Kochbuch von Karin Iden: Sonne im Glas

Kochbuch von Karin Iden: Sonne im Glas ★★★★☆

Sonne im Glas, Eingemachtes & Eingelegtes
Karin Iden, Fotos Oliver Brachat
Hölker Verlag (2012)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

In Zeiten wie diesen, in diesem Land ist kaum etwas so überflüssig wie Vorräte. Wer seine Marmelade & Co einmacht, der braucht das eigentlich nicht. Warum also? Weil man weiß, was für Zutaten außer Obst & Gemüse hineinkommen? Oder weil Obst- und Gemüsegarten mehr hergeben, als man an einem Tag verbraucht? Sicher. Aber da ist noch etwas anderes. Etwas ganz Tiefes. Am besten einmal der Freundin fest in die Augen sehen, die ihre selbstgemachte Marmelade mitbringt.

Nadya aus Bremen, Julia aus Wiesbaden – sie bloggt auf German Abendbrot – und Reina aus Bremen haben für uns Rezepte ausprobiert, die das Einmach-Glück hoch leben lassen sollen. Und sie tun es. Wie schön.
Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

IdenIch koche seit meiner Studentenzeit und der ersten eigenen Küche – also seit etwa 15 Jahren. Seit ich dann nach München gezogen bin, war das Kochen für mich auch ein bisschen Anarbeiten an anfängliches Heimweh. Seit etwa zehn Jahren koche ich also wirklich ernsthaft und regelmäßig. Seit 2 Jahren blogge ich darüber. Kochbücher nutze ich als Inspiration – an Rezepte halte ich mich höchstens beim ersten Ausprobieren. Da ich gerne Neues ausprobiere und auch Exotisches auf den Tisch kommt, sind Kochbücher für mich auch kulinarische Reiseführer.

idenKochen und gutes Essen verbinde ich mit geselligen Treffen mit Familie und Freunde. Zu Hause gehörte selbst zubereitetes regionales Essen zum Alltag. Die Liebe meiner Mutter zum Kochen habe ich erst vor etwa 5 Jahre zu eigener gemacht. Anfangs habe ich mich schwer mit Kochbüchern getan. Ich habe gerne selber ausprobiert und nach mündlichen Erklärungen gekocht, viel experimentiert. Nach gewisser Zeit und durch die gemeinsame Kochgruppe mit ein paar Freundinnen habe ich Kochbücher neu entdeckt – als spannende und inspirierende Begleiter beim Kochen. Jedoch ist meine Kochbüchersammlung eher überschaubar. Dafür bekommt jedes Kochbuch genug „Aufmerksamkeit“ und wird regelmäßig eingesetzt. Ich stöbere auch gern in Kochblogs und -Seiten im Netz nach Rezepten und Anregungen. Ich lege Wert auf praktische, alltagstaugliche Rezepte mit regionalen Produkten, gerne vegetarisch. Ansprechende Bilder sind unabdingbar für ein gutes Kochbuch – sie regen weitere Sinne an und damit den Lust und Spaß auf Kochen.

IdenIch koche seit ich 17 bin und benutze mindestens so lange Kochbücher. Allerdings bin ich nicht immer besonders gut darin, mich an Anweisungen zu halten und so verändere ich fast jedes Rezept. Ich liebe kurze Rezepte mit wenig Zutaten und es gefällt mir, wenn bei der Zubereitung das passiert, was im Rezept steht.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

IdenDas Kochbuch ist schön fotografiert, hat ein angenehmes Format und eine übersichtliche Einteilung. Dass jedes Rezept ein Foto hat, gefällt mir sehr. Ich hasse Rezepte ohne Foto, da ich wissen will, ob mich das Ergebnis anmacht oder nicht. Mir hat gefallen, dass “Sonne im Glas” nicht nur Marmelade & Co. beinhaltet, sondern auch sehr viele herzhafte Sachen sowie Liköre und Saucen. Bei der ersten Auswahl hatte ich gleich 15 Rezepte markiert, die mir spontan gefallen haben. Dazu informative Tipps zum Einkochen. Ein sehr guter erster Eindruck…

idenDas Titel hat mir ein Lachen entlockt – wer freut sich schon nicht bei dem Gedanken an Sonne? Die gebundene Ausgabe gefällt mir gut auch wenn mir das Buch zuerst etwa voluminös und schwer vorkommt. Mit der Zeit finde ich das angenehm. Die Bilder wirken dagegen federleicht und natürlich. Allerdings gibt es recht viele Fotos von den Zutaten und weniger von dem Endergebnis selber. Das fand ich schade. Das Inhaltsverzeichnis ist überschaubar aber vielseitig – von Konfitüren, Gelees, Chutneys, eingelegte Gemüse und marinierte Antipasti bis zu Liköre. Gewonnen hat mich das Kochbuch mit den einfachen Rezepten und prägnanten Zutatenlisten. Im Buch findet man nützliches Basiswissen und Tipps zum Einlegen und Einkochen.
Etwa enttäuscht hat mich das Kapitel mit den Spezialitäten aus aller Welt – nur fünf Rezepten sind dort zu finden, zu wenige für das versprechende Titel aus meiner Sicht.

IdenIch finde das Buch auf den ersten Blick erst mal sehr hübsch. Schöne Bilder, sehr landhausmäßige Aufmachung. Angenehm kurze Rezepte, nicht überfrachtet mit zu vielen exotischen Zutaten. Das hat es mir leicht gemacht, mich an die Rezepte zu halten und nicht daran rumzuexperimentieren. Außerdem bleiben die Seiten aufgeschlagen und verblättern sich nicht dauernd – das ist ein Plus.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

IdenIch habe den Ziegenkäse mit Kapern ausprobiert, die eingelegten Champignons, den Feta in Öl sowie die marinierten Zucchini mit Zitronenmelisse. Alle Rezepte haben gut funktioniert und die Ergebnisse sehr gut geschmeckt. Obwohl ich manchmal skeptisch war, ob die wenigen Zutaten (man kommt manchmal mit nur 3-4 aus) etwas Gutes ergeben, haben mich die Speisen allesamt positiv überrascht. Keines der Rezepte ist misslungen oder hatte komische Zutatenangaben. Da man häufig mehrere Tage warten muss, bevor man das Ergebnis kosten kann, ist die Spannung natürlich groß. Nachträglich ändern ist dann ja nicht mehr möglich. Umso schöner, dass wirklich alle vier ausprobierten Rezepte einwandfrei geklappt haben und sehr gut schmeckten. Bei einigen Rezepten hätte ich mir allerdings gewünscht, dass die Haltbarkeit dabei steht. Das war nur bei wenigen Rezepten der Fall. Dabei ist gerade das beim Einkochen doch die wichtigste Frage, oder? Auch die Mengenangaben waren extrem herausfordernd. So war der Ziegenkäse mit Kapern für ein 1,5l Glas gedacht mit einer 500 gr Ziegenkäserolle! Die handelsübliche (und im Buch empfohlene) Rolle hat etwa 200 gr. So ein großes Glas angebrochen aufzubewahren ist ja auch gleich so eine Sache… Ich würde, wenn ich dann wieder nur für mich und nicht für den Kochbuchtest koche, alle Rezepte halbieren oder sogar vierteln. Auch wäre ich bei manchen Rezepten etwas experimentierfreudiger und würde mehre Gewürze verwenden – das ist aber natürlich Geschmacksache und nicht notwendig.

idenRhabarber-Himbeer-Aufstrich
Ich liebe Himbeeren und Rhabarberfan bin ich auch dazu – dieses Rezept musste einfach das Erste sein!! Simpel und gut erklärt. Der Aufstrich schmeckt einfach himmlisch, fruchtig und nicht sehr süß!! Die Konsistenz ist perfekt für mein Geschmack geworden – eher dickflüssig. Und die Farbe bring einen zum Lachen. Freunde, denen ich ein Glas davon geschenkt habe, schwärmen auch davon. Meine absolute Nummer Eins!!!

Kürbis-Apfel-Chutney
Ich esse sehr gern Kürbis und obwohl es gerade nicht die Kürbisjahreszeit ist, habe ich mich für das Rezept entschieden. Da es im Rezept keine Angaben zu der Kübissorte gab, habe ich das Rezept mit Hokaidokürbis getestet. Laut Rezept sollten die Äpfel zerkochen und der Kürbis in Stückchen bleiben. Bei mir war es genau umgekehrt. Vielleicht lag es an dem Kürbis. Das Chutney schmeckte gut. Das gewisse Besondere im Geschmack hat mir ein bisschen gefehlt. Lecker zu Scones und etwa dunklere Tage.

Eingelegtes buntes Gemüse
Das Rezept ist sehr einfach und es gibt kaum etwas, das schief dabei gehen kann. Und es geht ziemlich schnell. Das Ergebnis ist bunt, schmeckt frisch und die Gemüse sind angenehm knackig. Etwas für Knoblauchliebhaber. Gute und frische Abwechslung für Grillabende. Das Öl hat intensiven Knoblauchgeschmack und ist bestens einsetzbar für andere Knoblauchgerichte.

IdenDa noch nicht so richtig die Zeit für Erdbeeren, Rhabarber usw. war, habe ich mich an der Tomatenpesto (S. 162), den eingelegten Champignons (S. 84) und dem English Lemon Curd (S. 195) probiert. Was total super war, dass meine Ergebnisse genauso aussahen, wie auf den Bildern.

Die Tomatenpesto war easy zu machen, allerdings ein bisschen eine Sauerei mit dem Zauberstab, weil meine Schüssel wohl nicht hoch genug war. Das Ergebnis war ziemlich lecker. Ich habe es mit grünen Bandnudeln serviert, was ein wahres Farbfest war.

Die Champignons sehen ziemlich hübsch aus im Glas, aber vom Geschmack bin ich noch unsicher, wie ich den Sud so finde. Gewöhnungsbedürftig.

Der Lemon Curd war fun. Endlich konnte ich mal den Wasserbadeinsatz ausprobieren, den ich vor längerer Zeit mal in einem berühmten schwedischen Möbelhaus erstanden habe. Funktioniert super. Was mich hier gestört hat, war, dass ich überhaupt nicht wusste, wann genug ist mit dem Rühren über dem Wasserbad. Wann ist cremig? Im Ergebnis war dann alles super, aber ich denke, dass hätte wahrscheinlich auch schon 10 Minuten früher haben können.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

IdenEin sehr hübsches Kochbuch mit vielen interessanten Rezepten und Anregungen, die Lust darauf machen, den Sommer einzufangen. Die Erläuterungen zum Einkochen, Haltbarmachen etc. fand ich hilfreich und interessant. Allerdings wurden immer gleich die Zutaten für 4 Gläser a 450 ml angegeben oder noch mehr, was mir persönlich für einen 2-Personen-Haushalt zu viel ist. Oder es gab ein Rezept für 500 gr Roquefort, was nicht nur sehr viel Käse ist, sondern auch teuer. Wer soll das alles essen? Und wo aufbewahren, wenn man keinen dunklen, kühlen Keller hat? Außerdem war die Rezeptauswahl manchmal ein bisschen merkwürdig: 6 Pesto-Rezepte braucht nun wirklich keiner, wenn man einmal das Prinzip verstanden hat. Da hätten Varianten-Möglichkeiten am Ende des ersten Pesto-Rezepts ausgereicht. Die Abteilung “Aus aller Welt” wirkte wie künstlich rangeflanscht, da sie nur ganze 5 Rezepte enthielt. Die Auswahl (bayerische Leberpastete!) war zudem nicht wirklich exotisch oder neu. Das hätte es m.E. gar nicht gebraucht. Die Marmeladen habe ich nicht ausprobiert – trotzdem erschient mir auch hier die Auswahl etwas willkürlich. So gab es beispielsweise gleich 4 Erdbeer-Rezepte. Insgesamt habe ich aber interessante Anregungen erhalten, die man dann ja auch selber variieren und z.B. durch andere Gewürze abwandeln kann.

idenInsgesamt hinterlässt das Kochbuch sehr positiven optischen Eindruck. Die Rezepte sind vielseitig, die Produkte – saisonbedingt gut zu finden auf dem Markt. Bodenständig, hübsch, einfache und leckere Rezepte, die auch Freude beim Verschenken machen können!! So einfach und schnell kann es lecker zugehen!

IdenIm Gesamtbild ein Kochbuch für alle. Man muss kein Superkoch/Superköchin sein, um sich an den Sachen zu versuchen. Darüber hinaus kann man auch schöne Geschenke daraus kochen. Was super ist, dass die Mengen im Rahmen sind und man nicht auf Unmengen von Gläsern sitzen bleibt bzw. umrechnen muss. Ich habe das erste Mal das Vorwort eines Kochbuchs gelesen – thats a first – und auch das Basiswissen Einmachen & Einlegen am Ende des Buches, welches einfach geschrieben ist und hilfreiche Tipps gibt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2012

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