Interview: Kochbuch-Autorin und Bloggerin Lisa Nieschlag

Interview: Kochbuch-Autorin und Bloggerin Lisa Nieschlag

Anni kocht für Kinder

Lisa Nieschlag + Lars Wentrup
Fotos Julia Cawley, Porträt Anna Haas
Aschendorff Verlag

Jeden Monat verkündet der Landwirtschaftsverlag Münster erstaunliche Zahlen. Dessen Zeitschrift Landlust trotzt allen Nachahmern, obwohl ihr Erfolg an sich schon scheinbar aus dem Nichts kam; die Auflage liegt inzwischen bei über 1 Mio Exemplaren (VDZ). Da muss man sich die Augen reiben. Es gibt aber auch anderes Interessantes aus der westfälischen Stadt zu berichten. Hier lebt und arbeitet auch Lisa Nieschlag. Die Bloggerin und Grafikerin hat bereits drei erfolgreiche Kochbücher veröffentlicht, ein viertes Kochbuch befindet sich auf dem Weg zur Druckerei und ein fünftes ist in der Planungsphase.

Katharina: „Anni kocht in Münster“ war Dein erstes Kochbuch als Autorin. Es liegt inzwischen in der dritten Auflage vor. Wie ist das Projekt entstanden und für welche Küche steht es?

Lisa: Unser erstes Kochbuch ist ein Buch über die regionale westfälische Küche. Wir stellten fest, dass es für das Münsterland kein Kochbuch gibt, das unsere Generation anspricht. Deswegen haben mein Geschäftspartner Lars Wentrup und ich uns überlegt, ein Kochbuch mit regionaler Ausrichtung zu kreieren. Von der Konzeption über die Illustration der Anni-Figur bis hin zu den Fotos lag alles bei Lars, Julia Cawley (der Fotografin) und mir. Wir hatten keinen Verlag und wollten das Buch eigentlich im Eigenverlag erscheinen lassen. Über einen Zufall bekam dann der Aschendorff Verlag mit, dass wir an einem regionalen Kochbuch arbeiteten, und interessierte sich sehr dafür. Zu dem Zeitpunkt waren wir aber schon kurz vor der Drucklegung. Das Konzept überzeugte die Verlagmitarbeiter so sehr, dass sie es so übernahmen und auf den Markt brachten. Es erschien kurz vor Weihnachten 2010 und bis zum Heiligabend waren alle Bücher ausverkauft!

Katharina: Woher kommt Deine Leidenschaft fürs Kochen?

Lisa: Ich stand schon immer gern in der Küche und habe gebacken. Familiär hat das Thema ‚Essen‘ immer eine recht große Rolle gespielt. Das war der Zeitpunkt, als alle beisammen waren und man sich austauschte.

Katharina: Ihr seid ein Team von drei Leuten. Wer macht was bei Euch und wie hat sich die Zusammenarbeit im Laufe der drei Kochbücher verändert?

lizandjewelsLisa: Anfangs war ich für das Gesamtkonzept, die Rezeptrecherche und das Styling verantwortlich, Lars für das Konzept und Design der Bücher, Julia für die Fotografie. Inzwischen fotografiere ich immer mehr selbst. Wir haben auch ständig an der Qualität des Stylings gearbeitet und unser Anspruch an die Fotografie ist immer größer geworden. Aus der intensiven Arbeit an den ersten drei Kochbüchern hat sich ja auch die Idee des Blogs Liz & Jewels – Two girls cooking on two continents ergeben, in dem Julia und ich ein Rezept auf zwei Kontinenten kochen, stylen und fotografieren. Es dreht sich inzwischen bei mir also sehr viel um Food und Food-Fotografie! Das war vor einigen Jahren noch nicht so.

Katharina: Die Kunstfigur der Anni zieht sich durch all Eure Kochbücher. Welche konzeptionelle Idee steckt dahinter?

Lisa: Anni ist eine Großmutter, wie sie im Buche steht! In Reminiszenz an alte Zeiten haben wir sie kreiert und Lars hat sie illustrativ zum Leben erweckt. Sie führt durch die Bücher und taucht immer mal wieder auf. ‚Handschriftlich‘ gibt sie Koch-Tipps. In den ersten beiden Büchern ergänzen auch Impressionen von Münster die Rezepte. Die Fotos sind keine typischen Touristen-Fotos der Stadt, sondern gezeigt werden Ecken und Perspektiven, die vielleicht nicht ganz so alltäglich sind. So als würde ‚Anni‘ eben ganz privat durch ihre Stadt führen.

Katharina: Eure Bücher sind im Aschendorff Verlag erschienen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und welche Vorteile bot Euch der regionale Verlag?

Lisa: Dadurch, dass wir uns für den Aschendorff-Verlag entschieden haben, haben sich Vorteile für die Vermarktung der Kochbücher ergeben. In der Aschendorff-Gruppe erscheint  auch die größte Zeitung der Region, in der in der Anfangszeit fast täglich große Anzeigen für ‚Anni‘ warben. Das ist ein Werbeeffekt, der sonst kaum bezahlbar wäre!

Katharina: Im Hauptberuf bist Du Grafikerin. Wodurch zeichnet sich eine tolle Kochbuch-Grafik in Deinen Augen aus?

Lisa: Ich bin ein visueller Typ und für mich gehört zu einem guten Rezept auch immer ein aussagekräftiges Foto! Mit Fotos kann man so viele Geschichten erzählen und Stimmung erzeugen, dass das für mich extrem wichtig ist. Die moderne Food-Fotografie geht auch weg vom perfekten Styling und hin zu natürlichem Styling. Da dürfen die Krümel auf der Tischdecke dann auch nicht fehlen.

Katharina: Was ist für Dich, gerade international, State of the Art und wo wird es hingehen? Was denkst Du?

Lisa: Für mich ist das Buch „What Katie Ate“ schon State of the Art. Viele der Fotos sind ‚dark & moody‘ und gar nicht perfekt. Natürlichkeit und wenig Gekünsteltes sind definitiv Schlagworte, die mir zu zeitgemäßen Kochbüchern einfallen.

Anni_Kocht_Kinder_315Katharina: Dein aktuelles Kochbuch heißt „Anni kocht für Kinder“. Du bist selber Mutter einer 3 1/2-jährigen Tochter. Welche Erfahrungen rund ums Thema Essen & Kinder hast Du einfließen lassen?

Lisa: Seitdem ich selbst Mutter bin, weiß ich, wie wählerisch Kinder sein können! Und dass sich ihr Geschmack manchmal von einem auf den anderen Tag ändern kann. Da muss man flexibel sein und Neues ausprobieren wollen.

Katharina: Welche kulinarische Idee finden die Leser in dem Kochbuch?

Lisa: Die Rezepte sind einfach, ohne lange Zutatenlisten. Dafür hat man meist eh keine Zeit! Wichtig war uns, dass die Rezepte machbar sind und gesund. Außerdem gibt es zu jedem Rezept ein tolles Foto, das Lust macht aufs Nachkochen.

Katharina: Du sagtest in unserem Vorgespräch, dass es Dir wichtig ist, Deine Tochter beim Kochen immer teilhaben zu lassen. Hast Du ein paar konkrete Beispiele dafür, wie Du das machst?

Lisa: Wenn ich in der Küche bin, darf meine Tochter immer mithelfen. Irgendeine Aufgabe findet man fast immer. Somit ist sie in den Prozess des Kochens involviert, sieht, wie Dinge entstehen, und hat dabei Spaß. Wenn es keine konkrete Sache gibt, bei der sie mithelfen kann, holt sie ihren Korb aus einer Küchenschublade, den ich ganz bewusst in einem unserer Küchenschränke platziere, in dem Töpfe, Förmchen und allerlei Küchensachen sind. Dann setzt sie sich auf den Boden und ‚kocht‘ für sich und ihre Stofftiere.

Katharina: Ist das nächste Projekt schon in Arbeit? Verrätst Du uns etwas darüber?

Lisa: Ja! Das nächste Buch haben wir schon in den Händen gehalten und sind ganz glücklich! Das Buch heißt „Grüße aus meiner Küche“, in dem wir Rezepte und Verpackungsideen vorstellen, die man gut machen kann, wenn man irgendwo eingeladen ist und ein selbstgemachtes Geschenk mitbringen will. Die Rezepte werden ergänzt durch DIY-Ideen und Kopiervorlagen im hinteren Teil. Es erscheint im Januar 2014 im Hölker-Verlag. Außerdem gibt es noch ein Kochbuch, bei dem Julia und ich einen Teil als „Liz&Jewels“ beisteuern und das ebenfalls 2014 erscheint. Mehr wird aber noch nicht verraten…!

Katharina: Herzlichsten Dank!

Zu den Rezepten des Autors

Veröffentlicht im Oktober 2013

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