Interview: Zorra von 1 x umrühren bitte aka kochtopf

Interview: Zorra von 1 x umrühren bitte aka kochtopf

Jede Profession hat seine Pioniere. Zorra von 1 x umrühren bitte aka kochtopf ist eine der Food-Blogosphäre. Ein glattes Jahrzehnt ist sie nun dabei. Als Initiatorin vieler Koch-Events kümmert sie sich mit darum, dass der Fluss der Ideen nie aufhört zu fließen. Interessant ist genauso, dass sie nicht nur die deutschsprachige Food-Blogosphäre sehr gut kennt, sondern als Wahl-Andalusierin ebenso die spanische.

Katharina: Zorra, Du bloggst seit einem Jahrzehnt. Kompliment. Als Du losgelegt hast, wie sah die Food-Blogosphäre damals aus?

Zorra: Es gab eine überschaubare Anzahl Foodblogs, jeder kannte jeden. Damals war Bloggen was für Nerds und für die meisten auch nur Hobby. Man hat einfach mal so angefangen übers Essen zu bloggen und Fotos davon zu machen. Die meisten Fotos waren nicht so toll, jedenfalls muss ich schmunzeln, wenn ich meine ersten Beiträge angucke – wirklich schlechte Fotos und meist auch nur ein Rezept ohne viel Text dazu. Aber wir haben uns verbessert und weiterentwickelt. Vorbild waren und sind wohl immer noch die amerikanischen Blogger.



Katharina: Was tut sich jetzt gerade bei den Foodbloggern und wo wird es hingehen? Was denkst Du?

Zorra: Es gibt ganz viele neue tolle Foodblogs, die sehr professionell gemacht sind. Heute gibt es viele die mit einem „Businessplan“ anfangen. Sie informieren sich bevor sie überhaupt ihr Blog starten über Foodfotografie, Blogsysteme, SEO, besuchen Blogger-Konferenzen und Workshops. Angebote, die es früher nicht gab – von welchen es in der Zukunft wohl noch mehr geben wird. Auch Sponsoring und Kooperationen mit Firmen ist ein Thema. Viele investieren viel Zeit in ihr Blog, daher finde ich es auch legitim wenn man etwas Geld damit verdienen möchte. Das Ganze ist noch im Aufbau und ich sehe nicht genau wohin das führt. Was jedoch sicher ist, dass es auch in Zukunft noch Blogger gibt, die nur für „sich bloggen“, sogar welche ohne Social Media-Anbindung und sonstigem Firlefanz.


Katharina: Du hast vor Kurzem Dein Blog relaunchiert. Warum und was war Dir dabei wichtig?

Zorra: Die alte Blogplattform ist leider technisch stehen geblieben. Keine Neuerungen mehr, wie zum Beispiel direkte Anbindung an Facebook, Twitter, Pinterest etc., keine mobile Version. Alles Punkte, die für mich aktuell wichtig sind. Bloggen beim neuen Anbieter ist sehr einfach, also für Anfänger geeignet. Für mich war es eine Umstellung, aber eine an die ich mich schnell gewöhnt habe.

Katharina: Du lebst in Spanien, genauer im schönen Andalusien. Wie steht es um die spanische Food-Blogosphäre?

Zorra: Die spanische Food-Blogosphäre ist wie in Deutschland sehr vielfältig, das heisst vom Hobbyblogger bis zu zum Profiblogger gibt es alles. Viele spanische Blogger kooperieren mit Firmen oder haben eigene Geschäftsideen entwickelt oder sind gar als kulinarische Botschafter unterwegs. Die Medien haben das Thema auch schon länger aufgegriffen. Es gibt zum Beispiel schon seit ein paar Jahren Kochsendungen mit Bloggern, was ja in Deutschland erst kommt.

Katharina: Welche kulturellen bzw. thematischen Unterschiede gibt es zwischen der deutschen und spanischen Food-Blogosphäre? Gibt es da typische Eigenheiten?

zorra-screenshotZorra:Ich empfinde die spanischen Foodblogger als engagierter und offener. Vielleicht etwas weniger kritisch als deutsche Blogger. Thematisch sehe ich keine grossen Unterschiede. Auch hier wird gerne saisonal gekocht und gut gegessen.

Katharina: 

Welche spanischen Food-Bloggerinnen sind besonders erfolgreich?

Zorra: Eine der bekanntesten und erfolgreichsten spanischen Foodbloggerinnen ist wohl Aran Goyoaga von Cannelle et Vanille. Gilt vielleicht nicht, da sie eine Expat ist und ausserdem auf Englisch bloggt.

Ansonsten lese ich gerne ¿Te quedas a cenar?. Das Blog von Ibán verfolge ich schon seit Jahren. Er ist ein leidenschaftlicher Brotbäcker, hat das Buch von Dan Lepard ins Spanische übersetzt und mit Dan und ein paar anderen Brotverrückten letztes Jahr eine Pop-up Bäckerei The Loaf in a box gestartet. Zudem bietet er Brotback-Kurse an, kürzlich sogar kostenlos für Leute ohne Arbeit.

Weitere spanische Blogs die ich gerne lese sind – Cocina a tiempo parcialKanela y LimónTengo un horno y sé cómo usarloAlbahaca y Canela und viele mehr.

Katharina: Spürt man die Krise in der spanischen Blogosphäre?

Zorra: Die Krise spürt man überall. Das (Arbeits-)Leben ist wie auf Sparflamme. Junge Leute müssen wieder zu ihren Eltern nach Hause ziehen oder sogar auswandern. Ich glaube diese Situation ist mitunter ein Grund, dass spanische Blogger weiter sind was Geschäftsideen oder Kooperationen mit Firmen betrifft als deutsche Blogger.

Katharina: Du bist für mich ein Herzstück der Koch-Events. Für alle, die diese Institution der Blogosphäre noch nicht kennen, erkläre doch bitte noch einmal, was das ist und wie die Anfänge waren.

Zorra: Jeden Monat wird von einem Blogger in meinem Blog, ein Thema vorgegeben nach dem dann gekocht wird. Jeder der ein Blog hat kann teilnehmen und bis jeweils zum 15. des Monats maximal zwei Rezepte einreichen. Der Gastgeber fasst alle eingegangen Rezepte in einem Beitrag zusammen. So kommen die schönsten Rezeptsammlungen zusammen.

Unterschiede zum Anfang sind, dass es keine Abstimmungen mehr über das beste Rezept gibt – denn leider wird bei solchen Abstimmungen meist geschummelt – und dass heute durch die vielen neuen Blogs die Teilnehmerzahl höher ist. Was mich natürlich sehr freut.

Katharina: 
Was denkst Du: was ist der Zauber an den Koch-Events? Warum machen so viele gerne mit?

Zorra: Das ist eigentlich eine Frage für die Teilnehmer. 😉 Ich denke vielen geht wie mir, durch die Blog-Events schaut man über den eigenen Tellerrand hinaus bzw. beschäftigt sich auch mal mit Koch-Themen, die einem sonst nicht unbedingt ansprechen würden. Zudem ist es spannend zu sehen was anderen zum Thema einfällt. Und für neue Blogs sind die Events eine gute Gelegenheit auf sich aufmerksam zu machen.

Katharina: Erinnerst Du Dich an Koch-Events, die Du besonders fandest und Dir in Erinnerung geblieben sind?

Zorra: Schwierige Frage bei aktuell 88 Blog-Event, 59 Bread Baking Days und 7 World Bread Days.

Ich fand bis jetzt alle gut. Bei den Teilnehmern kamen zum Beispiel der Speck-Event von Chef Hansen und der Tunken-Event von Heike sehr gut an und natürlich meine Jubiläums-Blog-Events.

Katharina: Einer der größten Events ist der World Bread Day, der gigantische Ausmaße hat. Du bist Initiatorin. Was ist die Idee und wie viele machen inzwischen mit?

Zorra: Die Idee des World Bread Day an sich ist nicht von mir. Der Internationale Verband der Bäcker und Bäcker-Konditoren hat vor Jahren den 16. Oktober als Weltbrottag als Marketingaktion ausgerufen. Ich habe diese Idee aufgegriffen und ins Web gebracht. Seit 2006 backen jedes Jahr am 16. Oktober hunderte von Bloggern Brot und bloggen auch an diesem Tag darüber. Letztes Jahr haben über 340 Blogger aus der ganzen Welt teilgenommen. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr diese Zahl erneut toppen!

Katharina: Du bist eine passionierte Brot-Bäckerin. Wo kommt die Leidenschaft her?

Zorra: Andalusien ist nicht unbedingt für seine Brotvielfalt bekannt. Weissbrot ist vorherrschend. Irgendwann hat man genug davon und sehnt sich nach Abwechslung. Da habe ich beschlossen selbst Brot zu backen. Die ersten Versuche gingen total daneben, doch mit etwas Unterstützung von Cascabel von Chili und Ciabatta hat es dann geklappt. Seit da backe mindestens einmal in der Woche Brot. Es gibt fast nichts Schöneres als ein warmes, duftendes Brot aus dem Ofen zu holen und ihm beim Abkühlen bzw. Knistern zuzuhören.

Katharina: Welche kulinarischen Themen machen Dir daneben zurzeit besonders Spaß?

Zorra: Selbstverständlich das jeweilige Thema des Blog-Events (aktuell Oesterreich kulinarisch) und da ich einen eigenen Garten habe und die Erntezeit angefangen hat, ist Gartenküche zurzeit ein grosses Thema für mich.

Katharina: Herzlichsten Dank!

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Veröffentlicht im Juni 2013

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