Interview: Kochbuchautorin Tamara Hänggli

Interview: Kochbuchautorin Tamara Hänggli

Afternoon Tea
Tamara Hänggli, Fotos Martin Hemmi, Edition Fona (2008)

Tamara Hänggli, Kochbuchautorin und Kochlehrerin aus der Schweiz, hat ein Buch über die englische Tea-Time verfasst, das nun erschienen ist. Hier erzählt sie, wie ihr Buch entstanden ist, was einen Neuling bei der britischen Tradition erwartet sowie ihre Lieblings-Afternoon-Tea-Adressen in London.

Valentina: Herzlichen Glückwunsch zum Erscheinen Deines Buches Afternoon Tea. Wie entstand die Idee dafür?
Tamara Hänggli: Ich bin viel in England und habe die Tradition des Afternoon Teas hier in der Schweiz sehr vermisst. Da ich schon lange Kochkurse gebe, kam mir die Idee einen Kurs für den Afternoon Tea anzubieten und zwar an einer sehr renommierten Kochschule in der Schweiz. Die Schule war zunächst skeptisch, weil die Schweiz kein Tee-Land ist, hat den Kurs jedoch ausgeschrieben. Zu ihrer Überraschung war er sehr schnell ausgebucht. Wir haben dann noch vier weitere Kurse angeboten, die wiederum in Kürze belegt waren. So stellten wir fest, dass das Thema sehr gut ankommt. Für den ersten Kurs habe ich dann viel Material, Rezepte und Geschichte zusammen gestellt. Ich hielt einen einstündigen Vortrag über den britischen Afternoon Tea (übrigens nicht zu verwechseln mit High-Tea, der am Abend stattfindet). Während des praktischen Teils – wir haben selber gebacken und noch über den Tee gesprochen – hat mich ein Teilnehmer nach einer Buchempfehlung gefragt. Ich antwortete, dass ich viele englische Titel kenne, aber keines auf Deutsch. So kam mir die Idee, dass ich eines selber schreiben könnte. Ich habe bei drei Verlagen angefragt und die Schweizer Fona Edition hat sofort zugesagt. Nach einem Jahr für Recherche und Schreiben sowie einigen England-Aufenthalten – seit sieben Jahren habe ich kein anderes Land besucht – war es vollendet.

Valentina: Wie bist Du für die Recherche vorgegangen und wo wolltest Du gerne Schwerpunkte setzen?
Tamara Hänggli: Wenn ich in London bin, dann besuche ich immer Lokalitäten, die Afternoon Tea anbieten. Ich hatte bereits vor dem Buchprojekt einige Kurse in London besucht, auch bei englischen Tee-Experten. So hatte ich bereits viel über die Geschichte erfahren. Zudem habe ich weitere historische Quellen genutzt, z. B. zu der Frage, wie die Tea Time überhaupt nach England kam. Denn ich wollte mit meinem Buch nicht nur eine Rezept-Sammlung weiter geben, sondern die Geschichte dazu erzählen. Ein persönliches Anliegen sind die Tee-Zitate von britischen Autoren, wie z. B. Agathe Christie und Charles Dickens. Daran ist zu erkennen, wie ungeheuer wichtig den Briten ihre Tee-Stunde ist, so dass sie auch in der Literatur eine Rolle spielt.

Valentina: Was erwartet mich, wenn ich an einem Afternoon-Tea in einer Londoner Hotel teilnehme?
Tamara Hänggli: Afternoon Tea bietet Erholung und ein Abtauchen in vergangene Zeiten. Praktisch ist es wichtig, dass man vor Ort reserviert, gerade in Hotels. Sonst kann es passieren, dass man öfters den Platz wechseln muss. Zunächst wird – wie in einem Restaurant – die Karte gereicht, aus der man wählt oder man lässt sich etwas empfehlen. Es wird typischerweise mit Sandwiches begonnen, anschließend folgen Scones und dann Süßes. Die Gänge werden auf der Ètagère gereicht, zuunterst die Sandwich, zuoberst das Süße. Zu jedem Gang kann ein anderer Tee gewählt werden: erst eine stärkere Sorte wie Assam und Darjeeling. Earl Grey und Darjeeling passen besonders gut zu Süßem. Manche Hotels bieten nur Cream Tea, das sind Süßgebäck und Stones, manche bieten Champagner- oder Royal Tea, das ist Afternoon Tea mit einem Glas Champagner bzw. Kir Royal. Eine Besonderheit: Es gibt auch Rose Tea, das zelebrieren besonders Mütter und Töchter gerne. Dabei wird alles in „Rose“ gehalten: Dekoration, Gebäck und Getränke. Übrigens: Diejenigen, die Kaffee möchten, können natürlich auch Kaffee bestellen. Die Italiener trinken meistens Espresso beim Afternoon Tea, habe ich beobachtet.

Valentina: Besten Dank!

Zu den Rezepten des Autors

Veröffentlicht im März 2009

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