Kochbuch Heston Blumenthal at home (engl.)

Kochbuch Heston Blumenthal at home (engl.) ★★★★★

Heston Blumenthal at home
Heston Blumenthal, Fotos A. Moore, Bloomsbury Publishing (2011)

Sabine Cikic

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Heston Blumenthal at home ist einfach unglaublich! Unglaublich verrückt, unglaublich genial, unglaublich informativ und unterhaltsam. Unglaublich anspruchsvoll und herausfordernd, aber auch unglaublich lehrreich, ohne zu nerven. Ich kann mich kaum entscheiden, ob ich dieses Buch lieber lese, oder daraus koche. Beides macht unglaublich glücklich.

Heston Blumenthal, selbst schon Legende, genau wie sein berühmtes 3-Sterne-Restaurant The Fat Duck, hat sich einer großen Aufgabe gewidmet: er will uns allen zeigen, wie wir uns zu Hause an unseren heimischen Herden in ganz neue Dimensionen kochen können, wenn wir nur mehr verstehen von Geschmacksrichtungen, Texturen und Aromen, wie all das zusammenspielt und wie wir mit mehr oder weniger technischem Aufwand oder auch nur ungewohnten Zubereitungsschritten selbst klassische Gerichte, die wir vermeintlich gut kennen, zu überraschend anderen Ergebnissen bringen können. Das hat gar nichts mit Zauberei zu tun, sondern wird von Blumenthal dabei so grundlegend erläutert, dass keine Fragen offen bleiben.

Das Buch beginnt mit einem ausführlichen Kapitel zum Thema Geschmacksrichtungen. Es folgt ein Kapitel mit verschiedensten Brühen, die die Basis zahlreicher Gerichte sind. Es gibt Vorspeisen, Suppen und Salate, Gerichte mit Fleisch und Fisch, Nudeln und Getreide, Beilagen und Sößchen, Eis, Desserts und Süßes, Kekse und Drinks. Es gibt ein eigenes Kapitel zum Sous-vide-Garen, von dem Blumenthal glaubt, dass es unser modernes Kochen revolutionieren wird, wenn erst in jedem Haushalt ein Sous-Vide-Gerät stehen wird, so wie wir ja auch alle einen Kühlschrank besitzen. Ausführlich erläutert er nach dem Rezeptteil nützliche Haushaltsgeräte und –utensilien sowie unabdingbare Spezialzutaten aus Asien- und Feinkostläden.

Vielleicht kann nur ein Heston Blumenthal, selbst Autodidakt (!), ein Buch wie dieses schreiben. Alles, aber auch wirklich alles wird hier erläutert, zwar knapp, aber immer genau auf den Punkt. Wie wohltuend verglichen mit manch einem deutschen Gastropapst, der dafür sehr viel mehr Worte verwendet hätte. Das hat Blumenthal gar nicht nötig. Das Buch kommt auch so auf über 400 Seiten wunderbar konzentriertes Wissen. Hier wird auch nicht molekular gekocht, sondern teilweise durchaus bodenständige Hausmannskost geboten, niemals jedoch ordinär oder gewöhnlich. Und natürlich gibt es auch raffinierte Rezepte mit nicht alltäglichen Zutaten für besondere Gelegenheiten, richtige Hingucker sind da dabei!

Nichts wird dem Zufall überlassen, selbst Gewürze oder Kräuter werden gewogen. Das mag für manch einen ein Graus sein, aber für alle, die es ganz genau wissen wollen, ist es ein Segen. Es hat aber noch einen weiteren Effekt, und das ist vielleicht das unglaublichste überhaupt an diesem Buch: es wird genau durch diese peniblen Angaben und die exakten Anleitungen zu einem Buch, das man wirklich jedem empfehlen kann, dem blutigen Neuling in der Küche genau wie dem alten Hasen, der glaubt, schon alles gesehen zu haben.

Vielleicht sollte sich der Anfänger nicht gleich das Trockeneis nach Hause liefern lassen, sondern erst einmal mit einem einfacheren Gericht wie der Bagna cauda oder der Pasta Carbonara starten. Und hilfreich ist es in jedem Fall, sich ausreichend Zeit zu nehmen und sich gelassen der Herausforderung zu stellen. Auch ich habe den Fehler gemacht, mir zu viele Rezepte auf einmal aufzuhalsen, um dann mitten im Kochgeschehen festzustellen, dass ich einfach keine Lust mehr habe. Nie hat die Pizza vom Italiener um die Ecke besser geschmeckt, und was haben wir gelacht! Dafür hat dann das Blumenthal-Menü am nächsten Tag, zu Ende gekocht mit der nötigen Ruhe und Aufmerksamkeit, so unglaublich toll und lecker geschmeckt, wie ich es gestresst am Vortag niemals hätte würdigen können. Und nichts anderes hat dieses Buch verdient, Chapeau und Danke, Mr Blumenthal!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2012

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