Interview: Claudia Lanfranconi über Gastgeberinnen & ihre Feste

Interview: Claudia Lanfranconi über Gastgeberinnen & ihre Feste

Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste
Claudia Lanfranconi, Elisabeth Sandmann Verlag (2012)

Die Neuerscheinung „Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste“ widmet sich jenen Frauen, die hinter rauschenden Festen stehen. Quer durch die Jahrhunderte und Milieus trifft man hier auf die Macherinnen, die eine seltene Kunst verbindet. Nämlich Feste zu inszenieren, die alle anderen überstrahlen.

Katharina: Frau Lanfranconi, Sie stellen in Ihrem Buch 19 Gastgeberinnen vor, deren Persönlichkeiten und Feste etwas Besonderes waren bzw. sind. Was zeichnet die Porträtierten als Gastgeberinnen aus?

Claudia Lanfranconi: Für alle gehörte das Feiern mit Freunden und Bekannten zu einem glücklichen und erfüllten Leben. Die meisten liebten gutes Essen, Kunst und Kultur, ein schönes Ambiente und alle hatten ein großes Interesse an ihren Mitmenschen, die sie miteinander bekannt machen wollten. Nur wer lebenslustig ist, kann ein gelungenes Fest feiern. Und diese Lebenslust zeichnet alle Damen meines Buches aus.

Katharina: Elsa Maxwell hat mich besonders fasziniert. Sie erscheint mir wie eine Abenteurerin, ja geradezu Goldgräberin. Wie haben Sie diese ungewöhnliche Frau entdeckt? Was faszinierte die Menschen an ihr als Gastgeberin?

Claudia Lanfranconi: Maxwell gehört auch zu meinen Lieblingsgastgeberinnen. Sie zu entdecken war gar nicht schwer, weil sie zu den berühmtesten Gastgeberinnen des 20. Jahrhunderts zählt. Wie man in ihren Lebenserinnerungen nachlesen kann, hat sie um die 10 000 Veranstaltungen von der kleinen Dinnerparty bis zum großen Kostümball für Könige, Politiker und anderen Prominente organisiert. Sie war nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa der Star auf vielen Festen, weil sie wunderbar Klavier spielen konnte und mit ihrer guten Laune ansteckend wirkte. Ihr Erfolgsrezept für ein gelungenes Fest waren Spiele – Schatzsuchen, Federpusten, Gemeinschaftsbilder malen und natürlich Mottopartys. Dabei war Maxwell nicht auf hohe Honorare aus. Ihr Geld investiert sie gleich in das nächste Fest, engagierte herausragende Musiker oder besondere Dekorationen. So machte sie sich und ihre Gäste gleichermaßen glücklich.

Katharina: Das Kapitel über Lee Miller war spannend. Ich hatte angenommen, alles Wesentliche über sie zu wissen. Ihre Leidenschaft als Gastgeberin und Köchin war mir aber völlig entgangen. Erzählen Sie uns bitte davon.



Claudia Lanfranconi: Lee Millers Karriere ist absolut beeindruckend, weil sie so vielfältig ist. Diese wunderschöne Frau war erfolgreich als Modell, als Muse des surrealistischen Künstlers Man Ray und als selbständige Fotografin. Berühmt wurde sie mit ihren Bildern, die sie für die amerikanische Vogue als Kriegsreporterin an der Front und in den Konzentrationslagern machte. Nachdem sie mit ihrem Ehemann Roland Penrose nach Sussex in ein schönes Haus aus dem 18. Jahrhundert gezogen war, entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Kochen. In der großen Küche von Farmley Farm bereitete sie nicht nur englische Klassiker zu, sondern experimentierte. Es gab blaue Spaghetti, sie richtete Blumenkohl übergossen mit rosa Sauce wie pralle Brüste an, den Salat soll sie schon mal in der Spülmaschine gewaschen haben. Sie machte bei einem Wettbewerb für Smörrebröd mit und gewann mit ihrer Kreation eine Reise durch Skandinavien. Im nächsten Jahr erscheint ein Kochbuch mit ihren Rezepten, auf das ich mich schon freue.

Katharina: Bis auf die Künstlerinnen zeichnet die porträtierten Gastgeberinnen aus, dass sie finanziell sehr unabhängig waren. Manchmal habe ich gedacht, dass sie sich mit den legendären Festen, zu dem jeder eingeladen werden wollte, sich eine gesellschaftliche Rolle erarbeitet haben, die erst ihrem Ehrgeiz entsprach. Alva Vanderbilt schreibt: “First marry for money, then marry for love.” Was denken Sie?


Claudia Lanfranconi: Bei einigen Gastgeberinnen spielten gesellschaftliche Gründe sicher eine bedeutende Rolle, wenn sie einluden. Alva Vanderbilt ging es mit ihrem berühmten Ball von 1883 darum, Macht und Reichtum der Familie Vanderbilt zu repräsentieren. Sie wollte, dass die Vanderbilts zu den 400 wichtigsten Familien Amerikas gehörten. Was ihr auch gelungen ist. Und auch andere Gastgeberinnen haben ihre hohe gesellschaftliche Position durch großartige Feste für alle anderen sichtbar gemacht wie Marie-Hélène de Rothschild, die Gattin des berühmten Bankiers, die in den siebziger Jahren spektakuläre Kostümballe veranstaltete. Fotos von ihren Bällen wurden in Gesellschaftsmagazinen abgedruckt. Jeder wollte dabei sein. (Links: Marilyn Monroe und Elsa Maxwell auf dem

Katharina: Die Lust an der Inszenierung und Freude an der Geselligkeit – das sind zwei Eigenschaften, die eine Rolle spielen, will man eine glückliche Gastgeberin sein, oder? Was noch? Was haben Sie bei Ihren Damen entdeckt?
Claudia Lanfranconi: Neben der Freude an der Geselligkeit ist ein Ziel der Damen in meinem Buch, neue Menschen besser kennen zu lernen und Menschen miteinander bekannt zu machen. Isa von Hardenberg und Marianne zu Sayn-Wittgenstein sind großartige Netzwerkerinnen. Die Wohnungen und Häuser von Gertrude Stein oder Berta Zuckerkandl standen jungen Künstlern und Schriftstellern offen, denen die Gastgeberinnen ein Forum für ihre Werke geben wollten.

Katharina: Was hat die Arbeit an Ihrem Buch an ihrer Sicht auf Feste und Gastgeberinnen verändert?



Claudia Lanfranconi: Es hat sich nicht viel geändert. Ich rechne es allen, nicht nur Frauen, sehr hoch an, wenn sie zu sich nach Hause einladen und sich die große Mühe machen, ein schönes Fest für die Familie und Freunde zu gestalten.

Katharina: Elsie de Wolfe gibt den Tipp, “Habe immer mehr Männer als Frauen da.” Frau Hardenberg setzt die Leute so eng, dass sie sich immer miteinander unterhalten können. Welche praktischen Tipps haben Sie noch entdeckt?



Claudia Lanfranconi: Einige Gastgeberinnen schwören auf Alkohol, anderen sind strikt dagegen, weil es den Verstand benebelt. Für die meisten ist das A und O eine gute Organisation im Vorfeld. Viele schwören darauf, für die Gäste eine kleine Überraschung parat zu haben wie zum Beispiel ein besonderes Gericht, ein ungewöhnliches Getränk oder auch mal ein Spiel, das alle zusammenbringt. 30% selbst reden und 70% Zuhören lautet eine weitere Regel von Gräfin Hardenberg. (Linkes Bild: 24. März 1949 : Lady Diana Cooper als Einhorn)

Katharina: Interessant fand ich die vielen Party-Ratgeber-Bücher aus früheren Zeiten. Sicher haben Sie sich mehrere angeschafft. Welche sind immer noch absolut empfehlenswert?

Claudia Lanfranconi: Empfehlen kann ich wärmstens Dorothy Draper: Entertaining is Fun!. Außerdem natürlich Elsa Maxwell How to do it or the Lively Art of Entertaining und das Kochbuch von Alice B. Toklas.

Katharina: Herzlichen Dank

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Veröffentlicht im Dezember 2012

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