Kochbuch von Karen Schulz & Maren Jahnke: Vegetarisch grillen

Kochbuch von Karen Schulz & Maren Jahnke: Vegetarisch grillen ★★★★☆

Vegetarisch grillen
Karen Schulz & Maren Jahnke, Fotograf W. Kowall, Umschau Verlag (2012)
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Sabine Cikic

Von

Rezepte superb, Optik – na, da geht noch mehr

Vegetarisch Grillen bietet vielfältige Rezepte für abwechslungsreiches vegetarisches und auch veganes Grillen. Die Rezepte können vollauf begeistern, das Layout hält aber leider nicht mit.

Karen Schulz und Maren Jahnke, beides erfahrene Foodstylistinnen, Rezeptentwicklerinnen und Autorinnen, haben ein tolles vegetarisches Grillkochbuch geschrieben. Ja, das funktioniert, kann ich ungläubigen LeserInnen hier versichern. Und wir reden hier nicht von Rezepten, in denen krampfhaft versucht wird, das Produkt Fleisch oder Fisch durch ein vegetarisches Ersatzprodukt auszutauschen, so dass die Fleischesser das am Ende vielleicht gar nicht merken, dass sie da was Vegetarisches essen. Es gibt einige wenige (sehr leckere!) Rezepte in diesem Buch, wo auch mal Sojawürstchen oder Tofu verwendet werden, aber in der überwiegenden Zahl der Rezepte geht es vor allem um: Gemüse!

In den vier Hauptkapiteln des Buches sind die Rezepte sortiert nach „aufgespießt“, „eingewickelt und aufgerollt“, „im Ganzen gegrillt“ und „gefüllt“. Ein Kapitel mit Dips und Würzmischungen, die alle auch Bestandteile oder Ergänzungen der Hauptrezepte sind, sowie Rezepte für einige wenige Salate, Brote und Sommergetränke runden die Auswahl bestens ab. Und wie schön sind die Rezepte! Hier wird schnell klar, dass nicht immer nur die ewig gleichen Gemüse-Feta-Päckchen gepackt werden. Angeregt von den verschiedensten Küchen der Welt werden hier fröhlich Aromen und Geschmäcker kombiniert. Und wer da nicht schon allein aufgrund der Optik das vegetarische Grillgut dem ordinären Nackensteak vorzieht, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Für mich gab es jedenfalls kein Halten mehr. Kein Sommer und somit kein Grillwetter? Egal! Manche Rezepte lassen sich auch durchaus in einer Grillpfanne auf dem Herd oder als Alufolienpäckchen im Ofen zubereiten. Und wenn mal doch das Wetter einen netten Grillabend zulässt, umso besser. Die Zutatenlisten sind übersichtlich, alles problemlos zu besorgen oder sowieso im Vorrat. Hinweise am Anfang des Buches, wie sich die Rezepte vegan zubereiten lassen, fehlen auch nicht, bzw. zahlreiche Rezepte sind sowieso schon vegan. Jede Wette, dass auch das von vielen Omnivoren gar nicht bemerkt wird. Der „Versuchsaufbau“ war einfach: je nachdem, wie viele hungrige Esser sich eingefunden hatten, habe ich zwischen 3 und 10 Rezepten gleichzeitig vorbereitet und dann gegrillt, Fleisch und Wurst gab es konsequent nicht. Wir haben alle, Fleischliebhaber eingeschlossen, nichts, aber auch gar nichts vermisst. Zu köstlich waren die aufgespießten Leckereien und überraschenden Päckchen. Bunt und knackig der Frühlingssalat mit Passionsfruchtdressing, sättigend und doch leicht die vegetarischen Hotdogs mit Räuchertofuwürstchen, süß und verführerisch die gefüllten Datteln im Filoteig mit dem unwiderstehlichen Apfel-Mango-Chutney.

Ich könnte beinahe endlos weiterschwärmen und habe den argen Verdacht, dass das nun endlich das Kochbuch sein wird, aus dem ich irgendwann tatsächlich einmal alle Rezepte nachgekocht haben werde. Bloß eine Sache bleibt mir leider doch zu bemäkeln, und das ist der für mich etwas zu „aufgeräumte“ Stil. Das Layout ist sehr übersichtlich. In farbigen Spalten rechts bzw. links stehen die Zutaten, daneben gut gegliedert die Anleitungstexte. Fast jedes Rezept hat ein Foto, das die dem Rezept gegenüberliegende Seite ausfüllt. Aber irgendwie ist das alles zu steril, fast, als könnten diese Bilder dem Rezeptteil einer der zahlreichen „Gesund-Zeitschriften“ entstammen.

Wenn ich an Sommer, Sonne und Grillen denke, dann denke ich an Hitze und Wärme und Ruß und eine feurige Glut. Ja, man macht sich auch mal die Hände schmutzig, und es tropft auch mal hier und da. Davon fehlt hier aber jede Spur, immer sehen die Gerichte sehr gesund aus, das Licht oft zu grell, zu sauber die Teller, keine Flasche Bier weit und breit. Aber auch an einem vegetarischen Grillabend hat man Spaß mit seinen Freunden, und längst nicht jeder noch so hartgesotten scheinende Grillfan ist überhaupt auch ein Fleischesser. Und auch an vegetarischem Grillgut kann man sich kugelrund futtern. Man hat scheinbar alles richtig gemacht, aber es fehlt doch die klitzekleine Prise Unvernunft, das Archaische oder auch Männliche, das Grillen immer noch birgt. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur Gesundheitsapostel angesprochen werden und es die Rezepte dieses eigentlich wunderbaren Kochbuchs auf viele, viele Grills schaffen werden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2012

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