Kochbuch von Jenny Britton Bauer: Das beste Eis der Welt

Kochbuch von Jenny Britton Bauer: Das beste Eis der Welt ★★★★★

Das beste Eis der Welt
Jenny Britton Bauer, Umschau Verlag (2012)
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Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Kein Wunsch bleibt offen

Dass Physik und Chemie zu meinen Lieblingsfächern zählten, kann ich nicht gerade behaupten. Dass aber genau diese naturwissenschaftlichen Hintergründe wichtig, ja geradezu notwendig sind für die Zubereitung von köstlichem Eis, hat auch Jeni Britton Bauer schnell erkannt, als sie anfing, mit Eiscreme zu arbeiten. Heute betreibt sie mit ihrem Ehemann elf Eisläden in Ohio und Tennessee, hält Vorträge an Schulen (über die Wichtigkeit von Naturwissenschaften) – und hat ein sensationelles Buch mit 120 Eisrezepten geschrieben.

Aber keine Angst, Frau Bauer hat uns die Arbeit im Labor abgenommen. Wenn man sich an ihre klaren Angaben, die Mengen und einzelnen Schritte (alles genau in Bildern veranschaulicht) hält, muss man nicht Einstein sein, um ganz köstliches, ungemein cremiges Eis selbst herzustellen. Zugegeben, ein wenig skeptisch war ich anfangs schon gegenüber dieser ganz anderen Zubereitung. Ich kenne die klassische Methode, Eismasse aus Eigelb (mühsam) über dem Wasserbad aufzuschlagen und Schlagsahne unterzuheben. Hier wird Milch und Sahne mit Glukosesirup gekocht, dann kommt Stärke dazu und auch noch Frischkäse (sowie die unterschiedlichen Geschmackszutaten, aber dazu später mehr). Das ist ein ganz neuer Prozess. Als stolze Besitzerin einer Eismaschine – die bei allen Rezepten Voraussetzung ist! – suchte ich schon länger nach genau DEM Eisrezept, das wirklich befriedigende Ergebnisse liefert und dennoch halbwegs einfach zu bewerkstelligen ist.

Nachdem ich mich zuerst vorsichtig und akribisch mit den Grundlagen vertraut gemacht habe und tatsächlich mit dem welt-besten Schokoladeneis belohnt wurde, bin ich nun absolute Verfechterin dieser neuen Art der Eisbereitung. Natürlich ist das Eis nicht in einer Viertelstunde fertig. Auch werden einige Schüsseln, Töpfe, Spatel und diverse Zutaten benötigt. Aber das Ergebnis rechtfertigt hier die Mühe. Nach dem überwältigendem Ergebnis meines Erstlingswerks, folgte umgehend das Eis für die aktuelle Erdbeer-Saison: Buttermilch-Erdbeereis. Die Grundmasse wird immer nach dem gleichen Prinzip erstellt und ging mir deshalb auch schon viel leichter von der Hand. Vollkommen ungewöhnlich waren die gerösteten Erdbeeren. Die Erdbeeren werden im Ofen mit Zucker gebacken, was einen Teil des Wassers verdunsten lässt und damit die Aromen intensiviert. Eigentlich ganz logisch. Und umwerfend köstlich.

Die sympathische Autorin führt uns auch an die Sinneseindrücke beim Verzehr von Eiscreme heran: alle Geschmacksrichtungen von süß bis scharf gilt es zu entdecken, die Texturen von glatt und schmelzend am Gaumen bis zum knusprigen Nusskrokant und eben die einmalige Konsistenz ihrer Kreationen. Wer will, kann eigene Geschmacksrichtungen entwickeln, denn auch dafür lässt das Buch Platz und gibt Anregungen zu den einzelnen Komponenten und deren Auswirkung auf das Ergebnis. Aber zuerst möchte ich mich durch all die Kreationen schlecken, die Frau Bauer erdacht hat. Wer dabei denkt, dass Eis ein reines Sommer-Thema wäre, wird schnell eines besseren belehrt: für jede Jahreszeit gibt es spezielle Sorten. Von Earl-Grey Eiscreme mit Kirschen im Frühling zu Sternanis-Eis mit kandierten Fenchelsamen im Herbst.

Für ganz Wagemutige gibt es selbst salzige Variationen wie Gouda-Eiscreme mit Wodka-Cranberries zu probieren. In Amerika folgen Jenis Anhänger den Updates ihrer Website und stehen Schlange, sobald neue Sorten in die Läden kommen. Wir Europäer müssen selbst aktiv werden und uns von den appetitlichen Abbildungen (jede Sorte lockt individuell und fast lebensgroß auf einem Löffel) inspirieren lassen. Manche Eissorten werden zu Desserts kombiniert, wie One Night in Bangkok mit Erdnusseis, Pralinensauce und Bananen. Von selbstgemachten Waffelhörnchen bis Makronen (in vier süßen Farbtönen – zum Reinbeißen!), von Eiscocktails über quietsch-bunte Pop-Art Push-Ups bis zur Glasur wird kein Aspekt ausgelassen. Der Titel übertreibt nicht: kein Wunsch bleibt offen, das ist das beste Eis der Welt!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2012

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