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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | March 23, 2017

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Interview mit Kochbuchautorin Eschi Fiege

Interview mit Kochbuchautorin Eschi Fiege
Leute

Interview zu: Lovekitchen – Rezepte für 2
Eschi Fiege
Fotos Vanessa Maas
Brandstätter (2016)
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Eschi Fiege, publizistisch und praktisch bekannt durch ihren beliebten Wiener Mittagstisch, hat sich in den vergangenen Monaten Neuem gewidmet, einem weiteren Buchprojekt. Dafür hat sie in das Herz des gemeinsamen Genusses geblickt.

Herausgekommen ist ein betörend schönes und kulinarisch verlockendes Kochbuch mit dem Titel Lovekitchen, mit Rezepten für 2 und erzählerischen Petit Fours.

Katharina: Meinen herzlichsten Glückwunsch zu Deinem neuen Kochbuch. Nach Deinem Mittagstisch steht nun die Liebe im Mittelpunkt. Was erwartet die Leserin, den Leser kulinarisch und erzählerisch?

Eschi: Vor allem ein leidenschaftliches und persönliches Buch – und Rezepte die auch im normalen Leben funktionieren und das Leben schöner machen – wie ich hoffe. Und ganz viele Geschichten über die Liebe.

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Katharina: Wovon hast Du Dich bei der Rezeptgestaltung leiten lassen?

Eschi: Die Rezepte – wie alles in dem Buch – sollten einen Seufz!-Faktor haben. Sie sollten einen berühren.

Katharina: Deinen Rezepten im Buch gibst Du jeweils den Blick auf die Liebe mit, aber auch Küchenwissen, wie zum Beispiel beim Matjes-Gericht. Würdest Du bitte hier für die Leser gekürzt erläutern, warum dem Matjes ein Platz in einem Kochbuch über die Liebe sicher ist? Ich fand das so schön und ich liebe zudem den Küsten-Klassiker.

Eschi: Es ist ein symbolisches Gericht, das alles, was zur Liebe gehört, vereint. Es ist schön salzig & milchig-mild wie die Liebe selbst. Es ist Apfel dabei: das Symbol für Sünde und Erkenntnis – da muss man nicht viel dazu sagen in Bezug auf die Liebe – finde ich – Dann ist noch die Urmutter der Gewürze dabei: die Zwiebel, und die eingelegte Gewürzgurke, die für die Kunst steht, die Liebe zu erhalten.

Katharina: Dein Kapitel Vorspeisen titelst du auch als Falling in Love. Daher die Frage an Dich: Welche Rolle nimmt sie bei einem gemeinsamen Essen ein und welche die Nachspeise?

Eschi: Die Vorspeise begrüßt Dich, die Nachspeise verabschiedet Dich – das ist der Geschmack, den Du noch auf der Zunge trägst, wenn das Essen längst vorbei ist.

Katharina: Lustwandelt die Köchin durch deine Rezeptseiten, so trifft sie z. B. auf Fleischbällchen mit Schmorgurken & Steinpilzen, Gefüllte Polentaküchlein und Grüne Frühlingssuppe mit Waldmeister & Wachtelei. Welche Länderküchen beeinflussen Dein Kochen besonders?

Eschi: Ganz klar die norddeutsche Küche – da kam mein Vater her – und die italienische, da kam meine Mutter her – und dann natürlich die Wiener Küche – denn da lebe ich!

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Katharina: Gefreut hat mich auch, das Rezept mit Birnen, Bohnen & Speck in Deinem Kochbuch zu finden. Das Gericht erinnert mich an meine Großmutter, die es regelmäßig zubereitete. Wie hast Du es kennengelernt? Und was war der erste Eindruck?

Eschi: Bei meiner Hamburger Großmutter Erna. Die wohnte in den Grindelhochhäusern und stolperte über den spitzen Stein. Ich habe es sofort geliebt. Die Mischung aus salzig und süß – das ist das Beste!

Katharina: Als Kein-Menü-ohne-Dessert-Esserin hat mich das süße Kapitel extrem entzückt. Die Qual der Wahl unter Novitäten. Daher die Frage: Auch wenn Du Deine Rezept-Kinder alle gleich liebst, mit welchen drei sollte man als Köchin beginnen?

Eschi: Diese Frage ist unbeantwortbar. Das kommt auf so viele Faktoren an. Ist Sommer oder Winter? Wird gemeinsam gekocht – wie gut kocht der andere – damit es nicht zu schwer wird? Worauf habe ich Lust – will ich Romantik oder Beruhigung – will ich jemanden beeindrucken, trösten oder aufheitern? Das ist wirklich völlig von den Absichten abhängig. Aber mit den Feigen als Dessert macht man nie was falsch – mit dem Sugo von meiner Mama Traute auch nicht und als Vorspeise die Steinpilze. Das sollte eigentlich so gut wie immer passen.

Katharina: Jedes Projekt hat seine Höhen und Tiefen. Wie lange hast Du an dem Kochbuch gearbeitet und gab es auch dramatische Momente?

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Eschi: Alles in allem haben wir, Vanessa Maas, die all die wunderschönen Fotos für meine Bücher macht, und ich etwa ein Jahr gearbeitet. Dramatik gibt es bei unserer Zusammenarbeit nicht, nur intensive Auseinandersetzung und viel Freude. Wenn uns etwas nicht gefällt oder nicht so aussieht, wie wir uns das vorgestellt haben, dann machen wir es einfach so lange anders, bis es uns gefällt. Der einzig wirklich aufregende Moment war, als wir die ersten PDFs von den fertigen Buchseiten bekommen haben und die Farben überhaupt nicht stimmten. Die uns aber extrem wichtig waren. Wir wollten intensive Farben – weil wer verliebt ist – wer liebt – sieht schönere Farben – da ist alles intensiver – und so sollte es auch im Buch sein. Da wir aber so extreme Farben verwendet haben, konnten die teilweise in den Farbräumen der Druckerei gar nicht dargestellt werden. Da waren wir kurz ratlos. Aber wir haben einen Weg gefunden – und jetzt sind sie da, die Farben – genau so leuchtend, wie wir sie haben wollten. Das gehört alles zu den Entstehungsprozessen dazu. Ich liebe das alles!

Katharina: Du bist eine Kochbuchliebhaberin. Das Kronen-Kochbuch und Marco Pierre White gehören zu deinen Favoriten. Was liebst Du an dem Genre Kochbücher?

Eschi: Das Kronenzeitungs-Kochbuch ist nicht unbedingt eins mein Lieblingskochbücher – aber es ist toll, um die Grundzüge der Wiener Alltagsküche nachzulesen. Im Moment ist eher Nigel Slater mein Held – sein kleines Buch Eat finde ich ganz toll – oder das: Ducksoup Cookbook – The Wisdom of Simple Cooking – das ist wahnsinnig schön. Ich liebe Kochbücher, weil sie nie langweilig werden. Man kann sie wieder und wieder zur Hand nehmen und immer wieder entdeckt man was Neues. Also in den Guten zumindest. Und sie beflügeln meine Fantasie – ich kann ins Schwärmen und Träumen geraten und meistens bekomme ich Hunger und gehe dann kochen!

Katharina: Herzlichsten Dank!

Geschrieben im Dezember 2016