Kochbuch von Marion Schmid: einfach Eis machen

Kochbuch von Marion Schmid: einfach Eis machen ★★★★☆

einfach Eis machen:
aus natürlichen Zutaten
Marion Schmid, S. Vollmeyer, Edition Styria (2013)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wie viel mehr es doch gibt als Vanille-Schoko-Erdbeer, zeigt uns Marion Schmid in einfach Eis machen aus natürlichen Zutaten. Da bleibt die Küche garantiert nicht kalt.

Die Eismaschine ist in meinem Haushalt ein zu Unrecht kaum genutztes Gerät, das meist ein freudloses Dasein im Regal fristet. Als ich sie im vergangenen November endlich mal wieder benutzen wollte, quittierte sie beleidigt den Dienst – natürlich im unpassendsten Moment, gerade als wir die noch flüssige Eismasse hineingegossen hatten. Jetzt stand sie also wieder im Regal, auch noch defekt. Ein Glück, dass das tolle Buch von Marion Schmid nun den Weg zu mir fand, war das doch endlich Anlass für eine Reparatur.

Die knapp hundert Rezepte verdrehen mir den Kopf. Eis mit Blüten und Gewürzen (Langpfeffer!), mit Alkohol (Gin Tonic! Gewürztraminer!), Kaffee, Tee, Nüssen, Schokolade, Gemüse (Rote Bete!) und natürlich Obst (Quitte!). Huch, ich bin doch eigentlich Traditionalistin und eher konservativ in der Auswahl meiner Eissorten, und jetzt das. Die Reparateure wollen für ihre Leistung belohnt werden und bei der Auswahl mitreden. Rhabarber muss sein, Banane darf es sein, bei Gin Tonic setze ich mich durch. (Aber Rote Bete │ Orange │ Chili werde ich ihnen demnächst auch noch unterjubeln…).

eis-schmidEs gibt einige Rezepte für Parfaits, die ohne Eismaschine hergestellt werden können, aber der Großteil der Rezepte setzt die Verwendung einer Eismaschine voraus. Klar gibt es da Qualitätsunterschiede und so müssen die Zeiten manchmal ein wenig angepasst werden. Den Tipp, die Eismasse zunächst im Kühlschrank auf 10 Grad herunter zu kühlen, sollte man dringend beherzigen. In der Zubereitung erweisen sich alle ausprobierten Rezepte als leicht nachvollziehbar, die Ergebnisse sind extrem köstlich. Zu fast jedem Rezept gibt die Autorin Tipps, wie dieses noch aufgepeppt oder abgewandelt werden kann. Die Fotos von Simon Vollmeyer variieren das Motiv „Eiskugel nebst ausgewählten Hauptzutaten“ abwechslungsreich und kommen ganz ohne Italo-Kitsch aus.

Sehr schade finde ich, dass auf dem Titelbild „Rezepte auch bei Laktoseintoleranz“ versprochen werden, diese sich dann aber auf die Sorbets beschränken. Tja ja, soll man doch Wassereis essen. Aber auch mit Laktoseintoleranz möchte man Milcheis essen, Veganer übrigens auch. Die Autorin schreibt, dass sie in ihrer Eisdiele in Berlin-Moabit auf die Verwendung von Eiern größtenteils verzichtet (wegen der Salmonellengefahr), in ihren Rezepten für den Hausgebrauch werden jedoch bei fast sämtlichen Milcheis-Rezepten Eigelbe benutzt, wo sie doch offensichtlich weiß, wie man das umgehen kann, dieses Wissen aber nicht mit uns teilt. Hier hätte ich mir insgesamt von einer so kreativen Autorin mehr gewünscht.

Dennoch ist einfach Eis machen ein Buch, das man beim Namen nehmen sollte. Der Aufwand ist gar nicht so groß und lohnt sich. Die Eismaschine darf mal wieder mitspielen und der Sommer steht ja hoffentlich vor der Tür. Auch wenn ich es mit Marion Schmid halte und ihr klar zustimme: „Eis – der kleine Luxus für jeden Tag“ geht eigentlich immer.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2013

4 Kommentare

  1. Katja

    Dieses Buch steht schon sehr lange in meinem Bücherregal-leider etwas stiefmütterlich und wenig beachtet. Völlig zu Unrecht!
    Bei meiner Recherche am letzten Wochenende was man aus ein paar Stangen Rhabarber machen könnte, außer dem typischen Kuchen, stieß ich auf das Eisrezept. Schnell ein Blick ins Buch geworfen, Zutaten gecheckt und losgelegt.
    Ein Wahnsinnsgeschmack! Super lecker und ab sofort mein neuer Favorit. (Gut, das ich noch ein paar Stangen habe.)

    Sofort noch weiter gestöbert und direkt noch auf ein paar Rezepte gestoßen, für die ich alles im Haus hatte. So habe ich nun vier Sorten Eis in der Kühlung: Rhabarber, Himbeere, Erdbeer mit Basilikum und Balsamico und Limone mit Rosmarin. Letztes Jahr habe ich Banane mit Amaretto probiert, war auch sehr lecker.
    Auch sehr gut und gar nicht wie ein Sorbet, schmeckt Ingwer mit Zitronengras; das habe ich u.a. in der eisboxx in Berlin probiert.
    Rundum finde ich, das es ein sehr gelungenes Eisbuch ist, mit tollen ausgefallenen Rezepten aber einfachen Zutaten.

    Ich denke, das es in diesem Sommer bestimmt nicht das letzte Mal in Gebrauch gewesen war.

  2. Andree

    Sehr schöne Rezension, das Buch kommt dadurch auf meine Wunschliste. Hätte nie gedacht, dass bei einem Titel „Einfach Eis machen“ anspruchsvolle Rezepte enthalten sind.
    Zu den Eiern sollte man wissen, je mehr Bio, desto mehr Salmonellen und andere Erreger. Als alternatives Bindemittel käme Basic Textur ins Spiel.

    • Sabine

      Hallo Andree,
      vielen Dank für Ihr Lob!
      Die Befürchtung, dass Bio-Eier eher mit Salmonellen belastet sein könnten, teile ich nicht. Dazu (und zu anderen Fragen rund um das Ei) gibt es einen einigermaßen aktuellen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, den ich an dieser Stelle nennen möchte.

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