Interview: Claudia Schmidt von fool-for-food.de

Interview: Claudia Schmidt von fool-for-food.de

Foto: privat

Valentinas-Kochbuch.de: Claudia, Du hast Biologie und Französisch studiert, bist als freiberufliche Text- und Bildjournalistin tätig, insbesondere für IT-Fachthemen. Im August 2005 hast Du Deinen kulinarischen Blog Fool-for-food.de gestartet, das mit monatlich durchschnittlich 150.000 Seitenabrufen zu den viel gelesenen gehört. Wie kam es, dass Du ein öffentliches Internet-Tagebuch begonnen hast und woher kommt Deine Leidenschaft für das Kochen?

Claudia Schmidt: Bei meinen Eltern wurde und wird natürlich jeden Tag gekocht – es war für mich immer eine Selbstverständlichkeit. Mit 10 Jahren habe ich dann mal verkündet, dass ich ab jetzt immer für mich selbst kochen möchte. Ich habe dann Nudeln mit Butter gekocht – allerdings war es das dann mit meiner Selbstversorgung. Da meine Mutter nicht so gern backt, habe ich mit 13 Jahren angefangen, alle häuslichen Backaktivitäten zu übernehmen.

Interesse für frische Zutaten ist mir ebenfalls in die Wiege gelegt worden: Wir sind im Herbst häufig Pilze sammeln gegangenen und haben auch Beeren gepflückt. Bei meiner Großtante hatte ich ein kleines Stück Land, auf dem ich ganz begeistert als Kind Radieschen gepflanzt habe. Und natürlich hatte ich immer alle “tollen” Pflanzen aus den Yps-Heften. Das war sicherlich der Grundstein für meine Spezialisierung auf Nutzpflanzenkunde im Studium.

Mitte der 80er erwischte mich zeitgemäß das Vollwert-Virus und ich redete mir Roggengrütze schön, verschlang Literatur zum Thema. Rund 10 Jahre später habe ich dann ein Vollwertseminar für den BUND durchgeführt. Mir war inzwischen wichtig, dass man das Thema von der leckeren Seite und nicht zu dogmatisch angeht. Die Seminarteilnehmer waren begeistert – gerade weil hier niemand mit erhobenem Zeigefinger die Ernährungsgewohnheiten umkrempeln will.
2002 kam – nachdem der Verlag auf mich zugekommen war – mein erstes Kochbuch heraus: Alles Tomate aus dem pala-verlag.

Es war dann schon fast logische Konsequenz, dass ich 2005 dann “Fool for Food” startete – ich hatte schon einige Monate in Foodblogs gestöbert und fand die Idee toll. Bis zum eigenen Blog war es dann nur ein kleiner Schritt. Das ist bis heute auch eine tolle Möglichkeit für mich, meine Kochaktivitäten zu verfolgen – und nicht zuletzt anderen zu zeigen, wie einfach gutes Essen selbst zubereitet werden kann. Und ich kann auf foolforfood.de verweisen, wenn ich im Freundeskreis nach einem Rezept gefragt werde.

Valentinas-Kochbuch.de: Du gehörst zu den aktiven Bloggern mit 4 – 5 Posts pro Woche. Wie viel Zeit wendest Du in der Woche für Dein Blog auf? Welchen Einfluss hat er auf Dein Leben, insbesondere auf das kulinarische?

Claudia Schmidt: Um die Zeit mache ich mir keine großen Gedanken, weil das Schreiben von Blog-Artikeln keine richtige Arbeit für mich ist. Der Text fließt schnell aus der Feder – wenn es etwas nicht perfekt ist, wiederhole ich es auch nicht, da gibt es dann eben ein Foto von einer nicht ganz perfekten Himbeer-Tarte. Darum geht es ja auch bei Foodbloggern: Zeigen, wie es wirklich ist. Wenn beim NDR eine Sendung mit Rainer Sass vorbereitet wird, sind die Zutaten (auch ganze Braten) zuvor doppelt und dreifach eingekauft worden. Das kann ich natürlich nicht machen.

Das Bloggen motiviert mich noch stärker, Rezepte auszuprobieren. Im Zweifelsfall probiere ich eher etwas Neues aus, als ein Rezept zu wiederholen, das ich schon beschrieben habe. Wie für andere das Beten, gehört für mich das Fotografieren von meinem Essen dazu. Das bedeutet, dass ich schnell ein, zwei Fotos mache. Ich will ja eine warme Mahlzeit nicht kalt zu mir nehmen. Ich koche immer noch hauptsächlich, um gut zu essen.

Was für mich immer noch ein komisches Gefühl ist: Wenn mich Bekannte auf Rezepte ansprechen, die sie nur aus dem Blog kennen können. “Deine Blaubeertarte war lecker” – das hört sich dann fast so an, als wären die bei mir zum Kaffeetrinken gewesen. Da wird mir immer deutlich, wie sehr mein kulinarisches Leben öffentlich geworden ist.

Valentinas-Kochbuch.de: Als Blogger exponiert man sich, insbesondere weil der Blog formal und inhaltlich persönlich ist. Welche Erfahrungen hast Du damit gemacht? Was sind die positiven und was die negativen?

Claudia Schmidt: Das positive Feedback ist überwältigend und toll. Da gab es einen schweizer Radiosender, der über foolforfood.de berichtet hat, viele Zeitungsartikel und natürlich die vielen Kommentare und persönlichen Mails, die mich kontinuierlich erreichen. Ich freue mich immer, wenn Leute Rezepte nachkochen und sich bedanken, weil sie damit bei Freunden und Familie einen echten Treffer landen konnten.

Mit dem Erfolg kommen natürlich auch Neider, die hässliche, inhaltlich irrelvante Mails schreiben – ohne Namen, ohne korrekte E-Mail-Adresse. Die muss man dann einfach gelassen ignorieren – sie sagen meist mehr über den Schreiber aus als über mein Foodblog.

Nervig sind Zeitungsredaktionen, die Bilder drucken möchten und mich als Nettigkeit auch “namentlich erwähnen als Urheberin des Fotos”. Da ich ja auch als Bildjournalistin arbeite, schreibe ich dann immer zurück, dass ich einer Veröffentlichung nur gegen Honorar zustimme. Das Interesse schwindet dann meist. Einige Zeitungsverlage versuchen so auf die dumme Tour an kostenloses Bildmaterial zu kommen.

Valentinas-Kochbuch.de: Zu Deinen Inspirationsquellen und Deinem Rüstzeug: Wieviel Kochbücher und -zeitschriften hast Du? Sicherlich hast Du eine Küche, wo von alle anderen träumen: Töpfe in allen Größen, eine Vorratskammer und jedes Werkzeug, das ein Homecook-Herz begehrt? Welches Reiseland inspiriert Dich besonders?

Claudia Schmidt: Eine große Inspiration sind für mich tatsächlich Kochbücher, es sind mittlerweile rund 600 Stück – davon sehr viele aus dem englischsprachigen Raum. Kochzeitschriften sind natürlich auch eine Inspiration, allerdings habe ich die nicht immer aufbewahrt, das sind momentan knapp über 50 Stück.

Eine Küche von der viele träumen habe ich leider noch nicht. Meine Küche hat 8 qm und platzt aus allen Nähten. Ich habe rund 10 gute Kochtöpfe – darunter auch französische Bräter und Schmortöpfe aus Gusseisen und natürlich gute Messer. Viele Werkzeuge benötigt man zum Kochen ja eigentlich nicht, aber das eine oder andere Spielzeug muss ich dann doch haben. Ich habe beispielsweise eine ausgeprägte Schwäche für Backformen. Eine große Küche sowie eine Vorratskammer sind für den nächsten Umzug unabdingbare Voraussetzung. Genauso wie ein Garten: Die Sehnsucht nach einem eigenen Garten ist groß – ich kompensiere sie dadurch, dass ich Kartoffeln buddeln gehe, eine Apfelbaumpatenschaft habe und wo immer möglich zum Selbstpflücken gehe.

Inspirierend wirken ausländische Märkte und Lebensmittelgeschäfte auf mich. Wenn andere Kirchen besichtigen, stöbere ich lieber auf Märkten mit lokalem Angebot, wie etwa dem “Borough Market” in London oder in Spezialläden etwa für Kuchendekorationen wie “Jane Asher” – dafür nehme ich auch längere Fußmärsche in Kauf. Ich schaue außerdem gern, was die Leute einkaufen – das sagt viel über ein Land aus. Das finde ich in England genauso spannend wie im kulinarisch hochgelobten Italien oder in Frankreich. Jedes Land hat seinen Reiz – einen ausgemachten Liebling habe ich nicht. Das einzige Problem sind für mich die Gewichtsbegrenzungen beim Fluggepäck – da riskiere ich schon mal, dass meine Handtasche reißt, weil ich versuche, ein paar Extra-Kilo dort zu verstauen.

Valentinas-Kochbuch.de: Besten Dank!

Veröffentlicht im August 2009

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