Kochbuch: Chakall kocht – Schnelle Rezepte für gute Laune

Kochbuch: Chakall kocht – Schnelle Rezepte für gute Laune ★☆☆☆☆

Chakall kocht: Schnelle Rezepte für gute Laune
Dorling Kindersley Verlag (2010)
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Patricia Rahemipour

Von

Ein Stern: Am besten umtauschen.

s kann eben nicht jeder Kochbücher schreiben, leider. Sonst wäre die Welt noch viel reicher an dieser lesenswerten Buchgattung und ich hätte gar keine Zeit mehr für anderes. Jedoch gibt es manche, die sich dennoch daran versuchen. Und wie finde ich das? Es sollte mir egal sein, aber es ist ärgerlich. Nun bin ich nämlich in der unangenehmen Situation eine sehr kritische Rezension schreiben zu müssen. Das fällt mir schwer und ich mache es nicht gern. Dennoch, drücken gibt es nicht.  

Schon das Cover des Buches stimmt den Leser darauf ein, dass es hier um die Person Chakall geht und folgerichtig behandelt das Vorwort vorwiegend sein Leben und weniger die Absicht des Buches. Der Koch ist in viele Länder gereist, meist nur mit Rucksack, eben wie ein moderner Abenteurer. Dieses Abenteuer soll auch auf den Leser abfärben, indem er die internationalen Gerichte in seine schnöde deutsche Küche bringt. Chakall nimmt uns an die Hand, um von ihm Kochen zu lernen – so die Botschaft. Auch ich dachte zunächst, was für ein sympathisches Lachen und interessante Kapitel. Sie tragen so vielversprechende Namen wie “Mit einem Lächeln serviert – und aufgegessen”, “Rezepte die glücklich machen”, “Ich koche schnell was”, “Rezepte für Vielbeschäftigte” oder “Ich packe meinen Koffer”, “Rezepte bei Fernweh”. Das hält den Leser zunächst bei der Stange.

Doch je länger ich mir das Buch ansah, umso mehr beschlich mich das Gefühl eines riesengroßen Ablenkungsmanövers. Die Fotografien, das Styling und das Layout sind bereits recht konventionell. Abenteuer sieht anders aus. Jeder Rezeptkategorie ist eine Doppelseite vorangestellt, auf der links eine Montage der zu erwartenden Gerichte, immer auch mit einem Bild des Meisters, zu sehen ist. Rechts steht der Titel des Kapitels und Chakalls Musiktipps. Fehlt nur noch seine individuelle Kochmassage… All das wäre ich bereit gewesen zu ignorieren, wenn doch nur die Rezepte hielten, was das ganze “Brimborium”, wie man im Ruhrgebiet sagt, verspricht. Ich hoffte, dass da einfach mehr drin steckt. Doch die Rezepte fand ich in weiten Teilen nicht besonders, manchmal sogar einfallslos und manchmal ließen sie mich gleichgültig zurück.

Es fing alles mit dem Spinat-Vanille Curry an. Die Rezeptangaben waren ziemlich genau. Vier Esslöffel Pflanzenöl werden angegeben, die nur dafür da sind das Fett in der Pfanne bereit zu stellen. Zufrieden erwartete ich daher, daß die anderen Angaben entsprechend genau sind und das Ganze das geschmackliche Placet erhalten haben müßte. Weit gefehlt. Folgt man den Zubereitungsangaben, so erhält man ein ausserordentlich eindimensionales Gericht, das über keinerlei Tiefe verfügt und penetrant sauer schmeckt. Die Vanille dominiert alles und passt zu allem Übel überhaupt nicht zu dem Spinat in der Schärfe eines Currys. Mit Widerwillen habe ich das Gericht ein zweites Mal nachgekocht, ohne nennenswerte Verbesserung. Selbst der Versuch alle Gewürze bereits zu Beginn anzurösten und dann alles mindestens zwanzig Minuten einköcheln zu lassen, hat nicht zum Erfolg, will sagen zu etwas Essbarem geführt.

Darüber hinaus finden sich immer wieder “Tipps” zu den einzelnen Rezepten, die entweder eine Beilage empfehlen oder Alternativen vorschlagen. Hilfreich fand ich die Hinweise jedoch nicht. Dass ich Salat, den ich nicht zu einem Picknick mitnehme, auch einzeln auf Portionsteller anrichten, und diese dann noch garnieren kann, war nicht wirklich eine Neuigkeit. Auch rohen Fisch verwende ich immer nur außerordentlich frisch, selbst ohne extra Tipp. An einer Stelle empfiehlt der Koch sogar Kartoffeln mittels eines Pürierstabes zu verarbeiten: Hier ist der Tipp nicht nur überflüssig, sondern absolut unbrauchbar. Das schleimige Ergebnis hat jeder Hobbykoch schon einmal in die Mülltonne kippen müssen…

Es ist bis auf wenige Ausnahmen – die aber nicht die Herstellung eines ganzen Kochbuchs rechtfertigen würden – eine aus meiner Sicht kaum gelungene Zusammenstellung von Gerichten, die für erfahrene Köche nicht interessant genug ist und “Neuköche” nicht ausreichend einführt. Es ließe sich noch einiges anmerken zu diesem Kochbuch, doch ich gehe jetzt. Froh, dass ich die Kritik hinter mich gebracht habe.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2011

7 Kommentare

  1. Mike

    Hm, also ich hab jetzt schon ein paar Sachen daraus gemacht und war eigentlich ganz zufrieden. Mengenangaben ignoriere ich grundsätzlich ein wenig und gehe da mehr nach Erfahrung und Gefühl. Gestern habe ich für ne Party schnell den Garnelensalat auf S.170 gemacht – war super und kam gut an. Sicher nichts weltbewegendes, aber gut. Und tatsächlich hör ich mir sogar manche der Musiktips beim kochen an 😉 Ich find’s insgesamt gut, sicher nicht herausragend, aber auch nicht so extrem negativ wie hier beschrieben.

  2. Katharina

    Zurück-grins 🙂 Das spricht Bände.

  3. Irina

    Uuuups, fast hätte ich das Buch gekauft!
    Sehr schön geschriebener Artikel 🙂
    Aber da war doch was grübel …. ach ja, am letzten Freitag bei “Lanz kocht” ließ Chakall sein Essen von Alfons Schubeck abschmecken grins

  4. Uwe

    Ich habe das Buch leider im Regal stehen. Doof. Denn ich bin genauso erschrocken, wie Du es in Deiner Rezension schilderst. Finger weg. Brrr!

  5. Katja

    Danke für die ehrliche Rezension. Das bestätigt leider meine Erfahrungen mit diesem Buch. Ich war zunächst wirklich begeistert – zwar ein bisschen viel Personality-Show, aber irgendie auch witzig und unkonventionell. Dann hat leider keiner meiner Nachkoch-Versuche ein wirklich gutes Ergebnis gebracht, alles war bestenfalls durchschnittlich. Besagter Camenbert – chic, aber langweilig. Mozzarella und Zucchini mit Honigdressing – langweilig. Fleischbällchen mit Aprikosensoße – klingt gut, aber laaaangweilig. Südamerikanischer Waldorfsalat – irgendwie doof, viel zu fest. An der Stelle hab ich aufgegeben. Schade!

  6. Juliane

    Danke für diese kritische Rezension – das hört sich ja nach einem in der Tat totalen Kochbuch-Flop an, den ich mir lieber nicht ins Regal stellen werde.
    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  7. Petra

    Ich hatte das “Vergnügen”, den Herrn auf der eat and style in Natura zu erleben – und kann nur sagen, deine Buchrezension bestätigt den Eindruck, den Chakall auf der Messe bei mir hinterließ – viel Show, viel Gerede und viel viel Chakall….

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