über. Und einige Tage später kann ich dies großartige Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ach Huggie, schön, dass Du zurück bist!

Es fing für den Autor alles eher unrühmlich an: Hugh Fearnley-Whittingstall verlor sein Stelle als Koch im Londoner River Café, weil er zu chaotisch und langsam arbeitete. Er sattelte zum kulinarischen Journalisten um, und schreibt auch heute noch regelmäßig für den Guardian. Seit Jahren engagiert er sich als unbeugsamer Streiter für saisonale, ethisch hergestellte Lebensmittel. Seine gegenwärtige Kampagne Hugh’s Fish Fight zielt gegen eine EU Richtlinie, aufgrund derer etwa die Hälfte aller in der Nordsee gefangenen Fische tot über Bord geworfen werden müssen.

Als Fernsehmoderator feiert Hugh ebenfalls Erfolge, v.a. als Hauptdarsteller der “River Cottage” Serie (Video, siehe unten), die ihn dabei begleitet, sich als Selbstversorger im ländlichen Dorset zu etablieren. Idylle pur, die aber durch die Fernsehserie sicherlich finanziell abgesichert war. So kann man sich das Aussteigerleben gefallen lassen! Mitterweile ist das kleine River Cottage zu einem nicht unbeträchtlichen Unternehmen herangewachsen, zu dem u.a. eine Kochschule und zwei Themenrestaurants gehören. Einen spannenden Einblick gewährt der Reisebericht der deutschen Bloggerin Claudia, die dort zu Besuch war (Tag 1; Axminster Canteen).

Nach Themenkochbüchern zu Fisch und Fleisch nun also ein vegetarisches Kochbuch, denn wer, fragt der Autor, laufe schon Gefahr, zu viel Gemüse zu essen? Meist ist das Problem doch eher, dass einem allzubald die Ideen ausgehen. Aber hier wird Abhilfe geschaffen. Die Auswahl ist überwältigend, zu vielen Rezepten gibt es Varianten, meine Nachkochliste sprengt jeden vernünftigen Rahmen. Zum Glück bin ich ein Morgenmuffel, oder ich würde schon zum Frühstück aus diesem Buch kochen. Scherz beiseite, dieser Band hat mein Herz im Sturm erobert. Hier ein kleiner, völlig subjektiver Vorgeschmack: chinesischer Nudelsalat mit Gurken, Bohnen und Erdnüssen; Ziegenkäsegnocchi; Kopfsalat-Frühlingszwiebel-Käse Tart; Lauchrisotto mit Kastanien; Vegeree; Dinkelrisotto mit Grünkohl und Ziegenkäse; Ofenkartoffeln und -auberginen; Tarte Tatin von Roter Beete; Kürbiskuchen; Mangold-Kartoffel Curry.

Die Buchkapitel sind themenorientiert, beispielsweise “Wohlfühlessen”, “Rohkost”, “Brotlastiges”, “Gegrilltes” oder “Beilagen”. Ich lese und kombiniere querbeet und sehe mich schon in Zukunft im Register die ein oder andere Zutat nachschlagen, für die ich Ideen suche. HFW schreibt, dass sich das Essverhalten seiner Familie durch die Arbeit an diesem Kochbuch stark verändert hat, wo früher große Hauptgerichte auf dem Tisch standen, findet man heute immer öfter viele kleine, vegtarische Gerichte. Das kann ich nur bestätigen, selbst ohne dies zu planen, verfällt man leicht in eine Mezze-artige Esskultur: kleine Reste früherer Mahlzeiten werden um neue Gerichte ergänzt. Eine tolle Art, zu kochen und sogar naschbar – kleinere Überbleibsel verdünnisieren sich in der Küche ganz von alleine. Übrigens lassen sich aus diesen Resten großartige, vielfältige Mittagessen zum Mitnehmen zaubern (hilfreich: eine japanische Bentobox mit abgetrennten Fächern). Im Anhang gibt HFW noch einige Tipps zum Vorbereiten einer Lunchbox. Eine echte Bereicherung für den Familienalltag.

Der Clou aller HFW Kochbücher ist nämlich, dass die Rezepte unheimlich alltagstauglich sind. Vieles ist eher einfach, doch immer lecker, ganz selten lässt sich mal kritisieren, dass etwas unnötig kompliziert ist. Oft dagegen lernt man durch einfaches Ausprobieren eines Rezeptes den ein oder anderen Kniff hinzu. Die Gerichte sind bodenständig, ohne langweilig zu sein, für mich eine sehr gelungene Alltagsküche. Wenn sich nicht bald ein deutscher Verlag erbarmt, kann ich nur dazu raten, fleißig Englisch zu lernen – es lohnt sich!

PS. Mich hat die folgende – leicht unfaire – Frage stets begleitet: Ottolenghi oder Fearnley-Whittingstall? Aus ganzer Überzeugung antworte ich “beide”, denn sie bieten ganz Unterschiedliches. Erstaunlich, aber auch bereichernd, wie wenig Schnittpunkte es hier gibt.

Nachgekochte Rezepte:

Erbsen-Minzeis
Woher kommen nur die Vorurteile gegen Gemüseeis? Es spricht so viel dafür: leicht süßliche Gemüsesorten gibt es schließlich in den tollsten Farben! Das Erbseneis hat einen umwerfenden Grünton, es schmeckt süß mit einem zarten Hauch von Erbse und Minze, die pürierten Erbsen geben etwas Biss. Sehr zugänglich, wenn man sich traut zu probieren. Konnte leider niemand anderen dafür gewinnen, aber mir schmeckt’s.

Rote Beete-Schokoladeneis
O ja! Nicht überzeugt? Ein Gedankenspiel: Zartbitterschokolade und Kirschen – lecker, oder? Nun das Ganze etwas weniger süß und leicht erdig, und schon ist man beim Rote Beete Eis gelandet. Meines war etwas dunkler als im Foto, geschmacklich hat die Schokolade dominiert, die Rote Beete bot einen wunderbar harmonischen Unterton. Herber und vielschichtiger als das Erbseneis, unser Favorit.

Kichererbsen-Mangoldeintopf
Getrocknete Steinpilze, Rosmarin und Tomaten geben diesem Eintopf Tiefe und eine mediterrane Note. Ein Hit mit geriebenem Parmesan.

Ofengetrocknete Tomaten
Ein Rezept der Kategorie: warum habe ich vorher nicht gewusst, wie einfach man so etwas selber machen kann? Geschmacklich: umwerfend!

Radieschen mit Butter und Fleur de Sel
Ein Teller frischester Radieschen, die erst in Butter, dann in Fleur de Sel gedippt werden – herrlich! Selbst die Kinder konnten nicht genug davon kriegen. Aus dem übrig gebliebenen Grün machen wir heute Abend dieses Pesto.

Shaved Summer Veg
Hauchdünne Rohkostscheiben mit einer Honig-Senf-Vinaigrette: hat das Zeug, Salatmuffel umzustimmen. Wer wie vorgeschlagen rote Beete verwendet, sollte sehr vorsichtig mischen, damit nicht alles rosa wird.

Bohnen mit Estragon und Zitrone
Eine interessante neue Methode, Bohnen zu kochen. Überzeugend.

Pastinaken-Ingwer-Suppe
Bislang habe ich nicht viel von Pastinaken gehalten – aber nun! Für Gelegenheitsvegetarier auch sehr lecker mit gebratenem Speck.

Spinat-Thymian-Pastetchen
Eines können die Engländer ganz wunderbar: Pasteten aller Art. Diese kleinen Teigtaschen waren “absolutely fabulous”. Und leider viel zu schnell alle weg.

Vegetarisches Biriyani
Lecker, aber das Rezept erscheint mir unnötig kompliziert. Kann gut und gerne um mindestenes eine halbe Stunde Kochzeit und einen Topf gekürzt werden.

Selbstgebaute “Heiße Tasse”
Nettes Konzept, einfachste Zubereitung. An einem kalten Tag mag dies ein echter Seelentröster sein. Auf den Brühwürfel habe ich verzichtet, dafür kräftig gesalzen. Eine anständige kleine Brühe, frischer und ohne Frage besser als das Vorbild. Ich rate zu Nudeln, die man nur überbrühen muss, beispielsweise aus dem Asialaden. Meine Fadennudeln hatten eine etwas eklige Konsistenz. Ausbaufähig.

Dal
So fix kann man indisch kochen. Ein paar “pickles” und Reis dazu, fertig ist die einfachste aller indischen Mahlzeiten. Ganz alleine wärs mir etwas zu eindimensional, aber mit scharf-sauer Eingelegtem oder einem weiteren Currygericht, ganz toll.

Nudeln mit Kohl, Knoblauch und Chilli
Kohl in meiner Gemüsekiste führt typischerweise zu einem gequälten Griff ins Kochbuchregal. Für dieses Rezept würde ich sogar “absichtlich” Kohl kaufen; schnell, lecker und voller Vitamin C. Der Winter darf kommen.

Geschrieben im März 2013