Interview: Kochbuchautorin Maja Nett

Interview: Kochbuchautorin Maja Nett

Interview zu Pastaglück –
Nudelsalat im Glas
Maja Nett
Edition Fackelträger
Mehr über den Verlag

Jede Blogosphäre hat seine Mitte. Zu der kulinarischen gehört Maja Nett, bestens vernetzt und immer interessiert an neuen Ideen. Ihr Blog Moey’s kitchen ist Heimat für gutes Essen und Wissenwertes übers Kochen.
Zeit für ein Gespräch – über das Leben als Food-Bloggerin, Familientreffen mit Deviled Eggs und ihr drittes Kochbuch „Pastaglück – Nudelsalat im Glas“.

Katharina: Maja, erzähl bitte – Dein erster Blogpost vor sechs Jahren: Welches Rezept ging als Premiere live und welches Gefühl beherbergten die Zeilen dazwischen?

Maja: Es ist schon eine Weile her, aber ich erinnere mich genau. Mein allererster Beitrag ist eine Ankündigung: „Ich weiß, ich weiß, mein Blog ist schon lange überfällig. Naja, jetzt nutze ich einfach mal die Gelegenheit und starte durch!“

Meine ersten drei Blogbeiträge gingen dann alle noch am gleichen Tag online und waren alles weihnachtliche Cupcake-Rezepte: Spekulatius-Cupcakes mit Mascarpone-Frosting, Dominostein-Cupcakes mit Nougat-Buttercreme und Ahornsirup-Walnuss-Cupcakes mit Ahornsirup-Frischkäse-Frosting.

Die Beiträge, die rein aus dem Rezept und zwei Bildern bestehen, spiegeln tatsächlich auch genau das wider, als was mein Blog ursprünglich gedacht war: Ich wollte meine liebsten Rezepte mit meinen Freunden und meiner Familie teilen. Schon 2009 hatte ich als Autorin an einem kleinen Cupcake-Buch gearbeitet und Kollegen und Freunde regelmäßig mit meinen Backwaren beglückt. Es kamen natürlich Nachfragen nach Rezepten, und so sah ich in einem Blog eine tolle Gelegenheit, eine eigene Seite zu haben, um meine Rezepte zugänglich zu machen. Damals gab es noch nicht allzu viele Foodblogs in Deutschland, und ich wusste auch noch nicht, wo die Reise hinging. Aber ich wusste, dass meine Cupcakes gut angekommen waren und wollte meine Rezepte weitergeben. Damals habe ich nicht mal drüber nachgedacht, dass auch fremde Menschen meine Beiträge lesen könnten …

Katharina: Wie bereichert heute das Bloggen Dein Leben?

Maja: Es ging ganz langsam und stetig wachsend zu. Ich teilte meine Rezepte weiter – und irgendwann bekam ich Feedback von mir unbekannten Lesern. Meine Rezepte wurden plötzlich im Internet gefunden! Ich schrieb längere Texte, erzählte die Geschichte hinter den Gerichten, und mein kleiner Blog wuchs und wuchs immer weiter. Heute ist das Bloggen mein größtes und liebstes Hobby! Ich liebe es nach wie vor, meine Rezepte zu teilen, und ich freue mich riesig, wenn Leute meine Rezepte ausprobieren und darüber berichten. Aber auch das Drumherum spielt eine wichtige Rolle: Ich änderte mehrfach das Design, setzte Social-Media-Kanäle auf, verbesserte meine Fotos, lernte dazu und lerne immer noch jeden Tag. Ich vernetze mich mit anderen Bloggern und teile meine Leidenschaft mit anderen. Nebenbei bekam ich auch die Gelegenheit, eigene Kochbücher zu schreiben und arbeite heute auch nebenberuflich als Rezeptentwicklerin für Verlage und Unternehmen.

Katharina: Jeder hat eine kulinarische Biografie. Welche Phasen haben Dich besonders geprägt in der vergangen sechs Jahren?

Maja: Überhaupt erst ausschlaggebend für meinen Blogstart waren meine USA-Reisen. Meine Schwester lebte als Au-Pair in den USA, als ich sie dort 2009 das erste Mal besuchte. Und sofort war es um mich geschehen: Die amerikanische Küche war meine Welt. Von Muffins über Cupcakes, die gerade mehr oder weniger bei uns angekommen waren, von Granola über Toastbrot bis Zitronenlimonade – hier fühlte ich mich zu Hause. Diese Rezepte wollte ich mitbringen, selber ausprobieren und teilen. So fing alles an und bis heute begleitet mich meine Liebe zur amerikanischen Küche, die man immer wieder im Blog findet. Vor allem phasenweise, wenn ich mal wieder im USA-Urlaub war.

Ein weiteres Kochthema, das mich begeistert hat, ist das Rezept für Ofenrisotto von Donna Hay. Hier wird der Risottoreis einfach in Brühe im Ofen gegart, später werden Butter und Parmesan untergerührt und das Ergebnis ist einfach immer perfekt. Deswegen gibt es zu diesem Rezept bereits diverse Abwandlungen im Blog, und es ist bis heute eines der wenigen Gerichte, die wirklich regelmäßig bei mir auf den Tisch kommen.

Auch ich habe mich entwickelt und längst von einer Phase zu einer festen Institution ist bei mir die saisonale und regionale Küche geworden. Bei mir kommen im Januar keine frischen Beeren ins Müsli. Abgesehen vom fragwürdigen Transport aus fernen Ländern schmecken sie im Vergleich zu unseren heimischen sonnengereiften Beeren im August einfach nach gar nichts und ich sehe keine Notwendigkeit dafür. Jeder mag das anders sehen, aber ich sehe mich auch ein bisschen als Vorbild, wenn ich Rezepte im Internet veröffentliche, und da ist mir die Herkunft der Lebensmittel einfach wichtig. Nur weil dank Globalisierung immer alles verfügbar ist, muss man als Verbraucher nicht zwangsläufig auf den Zug aufspringen und alles mitmachen. Keine Frage, ich betreibe keinen Vegan- oder Clean-Eating-Blog, im Gegenteil: Bei mir findet man ziemlich viele Leckereien mit ordentlich Zucker. Dennoch ist es mir wichtig, was ich esse und wo es herkommt. Diese „Geiz-ist-geil-Mentalität“ mit Hackfleisch für 1,99 € im Angebot ist mir ein Graus. Insgesamt finde ich es auch eher erschreckend, was für einen geringen Stellenwert Lebensmittel in Deutschland haben. Ich halte nichts von Essen als bloße Nahrungsaufnahme, für mich spielt Genuss eine große Rolle. Dazu gehört auch, dass nicht jeden Tag Fleisch auf den Tisch kommen muss. Deswegen ist meine klassische Feierabendküche unter der Woche auch vegetarisch geprägt und ich versuche mit meinen Rezepten, ein Verständnis zu vermitteln.

Katharina: Deine Liebe zum Kochen ist familiär geprägt, schreibst Du auf Deinem Blog. Welche Rolle spielen das Kochen und Essen in Deiner Familie?

Maja: Meine Familie besteht aus klassischen Genießern: keine Familienfeier ohne Brunch, Lunch, Kaffee und Kuchen und Abendbrot. Wenn wir zusammenkommen, bringt jeder etwas mit und wir essen und genießen von morgens bis abends. Meine Mutter ist eine begeisterte Köchin, die alles in eine Kladde schreibt, und sie hat mir viele schöne Ideen mitgegeben – heute ist sie begeisterte Leserin meines Blogs. Wir tauschen Rezepte und Bilder von unserem Essen über WhatsApp aus und begeistern uns gegenseitig mit unseren Ideen. Meine Großmutter ist Amerikanerin und bereitet zu jedem Familientreffen Deviled Eggs (gefüllte Eier) und Apple Crumble (Äpfel mit Streuseln) zu – daher kommt auch meine Liebe zur amerikanischen Küche. Auch sie hat ein kleines Buch in ihrer Küche liegen, in das sie alles einträgt. Dazu haben wir alle eine Leidenschaft für Kochbücher. Mein Onkel schenkte mir zum 18. Geburtstag das erste Kochbuch von Jamie Oliver, der mich bis heute in meiner eigenen Küche inspiriert und begeistert.

Ansonsten trinken wir gerne guten Wein und philosophieren über die mitgebrachten Gerichte – die Liebe zum Essen und zum Genuss wurde mir quasi in die Wiege gelegt! Meine Großmutter väterlicherseits war Kölnerin und kochte eine typisch rheinische Küche mit Sauerbraten und Heringssalat – was ich als Kind leider gar nicht mochte … Dafür brachte sie mir bei, wie man Brot backt, und verwandelte die ungenießbaren Äpfel aus unserem Garten in einen herrlichen Apfelkuchen. Schon als Kind war ich so immer ins Kochen und Backen involviert und durfte alles ausprobieren. Deswegen habe ich bis heute keine Scheu, Neues auszuprobieren und koche und backe viel intuitiv und ohne Rezept.

Katharina: Arbeiten und Kochen unter der Woche oder sogar für die Mittagspause ist zwar kulinarisch erstrebenswert, aber aufwendig. Wie gelingt Dir das? Gibt es ein paar hilfreiche Kniffe, wie man es sich leicht organisiert?

Maja: Es ist ein ewiger Spagat, unter der Woche vernünftig zu kochen. Ich habe einen normalen Vollzeitjob, komme spät nach Hause und möchte natürlich trotzdem möglichst frisch kochen. Tatsächlich ist der einfachste Weg, am Wochenende vorzukochen. Ich koche einen großen Topf Suppe oder einen Auflauf und friere einzelne Portionen ein, die mein Mann und ich dann unter der Woche ins Büro mitnehmen und nur noch in der Mikrowelle erwärmen müssen. Im Büro gibt es mittags sonst oft Brot und grünen Salat und abends ein schnelles Gericht. Tatsächlich nimmt diese schnelle Feierabendküche einen großen Raum in meinem Blog ein. Mal sind es Pastagerichte, mal das Ofenrisotto, manchmal aber auch eine schnelle Blätterteig-Quiche oder bloß ein Käsetoast aus dem Kontaktgrill. Auch da koche ich in der Regel direkt 4 Portionen, sodass wir am nächsten Tag noch etwas zum Mitnehmen ins Büro haben. Es bedarf oft natürlich einer Planung, und ich bewundere alle Menschen, die einen festen Wochenplan aufstellen. Mich schränkt das irgendwie zu sehr ein, ich koche eher spontan und nach Lust und Appetit. Und um schon mal vorzugreifen: Genau diese Krux des schnellen Mittagessens im Büro war mit ein Grund für mein aktuelles Kochbuch „Pastaglück“.

Katharina: Inzwischen hast Du Dein drittes Kochbuch veröffentlicht: „Pastaglück – Nudelsalat im Glas“. Meinen herzlichsten Glückwunsch. Erzähl uns bitte von der Entstehungsgeschichte und dem Konzept „Salat im Glas“!

Maja: Vielen Dank! „Salat im Glas“ ist schon seit ein paar Jahren ein großes Thema in der Foodie-Szene. Die Idee dahinter ist, dass man wunderbar verschiedene Gläser vorbereiten und befüllen kann, um sie mit ins Büro zu nehmen. Dort gießt man nur das Dressing drüber und hat ein leckeres Mittagessen. Statt grünem Salat sind der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt: Hülsenfrüchte, Getreide – alles ist möglich und kann problemlos ins Glas geschichtet werden. Oft habe ich mich bei diesen Gerichten aber gefragt, warum sie in ein Glas kommen und warum man sie nicht einfach in eine leichtere Plastikdose verpackt …

Denn das einzige, was es bisher noch nicht gab, war ein Buch über Nudelsalate im Glas. Und mal ehrlich, wer mag keinen Nudelsalat? Die Idee dahinter ist so simpel wie clever: Zuerst kommt immer das angerührte Dressing ins Glas, darauf dann die gekochten Nudeln. Der Trick ist, dass die Nudeln im Dressing liegen, schön marinieren können und alle Zutaten, die auf den Nudeln liegen, nicht feucht werden. Dafür sorgt die Form des Glases. So kann man auch grüne Blattsalate oder sogar Croûtons mit hineinschichten und über Nacht in den Kühlschrank stellen, ohne dass sie welk oder weich werden. Je nach Zutaten lassen sich Salate für mehrere Tage vorbereiten und im Kühlschrank aufbewahren. So greift man morgens nur nach dem Glas und kann es mit ins Büro oder in die Uni nehmen. Mittags schüttelt man kräftig alles direkt im Glas durch, damit sich das Dressing mit den anderen Zutaten vermischt, und kann einen knackfrischen Salat genießen.

Katharina: Nudeln stehen im Mittelpunkt: neben Pasta auch Vermicelli, Mie und Soba. Welche Eigenschaften bzw. Aroma bringen sie mit, dass sie sich für das To-go besonders eignen?

Maja: Ich wollte möglichst vielfältige Ideen mit ins Buch einbringen. Neben den klassischen Nudelsalaten, wie wir sie kennen, oder italienisch inspirierten Ideen, sollten es auch asiatische Gerichte sein. Zuerst war ich skeptisch, ob kalte asiatische Nudelsorten schmecken. Das tun sie! Zusammen mit asiatischen Gewürzen, Gemüse und/oder Fleisch bekommt man eine herrliche Abwechslung ins Glas. So findet sich für jeden Geschmack und jede Gelegenheit eine Rezeptidee im Buch, damit ja keine Langeweile aufkommt.

Katharina: Was hat Dir bei der Entwicklung der Rezepte besonders Freude gemacht, und welche sind die perfekten Einstiegsrezepte für einen neugierigen Foodie wie mich?

Maja: Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie vielfältig Nudeln sein können. Jedes Rezept ist etwas komplett Eigenes und bringt einen ganz bestimmten Geschmack rüber, die Kombinationsmöglichkeiten sind dabei unendlich. Ob asiatische Nudeln mit Reisessig und Sojasauce im Dressing, klassischer Nudelsalat mit Mayonnaise oder italienischer Nudelsalat mit Balsamico und Olivenöl – es schmeckt alles großartig, und kein Salat schmeckt wie ein anderer. Das macht die Idee auch so attraktiv: Die Rezepte sind so abwechslungsreich, dass man nicht am zweiten Tag schon sagt, dass man keine Nudeln mehr sehen kann.

Es gibt in jedem Rezept etwas Neues zu entdecken. Tatsächlich bin ich bei der Rezeptentwicklung für das Buch so vorgegangen, dass ich mir überlegt habe, welche Kombinationen ich generell mag, und habe dann versucht, sie in einen Nudelsalat zu überführen. Zum Beispiel Wassermelone und Feta als Salat. Die Kombination funktioniert auch hervorragend mit Pasta! Ich habe viel getüftelt und experimentiert und war ganz aus dem Häuschen, wenn geplante Kombinationen wie gewünscht funktioniert haben.

Das Schöne an den Rezepten ist, dass die meisten unglaublich einfach sind. Das Buch ist in drei Kapitel unterteilt: „Keep it simple!“ sind super einfache Rezeptideen, die schnell gemacht sind. Hier müssen nur Zutaten vorbereitet und vermischt werden. Zu meinen Lieblings-Einsteiger-Rezepten gehören zum Beispiel der vegetarische griechische Nudelsalat mit Salatgurke, schwarzen Oliven, roter Zwiebel und Feta. Einfach und lecker! Mein Favorit im Herbst und Winter ist der vegetarische Nudelsalat mit Birnen, Walnüssen und Gorgonzola. Als Kombination schon immer eine sichere Bank und jetzt auch in der Kombination mit Pasta und Feldsalat.

Das Kapitel „Everyday Lunch“ ist ein klein wenig anspruchsvoller, hier wird auch mal gebrutzelt und die Zutaten werden ausgefallener. In „Think big!“ schließlich darf es auch mal ein bisschen länger dauern, ich gare zum Beispiel Kürbis im Ofen, mache Grillgemüse, pochiere Lachs oder bereite eine Tapenade zu. Da sollte sich wirklich für jedes Zeitfenster und jeden Geschmack etwas finden lassen.

Katharina: Welchen Einfluss hat das Bloggen auf das Kochbuchschreiben und umgekehrt?

Maja: Tatsächlich ist es so, dass ich aus der Verlagsbranche komme und schon 2009 erstmals Rezepte für ein Kochbuch geschrieben habe. Ich kenne deswegen die Vorgaben aus dem Lektorat und habe meinen Blog auch entsprechend aufgebaut. Deswegen fiel es mir nicht schwer, klassische Kochbuchrezepte zu schreiben. Ansonsten ist es jedoch so, dass man beim Bloggen viel freier ist: Jeder darf in seinem Blog machen, was er will. Ob Prosatexte in persönlicher Ansprache, weggelassene Zubereitungsschritte (z. B. das Waschen von Zutaten), durcheinandergewürfelte Angaben oder sogar gereimte Zubereitungstexte – jeder hat seinen eigenen Schreibstil.

Doch spätestens wenn ein Blogger erstmals ein Kochbuch schreibt, ist Disziplin gefragt: Jeder Buchverlag hat seine eigenen Vorgaben. Man hat eine Zeichenbegrenzung, muss sich auf Bezeichnungen festlegen (z. B. Lauch statt Porree) und die Reihenfolge der Zutaten streng im Rezept einhalten. Ich mag das Übersichtliche und Ordentliche daran sehr und übertrage es gerne in meinen Blog. In meinen Texten schreibe ich auch mal ausschweifende Prosa, in meinen Rezepten möchte ich mich auf das Wesentliche beschränken und das Rezept klar und strukturiert wiedergeben. Ansonsten hilft mir die Disziplin vom Rezepteschreiben für die Kochbücher auch sehr für den Blog: man lernt dadurch, sich zu organisieren und ein realistisches Zeitmanagement zu entwickeln.

Katharina: Meinen herzlichsten Dank!

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Veröffentlicht im Mai 2017

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