Interview: Kochbuchautorin Sonja Riker

Interview: Kochbuchautorin Sonja Riker

Interview zu: Nachtisch bitte
Sonja Riker
Fotos Andrea Lipp
Folio Verlag (2016)

Sonja Riker eröffnete 2006 auf dem Elisabethmarkt in München den Suppenladen Susa Suppenglück. Vier Jahre später erschien ihr erstes Kochbuch zu dem Thema, das hier auf Valentinas Maßstäbe setzte. Nun hat die ehemalige Journalistin des Bayerischen Rundfunks in das Dessert-Genre gewechselt. Zeit nachzufragen.

Ein Gespräch über Zucker, der Aromen verschluckt, Mitbringsel aus dem Oman und Trends.

Katharina: Was war Anlass für die Neuerscheinung „Nachtisch bitte“?

Sonja: Danke! 10 Jahre Suppenglück feiern wir im Herbst/Winter dieses Jahr – „Nachtisch bitte“ sind die gesammelten Nachtischrezepte aus dieser Zeit. Was Süßes nach der Suppe war immer mit im Angebot.

Katharina: Das erste Kapitel „Nie alle“ ist benannt nach der Keks-Blechdose Deiner Großmutter, die diese Aufschrift trug. Hier finden sich Rezepte wie Rosmarin-Heidesand, Mohn-Cookies und Short Bread mit Fleur de Sel. Besonders ins Auge fiel mir das Rezept für Brownie Four aus schwarzem Quinoa, Bitterschokolade und gemahlenen Mandeln. Wow. Wie kam es zu diesem Rezept und was für ein Geschmackserlebnis erwartet uns?

Sonja: Das Standard-Brownierezept hat ja immer einen Mehlanteil dabei – den habe ich dann mit der Zeit immer mehr durch gemahlene Nüsse ersetzt und so experimentiert: Da ich Aroma und das crispe Gefühl im Mund von Quinoa so besonders finde, wollte ich herausfinden, ob die Kombi zusammenpasst – ich finde: Ja!

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Katharina: Apropos Quinoa, der Inbegriff der gegenwärtigen Trendzutat. In der Einleitung schreibst Du: Essen wird zur Glaubensfrage und zur Wissenschaft für jedermann . Was passiert da gerade aus Deiner Sicht?

Sonja: In den letzten zehn Jahren hat sich Genuss und Essen als Lebensmittel gewandelt: Heute ist Essen ein Körper-Optimierungsprodukt (Quinoa ist dann eben Superfood). Ein Lifestyle-Thema und oft dabei, sich auf geradezu absurde Weise zu perfektionieren. Wenn Veganer Vegetarier ausgrenzen oder Fleischesser „Gemüsefuzzis“ verhöhnen, dann finde ich das einfach nur schrecklich. Essen ist etwas Wunderbares und ein Teil des Lebens – schafft Gemeinschaft und Spaß.

Katharina: Bei Deiner Rezeptauswahl finden sich immer wieder Referenzen an kulinarische Trends, wie z. B. die Limetten-Avocado-Tarte mit Mascarpone und Basilikum oder der Rot-Gelb-oder-Grün-Kastenkuchen mit Rote Bete, Zucchini oder Karotten, aber auch klassisch anmutende Kreationen. Was zeichnet die Rezepte in „Nachtisch bitte“ aus?

Sonja: Klar arbeite ich gerne mit Trends bzw. kann denen ja gar nicht aus dem Weg gehen – warum auch? Das Alte mit dem Trendigen verbinden – das finde ich spannend, also äußerlich die Form des Gugelhupfes, aber mit Quark oder Ingwer, oder Rote Bete im Kasten, weil immer Marmor ja auch nicht so spannend ist. Dazu grundsätzlich: wenig Zucker. Nicht, weil Zucker schlecht ist, sondern er viele andere Aromen „verschluckt“ und wir schon einfach viel Zucker essen – rund 30 kg pro Jahr!

Katharina: Für die Aprikosentarte wird ein Boden aus getrockneten Aprikosen, Mandeln und Orangensaft zubereitet. Belegt wird sie wird mit frischen Aprikosen, Crème fraîche und Holunderblütensirup. Meine Frage gilt dem Boden, der meine Neugierde weckt: Was hat Dich zu ihm inspiriert, zu welcher Konsistenz und welchem Aroma führt er?

Sonja: Inspiriert hat mich eine Reise in den Oman. Dort sind getrocknete Datteln oder Feigen mit Büssen die Unterlage für eine Süßspeise oder Kuchen. Frische Sommeraprikosen sind wunderbar und die getrockneten verstärken dann das Aprikosenaroma auf besondere Weise. Das was die Idee.

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Katharina: Verrätst Du, welche der Rezepte Bestseller bei den Kunden waren bzw. sind?

Sonja: Auf jeden Fall die Engadiner Walnusstörtchen, Elisenlebkuchen, Brownie Four und die Strudelvariationen.

Katharina: Noch zwei Fragen zu Deinem Suppenladen. Es gibt ihn nun seit 10 Jahren auf dem Elisabethmarkt. Du bietest hier Suppen im Pfandglas und sogar im Thermotopf, Säfte und Gewürze an. Im Rückblick: Was waren wichtige Erfahrungen und Entscheidungen als selbständige Unternehmerin und Foodentrepreneurin?

Sonja: Der schönste Satz war: Danke fürs Kochen – die härteste Erfahrung: wie schwer es ist, gute und passende Mitarbeiter zu finden. Und die wertvollste Erfahrung: Weniger ist mehr!

Katharina: Herzlichsten Dank!

Zu den Rezepten des Autors

Veröffentlicht im Dezember 2016

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