Kochbuch: Grüner kochen! Weniger Fleisch – mehr Genuss

Kochbuch: Grüner kochen! Weniger Fleisch – mehr Genuss ★★★☆☆

Grüner kochen! Weniger Fleisch – mehr Genuss
Juliana Neumann, Alexandra Medwedeff
Thorbecke Verlag (2013)
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Annahita Aryafar

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Foodblogs – meine große Leidenschaft. Mit einer dampfenden Tasse Tee gewappnet schwimme ich gerne im großen Ozean der mittlerweile unzähligen Blogs. Die rohen Diamanten unter ihnen werden gerne in Buchformat veröffentlicht, was bei mir große Erwartungen weckt. Kann das Autorinnen-Duo Juliana Neumann und Alexandra Medwedeff mit „Grüner kochen“ also auch an ihren Blog-Erfolg anknüpfen?

Die Frage ist prinzipiell schwer zu beantworten, aber lassen Sie es mich erklären: Bei der großen Auswahl an Foodblogs macht es Sinn zu kategorisieren – zumindest für mich. Ich freue mich über solche, die a) durch Fotografien und eine gewisse Raffinesse ihrer Gerichte begeistern können oder die b) dem Alltag eine Brise Leichtigkeit einhauchen und kreativ sind. Die Essenz: Sie müssen einen fesseln und immer zurückkehren lassen. Juliana Neumann und Alexandra Medwedeff sind weder Foodstylisten noch professionelle Köchinnen, sondern junge, freche Damen – man möge mir diesen altmodischen Ausdruck entschuldigen -, die ihren Alltag und ihr Hobby mit uns teilen. Also tendenziell Kategorie b). Ein schönes Bildchen hier, ein leckeres Rezept da und schon freut man sich über den nächsten Blogeintrag.

Gesunde und schnelle Küche und kleine Desaster

Wie auch ihre Blogs fokussiert sich das Buch auf eine gesunde und eher schnelle Küche, die kein besonderes Handwerk oder ausgefallene Zutaten benötigt. Saisonales Gemüse, frisches Obst, wenig, dafür aber gutes Fleisch – praktisch für all diejenigen unter uns, die nach dem Gang über den Wochenmarkt ein einfaches aber appetitliches Essen geniessen möchten.

Das jungmädchenhafte Design des Buchs mit kleinen Kritzeleien und Strichzeichnungen weckte bei mir Erinnerungen an nicht weit zurückliegende Studententage – jaa, auch Studenten mögen es gesund und lecker! Dass nicht nur das Essen aus der Mensa billig und schnell sein kann, beweisen Juliana Neumann und Alexandra Medwedeff mit „Grüner kochen“, mit dem Vorteil, dass es auch noch schmeckt. Die Aufteilung sieht zwar auch Kapitel für jeweils Fleisch und Fisch vor, aber selbst dort findet man Begleiter in Form von Salaten und Beilagen, sodass Fisch eher traditionell freitags und Fleisch als besonderer Sonntagsbraten ihren jeweiligen Auftritt finden.

Dass es nicht eine Kollektion der Best-Of’s ihrer Blogs ist, zeigt die Mischung aus mal simpleren, mal kreativeren und aufwändigeren Gerichten, die den Charakter unterstreichen, dass wenige Zutaten und eben „grünes Kochen“ einfach Spaß bereiten sollen. Persönlich hätte ich kein Rezept zu einem Blattsalat mit Erdbeeren gebraucht, die Angaben zur Zubereitungszeit waren für mich nicht immer stimmig und haben sogar einmal zu einem kleinen Desaster geführt – auch wenn ich im Fall der Estragon-Artischocken zur Hälfte den widerspenstigen Artischocken die Schuld zuschiebe -, aber das sind Fauxpas, die man vergisst.

Auf Augenhöhe mit Beatrice Peltre oder Deb Perelman?

Tatsächlich war ich anfänglich leicht missmutig, hatte ich doch Beatrice Peltres „La Tartine Gourmande“ und „The Smitten Kitchen Cookbook“ von Deb Perelman im Kopf. Mein persönlicher heiliger Gral, wenn man so will. Aber auch diese Bücher spiegeln die jeweiligen Blogs wider, deren Erfolg auch auf Styling und Fotografie beruht. Missmut beiseite geschoben, wurde mir also klar, dass es sich bei „Grüner kochen“ um ein Kochbuch handelt, das ein ehrliches Abbild ihrer Foodblogs wiedergeben soll, deren Stile die Autorinnen treu bleiben wollten. Das ist ihnen gelungen: bodenständig, etwas verspielt und kreativ.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2013

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