Interview: Dorothée Beil, Kochbuchsammlerin und Foodbloggerin

Interview: Dorothée Beil, Kochbuchsammlerin und Foodbloggerin

Foto: privat

Für Dorothée Beil ist Kochen eine Leidenschaft. Viel Raum lässt sie ihr. Buchstäblich. Über 2.000 Kochbücher stehen in ihrer Sammlung in München. Dorothée belässt es nicht bei der Theorie, denn sie kocht wunderbar und scheut nicht die Bühne. Sie hat Courage. Das ist nachzulesen auf ihrem Foodblog Bushcooks Kitchen und war zu bewundern, als sie gemeinsam mit Heike von Au aus der TV-Kochshow Topfgeldjäger als Siegerteam hervorging.

Katharina: 2000 Kochbücher stehen in Deinen Regalen. Liebe Dorothée, wie viel Meter Regal ist das eigentlich? Und das interessiert mich immer sehr: Wie hast Du sie sortiert?

Dorothée: Die Frage mit den Metern habe ich mir noch nie gestellt, aber gleich nachgemessen. Upps, stolze 32 Meter.

Mit dem Sortieren befasse ich mich intensiver und bin wirklich stolz darauf, sie alle ziemlich zügig zu finden. Sie sind nach Themen sortiert, dabei gibt es den großen Block der Zubereitungsarten (backen, einmachen, trocknen..) und Zutaten (wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Gewürze, Kräuter, etc.). Da finden sich auch Bücher zu Menüs, Vorspeisen, Desserts, Fingerfood usw.

Die nächste große Kategorie sind die regionalen Kochbücher. Da sortiere ich von grob nach fein. Zuerst mal nach Kontinenten (Europa), dann Länder (Deutschland), danach Regionen (Bayern) und zum Schluß bis zu Städten (München). Dieses von grob nach fein Konzept habe ich auch bei den anderen Themen durchgehalten.

Einen besonderen Platz habe ich natürlich auch für die Bücher von mehr oder weniger bekannten Küchenchefs, wie z. B. das hier rezensierte Buch von Nelson Müller.

Katharina: Wie hat Deine Kochbuch-Leidenschaft begonnen und was fasziniert Dich an dem Genre?

Dorothée: Meine Kochbuch-Leidenschaft hat sich parallel mit meiner Koch-Leidenschaft entwickelt. Die Bücher sind für mich anregende Lektüre, Nachschlage-Werke, aber auch Erinnerungen. Wir reisen viel und ich versuche mir immer ein Kochbuch aus der bereisten Region mitzubringen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen habe ich auch für jede Reise ein entsprechendes Buch. Das gleiche gilt für die Erinnerung an tolle Restaurant-Besuche. Ich versuche mir auch immer diese Bücher vom Autor signieren zu lassen. Wenn ich sie nach Jahren wieder in die Hand nehme, dann denke ich gerne an die schönen Erlebnisse zurück.

Katharina: Welches Thema interessiert Dich zurzeit besonders, dh welche Kochbücher stehen gerade in Deiner Küche und welche liegen auf dem Sofatisch?

Dorothée: Ehrlich gesagt stehen nie Kochbücher in meiner Küche, ich scanne die Rezepte ein und drucke sie mir aus. Meist halte ich mich sowieso nicht an die Rezepte und kann so meine Anmerkungen gleich festhalten und ich muß dann nicht aufpassen. Dafür sehen diese Zettel hinterher wirklich schlimm aus.

Im April bin ich bei einem Koch-Event für Fingerfood Gastköchin, deshalb liegt im Moment ein ganz großer Stapel Bücher herum. Das sind aber keine reinen Fingerfood-Bücher. Oft sind nur ein bis zwei Rezepte pro Buch interessant.

BeilDie Idee Gemüse in den Vordergrund zu stellen fasziniert mich immer mehr. Eigentlich erlaubt Gemüse viel mehr Varianten als Fleisch. Der beste und zwangloseste Ansatz ist hierbei Flexitarian, vorgestellt von Bernd Arold in dem Buch Vegetarisch für Fleischesser (Verlag 99pages). Der Fokus liegt auf einem Gemüsegericht, wer will kann es mit Fisch oder Fleisch ergänzen. Auch dafür gibt es Vorschläge. In diese Richtung möchte ich stärker denken. Zu einem Wintermenü habe ich einen eigentlich vegetarischen Hauptgang gemacht und, weil ich die Gäste gut kannte, eine schöne Entenbrust dazu gemacht.

schnurrUnd dann habe ich da noch ein “Battle” mit dem Maitre vom Falco in Leipzig laufen. Deshalb kommt auch cuisine passion légère von Peter Maria Schnurr (Matthaes Verlag) nicht ins Regal.

Außerdem begeistere ich mich gerade für den Ganzjahres-Foodblog-Event Koch den Vinz und so stöbere ich begeistert wieder in Schwäbische Mundart von Vincent Klink.

Katharina: Du hast mir erzählt, dass Du viel reist. Kochbücher fremder Länder sind für Dich ein Weg, eine Region besser kennzulernen. Welches Buch Deiner Sammlung hast Du in dieser Hinsicht besonders intensiv genutzt und was hat es Dir erzählt?

BeilDorothée: Lustigerweise ist es eins aus meiner Heimat Bayern. Ich besitze wirklich Kochbücher aus den entlegensten Winkel der Erde, aber am meisten nutze ich die Bayerischen Weiberwirtschaften (Hädecke Verlag). Mein Mann und ich unternehmen lieber Reisen, anstatt einfach irgendwo hinzufahren. Deshalb recherchiere ich vorher sehr intensiv, wo man einen genussvollen Stop machen könnte. Der Vorteil: wenig nervende Autobahnen, keine grauenvollen Raststätten, stattdessen nette Gaststätten, schöne Landschaft, charmante Begegnungen und viele genussvolle Entdeckungen.

Katharina: Welches Land beeindruckt Dich mit seinen Kochbüchern?

Dorothée: Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt unbeliebt mache. Ich habe wirklich sehr viele unterschiedliche Bücher aus Deutschland, aus den Bundesländern, sogar von einzelnen Städten. Die Vielfalt der Bayerischen Küche beeindruckt mich am meisten. In dieser Ausprägung kann ich das bei anderen Bundesländern nicht so feststellen. Dort kaufe ich am liebsten Neuauflagen alter Kochbücher, die Neuen bieten mir da zu wenig Typisches.

Katharina: Erzähl’ uns bitte ein wenig über die Kochbücher abseits der europäisch geprägten Kulturkreise: Welche Eigenheiten und Besonderheiten fielen Dir auf Deinen Reisen auf?

Dorothée: Hier kann ich speziell für den arabischen und afrikanischen Raum sprechen. Dort ist es nicht üblich Kochbücher zu besitzen. Die Rezepte werden in der Familie weitergegeben und die Mädchen lernen bei der Mutter die traditionellen Gerichte. Kochbücher werden eigentlich nur für die Touristen produziert und sind deshalb auch nur in Hotels, internationalen Buchläden oder am Flughafen erhältlich.

BeilDie Qualität ist auch sehr unterschiedlich. Da gibt es einfachste, ganz kleine Taschenbücher ohne Fotos bis hin zu wunderbaren Bilder-Kochbüchern, nach europäischen Standards. Meist sind sie nur in englischer Sprache, im Maghreb natürlich in französisch erhältlich. Einige wenige sind übersetzt, wie das wunderbare Eine kulinarische Safari durch Afrika von Josie Stow (Augustus Verlag). Schmuckstücke sind auch alle Bücher von dem tanzanischen Fotografen Javed Jafferji, leider in Deutschland nicht zu bekommen.

Katharina: Kochbücher können Ausdruck sein über die wirtschaftliche eines Landes. Welche Eindrücke hast Du von Deinen Reisen mitgebracht?

Dorothée: Ehrlich gesagt sind Kochbücher schon Ausdruck unseres luxuriösen westlichen Lebensstils. In afrikanischen Ländern stellt sich diese Frage nicht. Das Kochen wird in der Familie weitergegeben und gekocht wird, was der Boden oder der Markt hergibt. Dabei darf man nicht vergessen, dass in vielen Regionen gehungert wird oder die Menschen auf der Flucht sind. Da geht es oft nur darum satt zu werden, Genuss oder abwechslungsreiche Küche sind kein Thema. Wir waren in Mocambique und haben dort einen Markt erlebt, auf dem es eine Handvoll Okraschoten und fünf Langusten gab. Sonst nichts! Da das Land nicht touristisch erschlossen ist, gibt es auch kein Kochbuch. Dafür haben die Menschen weder die Zeit, noch das Interesse daran.

Katharina: Welche Küche außerhalb des europäischen Kulturkreis hat besonders viel Einfluss genommen auf Deine Kochkünste?

Dorothée: Die vielen Reisen nach Afrika oder in den Orient haben meine Kochvorlieben natürlich schon geprägt. Ich liebe gerade die arabische Küche sehr und gerade die Mezze-Gerichte sind Bestandteil meiner Alltagsküche. Darüber hinaus ist es für mich sehr spannend so eine Küche für ein festliches Mehrgang-Menü zu interpretieren. Das habe ich letztes Jahr für Freunde gekocht und möchte ich bald wieder machen. Mittlerweile kann ich auch die unterschiedlichen Stiele unterscheiden. Genauso wenig, wie es keine asiatische Küche gibt, gibt es auch keine arabische. Meine Favoriten sind hier ganz klar Marokko, Syrien, Libanon und Jemen.

Besonders erwähnenswert ist auch die äthiopische Küche, da sie wirklich für sich selbst steht. Ich kenne nichts Vergleichbares. Wer mal die Chance hat in ein Äthiopisches Restaurant zu gehen – unbedingt probieren!

Katharina: Reisen sind meist ein Abenteuerurlaub in Hinblick auf Zutaten. Welche Zutaten hast Du auf Reisen in ferne Länder entdeckt, die für Dich unverzichtbar geworden sind?
Dorothée: In meiner Küche ging es schon immer kreuz und quer und ich habe auch sehr früh Kochkurse bei „native cookers“ (ich nenne sie immer so) gemacht. Deshalb war mir da vieles geläufig. Den Schwerpunkt würde ich auf die Gewürze legen. Auf einer unserer Tanzania-Reisen haben wir auch eine Spicefarm auf Zanzibar besucht. Das war sehr lehrreich für mich und beim Würzen denke ich oft daran, wie die Pflanze eigentlich aussieht. Unvergessen ist auch die frische Kakaobohne, die wir dort versuchen durfen. Das wird wohl ein einmaliges Erlebnis bleiben.

Katharina: Stell’ Dir vor, Du müsstest das Land verlassen und kannst nur 10 Bücher mitnehmen. Welche würdest Du in Deinen Koffer packen?

BeilDorothée: Ich war selber überrascht, wie leicht mir das gefallen ist. Eine Auswahl von 25 Büchern wäre wesentlich schwieriger für mich gewesen. In dem Segment gibt es mehr, die auf der gleichen Stufe stehen. Und es war mir auch absolut klar, dass es hauptsächlich „alte Schätzchen“ sein werden. Eigentlich schade, dass die nicht mehr richtig gewürdigt werden. (links: Regensburger Kochbuch, 96. Auflage aus dem Europa Lehrmittel Verlag)

1. Das Regensburger Kochbuch von Marie Schandri, geerbt von meiner Großmutter und sie hatte es von meiner Urgroßmutter
2. Kochschule von Stefan Marquard (GU, antiquarisch)
3. Meine Südtiroler Küche von Herbert Hintner (Folio Verlag)
4. Bills Küche von Bill Granger (Dorling Kindersley Verlag)
5. Mezze – ein Genuß von Bettina Matthaei und Mohamad Salameh (GU)
6. Das Kochbuch der Frau Rose von Rose Mann (Hugendubel Heinrich, antiquarisch)
7. Pure Nature von Nils Henkel (Fackelträger Verlag)
8. Aroma pur von Tanja Grandits (AT Verlag)
9. Vegetarisch für Fleischesser von Bernd Arold (99pages)
10. Die Tricks und Tipps der Köche von Hans-Peter Matkowitz (Hädecke Verlag)

Katharina: Herzlichsten Dank!

Zu den Rezepten des Autors

Veröffentlicht im Dezember 2012

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