Interview: Jeanny Horstmann + Susanne Schanz über Shoot the Food

Interview: Jeanny Horstmann + Susanne Schanz über Shoot the Food

© Daniela Buchholz

Susanne Schanz und Virgina Horstman, kurz Jeanny, sind Food-Bloggerinen. Außerdem Interior- sowie Foodfotografin in Köln (Susanne) und Marketeer in Bremen (Jeanny). Im letzten Jahr starteten die beiden Shoot the Food – Workshops für Foodfotografie. Die waren auf Anhieb ausgebucht und hatten eine klasse Resonanz. Echte Macherinnen, dachte ich, und wollte mehr erfahren.

Katharina: Mein Kompliment. Im Sommer 2012 seid Ihr erstmalig mit Foodfotografie-Workshops gestartet. Die waren ganz schnell ausgebucht. Wie kam es dazu und zu Eurer Zusammenarbeit?

Susanne: Vor einigen Jahren noch wollte ich immer selber an so tollen Workshops in den USA oder Australien teilnehmen, aber aus Kostengründen war das absolut utopisch. Nachdem ich dann selber mehr Erfahrung in der Foodfotografie bekommen und Anfang 2011 meinen Blog gestartet habe, wuchs immer mehr die Idee heran, doch nun endlich selber solche Workshops geben zu können. Außerdem haben Jeanny und ich immer wieder Emails und Anfragen bekommen wann wir denn endlich mal einen Workshop machen würden. Das bestärkte diese Idee natürlich. Irgendwann im Frühjahr sprach ich Jeanny (nachdem ich ihren zauberhaften Blog entdeckt hatte) darauf an, ob sie Interesse hätte eine Workshopreihe zu starten. Sie zum Thema Foodstyling, ich zum Thema Foodfotografie- und Technik. Zu meiner Freude, sagte sie sofort zu, wir trafen uns und fingen wild an zu planen und zu konzeptionieren. Das absolut Tolle ist, das wir, obwohl wir uns vorher nicht kannten, wunderbar miteinander harmonieren. Jeder erkennt den Arbeitsaufwand des anderen an, übernimmt ohne viele Worte mal etwas, wenn der andere zeitlich nicht kann und vor allem: wir sehen das Projekt als gemeinsames.

Katharina: Foodfotografie ist ein ganz eigenes Genre. Worauf kommt es dabei an? Was wollt Ihr gerne vermitteln?

Essen ist Leidenschaft, Geschmack, Haptik. Wenn man es schafft, das Besondere dessen fotografisch festzuhalten, was man gerade gekocht hat, gelingt es, bis in die Geschmacksnerven des Betrachters vorzudringen. Appetit zu erzeugen und Lust, das Gesehene nach zu kochen. Wir lieben natürliches Foodstyling und -fotografie! Keine angesprühten Hähnchen oder babyöl-umflossenen Salatblätter. Alles, was wir fotografieren, ist essbar und zollt den Nahrungsmitteln höchsten Respekt. Zudem lernt man innerhalb unseres Workshops, mit Tageslicht zu arbeiten und ohne Kunstlicht auszukommen.

Katharina: Stichwort Foodstyling: Mit welchen Utensilien reist Ihr an und worauf liegt Euer Fokus?

Wir reisen mit ganz besonderen Utensilien (“Props”) an. Zum einen einem Koffer voller schöner, neutraler Porzellan-Stücke von ASA, aber auch einzigartige Zuckerlöffelchen, alte Kochlöffel, Unterteller, Stoffe, Unter- und Hintergründe. Wichtig ist uns dabei: eine Auswahl ist toll, aber oft ist weniger mehr. Lieber ein besonders tolles, einzigartiges oder passendes Prop einsetzen, als mit viel zu vielen verschiedenen Bildelementen dem eigentlichen Hero “Food” die Show zu stehlen. Letztendlich geht es ja um das Essen.

Katharina: Wie sieht ein Workshop-Tag konkret aus?

Nach einem Kennenlernen folgt der Workshop-Tag dem Ablauf, der beim Foodstyling und Fotografieren auch relevant ist. Wir überlegen uns, wie wir Food in Szene setzen, Stylen erst mal “trocken”, platzieren und richten unsere Kamera ein und dann kommt das Essen ins Spiel. Dazwischen reiht sich ein Abschnitt zur Kameratechnik ein. Wichtig ist dabei, daß jeder auch wirklich praktisch das umsetzt, worüber vorher gesprochen wurde. In Gruppen und dann auch noch zusätzlich gerne alleine stylen und fotografieren die Teilnehmern. In einer abschließenden Runde darf jeder eines seiner Bilder auf der Beamer Leinwand präsentieren und gemeinsam wird besprochen, was da tolles geleistet wurde. Offene Fragen werden beantwortet, das ist uns sehr wichtig. Mittags wird zusammen gegessen, um die Reserven wieder etwas aufzuladen und Abends kann, wer mag, an einem gemeinsamen Essen teilnehmen und so den Tag ausklingen lassen.

Katharina: Was denkt Ihr: Worin liegt der Unterschied, dass Ihr Frauen seid im Hinblick auf Konzept + Umsetzung Eurer Workshops?

Männer haben einen meist sehr technischen Blickwinkel auf die Fotografie (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel – in jede Richtung). Wir haben es früher vermieden männerdominierte Foto-Workshops zu besuchen, aus Sorge wir könnten so „dumme“ Fragen stellen wie, „Warum ist denn mein Bild schon wieder so hell?“ Unsere Workshop animieren nicht nur dazu jede Art von Fragen zu stellen, sondern bringen die Technik verständlich an die Frau und überaus gerne auch an den Mann. Das Konzept und die Umsetzung der Workshops soll einen schönen, entspannten Tag mit netten, gleichgesinnten Leuten, leckerem Essen und verständlicher Theorie mit Witz und Spaß, sowie Einblicke in das Foodstyling vermitteln. Damit ist es unserer Ansicht nach nicht nur wichtig den Tag möglichst harmonisch zu gestalten, sondern die Teilnehmer mit einer kleinen Aufmerksamkeiten willkommen zu heißen und zu verabschieden. Das ist zwar ein amerikanischer Trend/Brauch, aber er kommt gut an und ,man fühlt sich umsorgt. Und das alles an schönen hellen Orten, wie Cafés, Restaurants oder Tageslicht-Fotostudios. Denn wir wollen Hobbyfotografen und Foodbloggern nicht die komplexe Kunst der Blitzlichtfotografie in dunklen Studios erklären, sondern zeigen, wie man mit simplen Tricks und mit dem nötigen Know-How traumhafte Fotos bei Tageslicht machen kann.

Katharina: Wer ist denn alles gekommen? Nur Food-Bloggerinnen?

Ganz im Gegenteil! Die Mischung ist sehr bunt: Teilnehmer waren Nicht- Blogger und Blogger, Stylisten, People-Fotografen oder Inhaber kleinerer Food-Manufakturen und Shopbesitzer, die ihre Produktpräsentation verbessern möchten oder einen Einblick in die Foodfotografie bekommen möchten. Unter den Bloggern waren auch viele Lifestyle- und Fashionblogger. Zudem natürlich Kulinariker, die leidenschaftlich gerne kochen und Ihre Werke auch bildlich schön festhalten möchten.

Katharina: Wenn man etwas das erste Mal macht, dann lernt man ganz viel über sich selber, finde ich. Was habt Ihr aus Euren Workshops mitgenommen?

Susanne: Ich habe schon in der Uni sehr gerne Referate gehalten und versucht diese möglichst ansprechend und didaktisch aufzubauen. Bei der Erarbeitung des inhaltlichen Konzepts für die Workshops ging es mir ähnlich: ich wollte den Teilnehmern anhand (ihrer eigenen Fotos) leicht verständlich erklären, wie die Kamera funktioniert. Innerhalb der Workshops habe ich gemerkt, wie sehr mir das Erklären und Verständlichmachen Freude bereitet. Und wie schön es dann auch ist ein solch positives Feedback zu erhalten.

Jeanny: Am spannendsten finde ich, daß wir vor den Workshops nie wissen, wer uns erwartet und somit: was uns erwartet. Jeder Workshop ist anders und sich darauf einzustellen, ist aufregend. Es kribbelt vor jedem Workshop!

Katharina: Nach dem Workshop ist vor dem Workshop. Wie geht es weiter? Habt Ihr neue Ideen und Städte in Planung?

Wir erhalten täglich neue Emails mit Voranmeldungen und sind überwältigt. Nächstes Jahr werden neue Städte bereist. Nachdem uns in diesem Jahr bereits Teilnehmer aus UK, der Schweiz, Österreich und Belgien besuchten, reisen wir unter anderem zu zwei Terminen nach Wien und erwarten wundervolle Kaiserschmarrn-Sessions. Andere Städte (u.a Karlsruhe, Frankfurt) in Deutschland kommen ebenfalls hinzu und wir werden auch einen Zwei-Tages-Workshop anbieten, bei dem Styling und Fotografie durch gemeinsames Marktbegehen, Nahrungsmittelauswahl und v.a. Kochen und Speisen auf dem Stundenplan steht. Wir freuen uns sehr auf alle neuen “Foodies” und Foodfotografie-Liebhaber, die wir auf diesen Reisen kennenlernen werden.

Katharina: Valentinas-Kochbuch.de steht für Kochbücher. Was sind denn aktuell Eure Lieblinge, kulinarisch und in Punkto Fotografie?

Jeanny: Ich könnte stundenlang darüber schreiben, aber nur kurz hier meine aktuellen Favoriten: gerade ganz oben auf meinem Kochbuchstapel: What Katie Ate (an diesem Werk kommt man ja keinesfalls vorbei, sowohl kulinarisch, stilistisch als auch fotografisch. Ihre Handschrift ist einzigartig und tief), Rachel Khoos “Little Paris Kitchen”, “In 80 Gerichten um die Welt” von David Loftus, “Jerusalem” von Yotam Ottolenghi und Brot genießen von Oliver Brachat und Tobias Rauschenberger Jahreszeiten von Donna Hay und Stevan Pauls “Schlaraffenland” hat mir die letzte Zugfahrt von einem Shoot the Food Workshop nach Hause versüsst

Susanne: Da muß ich ein bißchen ausholen, wenn ich darf 😉 Ich habe sehr wenig Kochbücher der deutschen Küche. Und auch recht wenig von deutschen Verlagen. Eines dieser wenigen, hat mich im Frühling völlig fasziniert: Claudia Seifert: „Campingküche“ (2012), mit Gute-Laune-Fotografien von Julia Hoersch. Dieses Kochbuch macht das Campieren so ausserordentlich einladend, dass ich mich einfach nur tierisch auf unseren Campingurlaub gefreut haben, was ich sonst nicht tue. Das sollte meine Mann jetzt vielleicht nicht lesen 😉

My next Favorite ist Pete Evans: „My Kitchen“ (2011), Fotos von der One-and-Only Katie Mc Davis, known as What Katie ate. Immer wieder zur Hand nehme ich Donna Hays „Jahreszeiten“ (2010), oft auch mit ins Bett. Traumhafte Fotos von Con Poulos, Mikkel Vang, William Meppen und Ben Dearnley machen das Buch zu einem wahren Betthupferl. Und überhaupt Donna Hay geht immer. Genau wie Jamie Oliver. Mein Lieblingskochbuch ist das „Natürlich“, eine Sammlung von Frühling-, Sommer-, Herbst- und Winterrezepten mit Tipps für den Gemüse-Gartenanbau. Perfekt.

Im Sommer habe ich auch Linda Tubbys „Eis für Geniesser“ entdeckt, nicht ganz neu, von 2008, aber die unwiderstehlichen Fotos von Jean Cazals und das Layout sind absolut zeitlos und haben mir meinen diesjährigen Italienurlaub zusätzlich versüsst.

Auch diesen Sommer gekauft habe ich das köstliche Buch über das Einkochen, Backen, Einmachen und Konservieren. Dabei sind die Foto von Tara Fisher so hinreißend wie die Rezepte von Alison Walker selbst. Dieses Jahr ist es unter dem deutschsprachigen Titel „Aus Freude am Landleben“ erschienen.

Katharina: Herzlichsten Dank und weiter viel Erfolg!

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Veröffentlicht im Dezember 2012

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