Kochbuch von Jekka McVicar: Das besondere Kräuterkochbuch

Kochbuch von Jekka McVicar: Das besondere Kräuterkochbuch ★★★☆☆

Das besondere Kräuterkochbuch
Jekka McVicar, Illustrationen Hannah McVicar, DVA (2012)

Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Wo ist der Yummi-Effekt?

Es gibt Kochbücher, da fällt mir das Urteil nicht leicht. Da es eben verschiedene Ebenen zu berücksichtigen gilt. So steht hinter dem Besonderen Kräuterkochbuch zwar eine sympathische Frau, die für ihre Leidenschaft lebt. Für ein gelungenes Kochbuch ist das jedoch nicht ganz genug.

Nach verschiedenen beruflichen Stationen verschlug es McVicar in eine Kräutergärtnerei. Schon bald hatte sie selbst den Wunsch eine zu gründen. Mittlerweile bieten sie und ihr Mann auf ihrer Öko-Kräuterfarm über 650 Sorten an, die sie an Kunden in ganz England verkaufen! Gut gefällt mir ihre ganzheitliche Sichtweise: Ihr Interesse gilt nicht nur dem kulinarischen Aspekt von Kräutern, sondern auch ihrer medizinischen Wirkung oder ihrer Funktion als Haushaltsmittel.

Auch ich finde, dass Kräuter eine feine Sache sind. Noch mehr seit wir einen eigenen Garten haben. Tatsächlich sät und setzt man ja so dies und jenes, weiß dann aber manchmal nichts so recht damit anzufangen. Oder die Dinge entwickeln sich ganz prächtig, wie mein Salbei, der immer mehr einem großen Busch ähnelt, und es gehen einem die Verwendungsideen aus. Vom „Besonderen Kräuterkochbuch“ erhoffe ich mir Abhilfe und Inspiration.

Das Buch beinhaltet die 50 Lieblingskräuter der Autorin. Eine prima Auswahl, wie ich finde. Vollständigkeit ist hier ohnehin nicht möglich, und subjektiven Kriterien folge ich im Falle einer „Kräuter-Queen“, wie Jamie Oliver sie nennt, gerne! Das beginnt bei Afrikanischem Rosmarin und geht bis zu Zitronenverbene. Dabei gibt es einige Kräuter, wie z.B. Meerfenchel, Shiso oder auch Wilde Indianernessel, die zum Nachgärtnern gewiss nicht so leicht erhältlich sind, aber eben auch viele Altbekannte. Interessant fand ich McVikars weit gefassten Begriff von Kräutern. So würde ich Holunder und Knoblauch, aber auch Meerrettich oder Wald-Erdbeere gewiss nicht dazu zählen.

Die Kräuter sind alphabetisch geordnet und werden zu Beginn des jeweiligen Abschnitts ganzseitig abgebildet. Es folgt ein kurzer Absatz über den Bezug der Autorin zur jeweiligen Pflanze, eine allgemeine Beschreibung, dann das Kraut als Küchenpflanze, seine Ernte und Verwendung. Spannend auch die Absätze über die Eigenschaften der verschiedenen Kräuter. Minze z.B. unterstützt die Verdauung oder Ringelblumenblüten regen die Gallenproduktion an. Schließlich folgen je drei bis acht Rezepte. Schön: Stets wird das jeweilige Kapitel mit einem Rezept für die Überschüsse der Ernte abgeschlossen. So empfiehlt McVicar bspw. überschüssigen Salbei zu Salbeibutter zu verarbeiten. Konzeptionell also durchaus durchdacht.

Doch was konzeptionell gelungen ist, ist leider nicht unbedingt kulinarisch ansprechend. Denn so eines hohen Informationsgehalts bedarf es, wie ich finde, bei einem Kochbuch gar nicht unbedingt. Es sei denn es handelt sich um ein kulinarisches Nachschlagewerk. Dieser Eindruck wird auf gestalterischer Ebene noch verstärkt. Zwar sind die Illustrationen der Tochter der Autorin hübsch anzuschauen, aber dargestellt werden eben nur die Kräuter und das außerdem eher beiläufig. Doch es handelt sich ja laut Titel um ein Kochbuch und nicht um ein Kräuterbestimmungsbuch. Die Zeichnungen machen weder Appetit noch regen sie zum Nachkochen an. Die Rezepttitel schaffen in ihrer Schlichtheit da leider auch keine Abhilfe. Titel wie Basilikum-Mayo oder Fischpuffer mit Schnittlauch treiben mich so ganz ohne Fotografien nun auch nicht unbedingt Richtung Herd. Wobei es ja durchaus Kochbücher gibt, die ohne Fotografien funktionieren. Zum Beispiel Bernasconis „Cucina Verde“ oder auch das Istanbul-Kochbuch von Jacoby&Stuart. Aber da sind die einzelnen Rezepte auch prominenter platziert und kulinarischer illustriert. Und: Diese Bücher sind eindeutig Kochbücher!
Zugleich muss ich sagen, wie wohl auch die Mehrheit der kulinarischen Leserschaft: Mit den Fotos kommt der Appetit! Sowohl aufs Kochen, als auch aufs Essen!

Meine Nachkochlust hielt sich daher in Grenzen. Die Rezepte sind gut beschrieben, immer persönlich eingeleitet durch ein paar Worte der Autorin. Doch der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Die nachgekochte Tomatensuppe mit Rosmarin war zwar ein echter Hit, alles andere hingegen so lala. Die Bohnensuppe mit Salbei war geschmacklich leider gar nicht rund. Also doch wieder Gnocchi mit Salbeibutter, um der Schwemme Frau zu werden!

Dieses Kochbuch ist recht schnell im Regal gelandet. Und das passiert mir bei neuen Kochbüchern selten. Die wandern eigentlich vom Sofa in die Küche aufs Nachttischchen und neben die Badewanne… Doch McVikars Kräuterkochbuch ist da gelandet, wo Nachschlagewerke hingehören: ins Regal. Denn es ist eben nun mal mehr Nachschlagewerk als inspirierendes Kochbuch, mehr informativ als anregend! Vielleicht sollt man es einfach umbenennen!?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2012

2 Kommentare

  1. Lena

    Ich hab das Buch auch seit Kurzem. Tatsächlich habe ich es mir eher als Nachschlagewerk mit Rezeptanregungen gekauft, so ist es ja wohl auch gedacht. Daher bin ich nicht enttäuscht. Das Buch gefällt mir sehr gut, da es einfach wunderschön aufgemacht ist. Trotzdem wären ein paar ausführlichere Rezepte nett gewesen, da die im Buch doch meist sehr simpel sind.
    Meistens hilft es einfach sich ein Buch in Ruhe im Buchhandel anzuschauen :-).
    Viele Grüße

    • Katharina Höhnk

      Ja, so ist es. Sehr ansprechend und schön. Christiane war anfänglich sehr angetan. Wir waren dann erstaunt, dass der Punkt Fotos auf Dauer so entscheidend für die Häufigkeit des Gebrauchs war (sie nutzte es den ganzen Sommer). Ich glaube, zumindest ein paar Fotos wären wichtig gewesen, damit das grüne Leben im Buch mehr Lebendigkeit erfährt, obwohl es andererseits natürlich sehr stimmig ist auf dem ersten Blick, so wie es ist. Tja, keine leichte Entscheidung.
      Ich bin gespannt, wie es es bei Dir auf Dauer ist, Lena. Herzlichst Katharina

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