Kochbuch von Jane Hornby: Fresh & Easy (engl.)

Kochbuch von Jane Hornby: Fresh & Easy (engl.) ★★★★★

What to cook & How to cook it: Fresh & Easy
Jane Hornby
Fotos Steven Joyce
Phaidon Verlag (2012)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Eine Fortsetzung, die alle Ewartungen erfüllt

Eine Fortsetzung. Im Kino bedeutet das, lieber nicht hingehen. Bei Kochbüchern ist das anders. Die meisten Autoren kümmern sich um das entstandene Leser-Vertrauen wie um ein selbstgezogenes Tomatenpflänzchen. Seitens der Leser wird das Schwärmen über den Erstling zwar zum Leid der Autoren mit kritischer Erwartungshaltung gegenüber der Forseztung ausgetauscht. Aber Leser-Luxusüberlegungen, welches das beste Kochbuch sei, sind vor allem eins: Kompliment einer Fangemeinde.

Jane Hornby, die mich mit ihrem Erstling schwer begeisterte, ist mein Beispiel für die feine Garde an Autoren, die sich selber und ihren Fans treu bleibt. (Natürlich fallen mir gleich, während ich das schreibe, schreckliche Ausnahmen ein wie den Münchner McDonalds-Chefkoch, dessen Fortsetzungsbücher ich lieber eingestampft gesehen hätte. Aber der fällt wohl eher unter “raffen, was geht”.) Fresh & Easy ist wie der Erstling ein Step-by-step-Kochbuch mit Bildbandqualitäten. Ziemlich interessant fand ich, wie dieses Mal die Kapitel benannt wurden: Breakfast, Quick Lunch & Suppers, Picnics (Yeahh!!), Food for Friends, Barbecues, Sides & Salads, Desserts & Baking. Ja, dachte ich, das ist mein persönliches State of the Art im Sommer.

Jeweils 6-10 Fotos bebildern jedes Rezept. Hier gilt, Genauigkeit geht vor inszenierter Wärme. Die Rezepte beginnen optisch mit der Zutatenliste, dh das erste Foto zeigt alle Zutaten komplett als Mise en Place, dem ich, inspiriert von Perfektion, gerne nacheiferte. Ich fand diese Auftakt-Foto zudem wunderbar wegen eines ganz anderen Effekts. Für Menschen wie mich, die eher zum fotografischen Gedächtnis neigen denn zu Buchstaben, sind sie eine Art Heilsbringer. Vergessene Einkaufszettel sind kein Anlass mehr, in verzweifelter Suche genervt die Handtasche auf den Kopf zustellen und der morgendlichen guten Laune Ade zu sagen; die Erinnerung hilft aus.

Eine Besonderheit des Kochbuchs Fresh & Easy ist es, wie wir Köchinnen durch die Rezepte geführt werden. Eigentlich werden Rezepte möglichst knapp verfasst, sei es um ihnen einen kurzweiligen Anstrich zu geben, Platz zu sparen oder den Leser mit Selbstverständlichkeiten zu verschonen. Dafür wird dann ein Großteil der Zubereitungsschritte in die Zutatenliste geschoben. Da steht dann z. B. „3 Frühlingszwiebel, gewaschen und in feine Ringe geschnitten“, „1 Bund Petersilie, gewaschen und fein gehackt“. Nicht so in diesem Step-by-Step-Kochbuch. Hier passiert die Zubereitung tatsächlich im „Rezepttext“. In Fresh & Easy zeigen Fotos z.B. den Fenchel in verschiedenen Zuständen, von halbiert bis fein geschnitten. Mehr kann man für Anfänger nicht tun.

Die fotogenen Arbeitsschritte werden mit Texten erläutert, die immer wieder von optisch abgesetzten Basisinformationen durchbrochen werden, die hilfreich sind wie z.B. das Auftauen von Shrimps und vom Tipps für den Einkauf einer Mango (immer tricky). Letzteres Beispiel würde natürlich besser vor dem Rezepttext stehen: der Einkauf ist ja dann schon passiert.

HornbyNun ist es aber Zeit für Jane Hornby (links) zu schwärmen. Zwar hatte ich mir unter Fresh & Easy in Verbindung mit dem grünen Cover irgendwie vor allem Veggie-Rezepte vorgestellt (Warum nur?), aber nachdem ich den Irrtum geschluckt hatte, war es ein wunderbares Eintauchen und Wiedersehen. Ihre Rezeptauswahl ist bereits zum zweiten Mal so verdammt Yummie. Ich habe hin und her geblättert überlegend, was das Geheimnis ist. Sie bedient sich für die Rezepte in allen Länderküchen und wählt Köstlichkeiten, die den modernen Gaumen mit seiner Sehnsucht nach Frische, Aromen- und Konsistenzenspiel bedienen. In der Ausführung ist ihren Rezepten nichts/kaum etwas hinzuzusetzen. Sie haben das gewisse Krönchen iS eines köstlichen Etwas. Außerdem lernt man fast immer einen netten Kniff. Ein Grund, warum ich bereits Hornbys Vorgänger immer wieder zur Hand nehme: Ihre Rezepte können „unprobiert“ für Gäste zubereitet werden. Sie enttäuschen nie. Das lässt sich nur von wenigen Kochbüchern sagen. Fresh & Easy ist als Step-by-Step-Kochbuch für Kochanfänger konzipiert. Aber das ist nur Tarnung. Die Rezepte sind zu gut.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2012

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