Interview: Stevan Paul über Monsieur, der Hummer und ich

Interview: Stevan Paul über Monsieur, der Hummer und ich

Monsieur, der Hummer und ich
Stevan Paul, mairisch Verlag (2009)

Der ehemalige Restaurant-Koch und heutige Autor Stevan Paul hat einen wunderbaren Erzählband veröffentlicht. „Monsieur, der Hummer und ich“ versammelt kulinarische Geschichten, denen der Autor in seinem Berufsleben, als Freund oder passionierter Foodie begegnet ist. Mit seiner eleganten Feder wurden daraus sehr lesenswerte Erzählungen. „Dann sind wir Helden, nur an diesem Tag“ oder „Der Hummer, Cohn-Bendit und ich“ haben mich dazu verführt, das Buch in einem Rutsch durchzulesen, so dass leider keine Geschichte mehr übrig blieb. Aber zum Glück hat er das Buch mit Rezepten bestückt.

Katharina: Stevan, in Deinem Buch erzählst Du auch von Erlebnissen als Restaurant-Koch. Was hat Dich zunächst an diesem Beruf gereizt und wie kam es, dass Du schließlich Autor geworden bist?

Stevan: Nach meinem eher unrühmlichen Abschied aus dem Deutschen Bildungswesen, ich war sehr, sehr faul in der Schule, musste ich mir früher als geplant einen Beruf suchen. Eine Kochlehre war nahe liegend, ich habe schon immer gerne gekocht. Und so habe ich erstmal goldenes Handwerk erlernt. Eigentlich wollte ich damals Journalist werden und studieren, schwierig ohne Abitur. Heute bin ich sehr dankbar dafür, wie die Dinge damals gelaufen sind, ich merkte schnell: Kochen ist meine Berufung. Das Schreiben habe ich nie aufgegeben, hab’ mich in den ersten Internetforen und auf Poetry Slam-Bühnen ausgetobt und gemerkt, oh, das interessiert ja jemanden! Heute arbeite ich neben meinem Beruf als Foodstylist eben auch als freier Autor für kulinarische Themen, schreibe für Zeitschriften und Magazine. Ich kann jetzt meine Liebe zum Kochen, mit meinem Fachwissen und der Freude am Schreiben verbinden.

Katharina: Welcher Deiner Geschichten war der Beginn für das Buch und warum?

Stevan: Es gibt tatsächlich eine erste Version von „Ich bekochte Wolfram Siebeck“, die ist gute fünfzehn Jahre alt und fünf Lese-Minuten lang, eben Poetry Slam Format. Mit „Ich bekochte Wolfram Siebeck“ hatte ich auch meinen ersten großen Liveauftritt vor 400 Leuten im Malersaal im Hamburger Schauspielhaus, die Literaturbühne Macht-Club hatte eingeladen und ich hab die Vorband für Frank Goosen gemacht, der damals, 2001, einen riesen Erfolg mit seinem Buch liegen lernen hatte. Ich wär’ fast kollabiert vor Aufregung, aber das Publikum war sehr nett zu mir, hat viel gelacht und ordentlich geklatscht.

Katharina: Gibt es Etwas, was Du an Deinem alten Beruf vermisst?

Stevan: Ehrlich gesagt nicht. Ich koche ja immer noch täglich. Aber ich habe nicht vergessen, was Köche leisten und großen Respekt vor dieser Arbeit. Ich würde wahrscheinlich heute keinen einzigen Abendservice mehr überleben. Schön, dass durch Fernsehköche wie Jamie Oliver, Johann Lafer und Tim Mälzer das Ansehen des Kochberufes deutlich gestiegen ist. Endlich begreifen die Leute, dass nicht der freundliche Service ihr Essen gekocht hat, sondern dass da hinten Köche stehen und hart arbeiten. Und immer mehr junge Menschen wollen den Kochberuf erlernen, das kommt uns allen dann in ein paar Jahren zugute.

Katharina: In dem Titel Deines Buches hast Du “Monsieur” aufgenommen. In Deinem Buch ist nachzulesen, dass es eine Anspielung auf Deinen ehemaligen Vorgesetzten ist, der Chefkoch eines Restaurants.  Verrätst Du seinen Namen? Was hat er Dich neben dem Kochen gelehrt?

Stevan: Ganz klar ist es auch in meinem Buch wie so oft in der Literatur: die Realität kann bestenfalls Stichwortgeber für den Autor sein. Der „Monsieur“ im Buch ist aber, in Facetten, durchaus meinem Lehrmeister Albert Bouley ähnlich und gerade in der Geschichte „Dann sind wir Helden, nur diesen Tag“ war es mir ein Anliegen, ihn in ein paar Sätzen zu Ehren. Ich verdanke Albert Bouley sehr viel, er gab mir das Rüstzeug für meinen Beruf und stellte in vieler Hinsicht die Weichen. Er lehrte seinen Lehrlingen nämlich neben dem Kochen auch Dinge wie Respekt, Gastfreundschaft und Disziplin, er zeigte uns, dass es Spaß macht Leistung zu bringen, das hatten wir in der Schule nicht gelernt. Aus meiner Lehre in seinem Restaurant Waldhorn in Ravensburg ist soviel Gutes erwachsen, dass ich auch einen weiteren einschneidenden Lebensabschnitt dort begann: Ich fragte die Liebste bei einem Essen im Waldhorn, ob sie meine Frau werden möchte. Sie dachte damals den ganzen Abend, ich sei so aufgeregt weil wir meinen Lehrherren besuchten.

Katharina: Stevan, Du lebst und kochst in der schönen Stadt Hamburg? Wo kaufst Du am liebsten frisches Gemüse, Käse und Fleisch ein? Und wo den Hummer?

Stevan: Mein Gemüse kaufe ich beim Türken um die Ecke, wenn Zeit ist auf dem Isemarkt, der bei uns in der Nachbarschaft liegt. Auf Hamburgs schönstem Markt gibt es dann verbrieft Ware aus der Region und man bekommt auch wieder ein Gefühl für die Jahreszeiten, weil das Angebot an den Bauernständen dementsprechend ist. Käse kaufe ich ebenfalls auf dem Markt oder aber einfach auch im Supermarkt. Bei Fleisch und Fisch bin ich eigen, da fahre ich auch durch die Gegend für. Biofleisch und die köstlichsten, frischen Bratwürste gibt es bei der Schlachterei Jacob (Weidenstieg 15, 20259 Hamburg), die liefern auf Bestellung auch mal einen besonderen Zuschnitt oder besorgen eine rare Innerei. Den Hummer, wie alles aus Meer und See, kaufe ich bei Lerch Hummer & Co (Große Elbstrasse 178, 22767 Hamburg). Hummer gibt es in meiner Küche allerdings höchst selten: zuletzt während meiner Zeit als aktiver Koch und jetzt wieder für das Cover-Foto vom Buch.

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Veröffentlicht im September 2009

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